Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. August 2014

Streit um Sportanlage kommt nicht zur Ruhe

Anwohner sehen in der Lärmfrage die Gemeinde in der Pflicht.

  1. Die Sportanlage in Ballrechten-Dottingen grenzt unmittelbar an die Wohnbebauung. Foto: Model

BALLRECHTEN-DOTTINGEN. Der Konflikt um die Lärmimmissionen der Sportanlage kommt nicht zur Ruhe. Verwaltung und Sportverein haben ihre Sicht der Dinge (BZ vom 1. August). Die Anlieger beurteilen die Beeinträchtigungen aus anderer Warte. Einige stehen zum Verein, weil sie irgendwie mit ihm verbunden sind, andere erwarten mehr Rücksicht. Nachdem einige Gespräche zu Übereinkünften führten, sorgte erneut ein Lärmereignis dafür, dass einige Nachbarn das mühsam erzielte Einvernehmen aufkündigten. Das Sommerfest fand zwar trotzdem statt, aber es gärt erneut. Aus mehrfachem Grund.

"Wir sind keine Gegner der Sportanlage, sondern Anlieger, die etwas mehr Ruhe und die dafür erforderliche präventive Fürsorge von der Gemeinde erwarten", betonen Heinrich Merz und Gerd Dehnert. Sie sind zwei Vertreter einer Gruppe von fünf beschwerdeführenden Anrainern, die größtenteils seit den 1970er Jahren in Ballrechten-Dottingen wohnen. Eine Lärmschutzwand und Dämmung der Betonstützmauer halten sie bei den erreichten Lärm-Immissionen für eine sinnvolle, finanzierbare Maßnahme und legitime Forderung. Als sie an den Sulzbach zogen, hatte der Verein noch keine 15 bis 16 Mannschaften, keine zwei Sportplätze, kein Kleinspielfeld und kein Vereinsheim mit Gaststättenniveau. Der Lärm habe stetig zugenommen, Wohnwert und Lebensqualität dagegen permanent abgenommen. Das hatte ein weitaus größerer Kreis von Anliegern 1985 befürchtet, als die Sportanlage um einen Rasenplatz erweitert werden sollte. Heinrich Merz zitiert den damaligen Bürgermeister Bernd Gassenschmidt aus der Ortschronik: "Wir konnten keinen Prozess wagen, da wir den verloren hätten wegen der Lage zu dem angrenzenden allgemeinen Wohngebiet. Die Nachbarn ließen sich damals auf einen Vergleich ein: begrenzte Spielzeiten, keine Erweiterung des Vereinsheimes, Sperrung des Weges am Sulzbach und einiges mehr.

Werbung


Das wurde nur kurzzeitig eingehalten und langfristig verwässert. Die Beschwerden hielten an. Immer wieder fanden Besprechungen der betroffenen Bürger mit Gemeindeverwaltung und Sportverein statt, um die Situation der Mittagsruhe, der lauten Musik im Freien, der Platzpflege, der Trainings- und Spielzeiten zu optimieren. "Wir sind Freunde des Sports und waren teilweise jahrelang Mitglieder des SV, aber entschieden gegen die Lärmimmissionen, wie sie sich aktuell entwickelt haben", stellt Gerd Dehnert klar. Bei einem Treffen am 9. Juli 2013 habe der Lärmsachverständige der Gemeinde, Wilfried Jans, den Vorschlag gemacht, mit einer Dämmung der hangseitigen Betonstützmauer und einer Lärmschutzwand die Emissionen um bis zu 50 Prozent zu reduzieren. Darin sehen die Anlieger nun die Fürsorgeplicht der Gemeinde, selbst wenn kein zwingender Rechtsanspruch bestehe. Stattdessen habe die Verwaltung ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben, das nach sechs Monaten eintraf, lärmbedingte Krankheitssymptome vernachlässigte sowie das Vereinsheim und das Kleinspielfeld nicht berücksichtigte. "Grenzwertig und inhaltlich angreifbar" nennen das die Anlieger. Dennoch zeigten sie Kompromissbereitschaft bezüglich der gesetzlich festgelegten 18 "seltenen Ereignisse" im laufenden Jahr. Im März war die Irritation perfekt, als die Gemeinde unangekündigt einen Anwalt zum Gesprächstermin mitbrachte. Im April forderten die Anlieger, das Gutachten im Blick auf die gesamte Sportanlage zu überarbeiten. Das sollte innerhalb sechs Wochen geschehen, liege aber bis heute nicht vor, so die beiden Sprecher.

Anlieger wollen Lärmgutachten, das Vereinsheim und Spielfeld einschließt

An Himmelfahrt Ende Mai kam es bei einem Jugendspiel zu einem Lärmereignis, das selbst der Vereinsvorstand nicht in den Griff bekam, berichtet Heinrich Merz. Im Einvernehmen mit den Verantwortlichen wurde von den Anrainern die Polizei eingeschaltet. Inzwischen haben die Nachbarn ihr vereinbartes Entgegenkommen bei der Gemeinde schriftlich aufgekündigt. Weil die Verwaltung sich dazu bisher nicht äußerte, ergab sich über den Anwalt eines Anliegers ein Auslegungsstreit über die gesetzlich erlaubten 18 "seltenen Ereignisse", den die Gemeinde vor dem Verwaltungsgericht zunächst für sich entschied. Das Sommerfest, das damit verhindert werden sollte, fand statt und verlief "vorbildlich ruhig" wie die Nachbarn bescheinigen, ähnlich wie das Public Viewing bei der Fußball-WM. Der Behindertensport der Lebenshilfe mit Trainingsleiter Patrick Becker wird absolut begrüßt. Lobend erwähnen wollten Merz und Dehnert überdies den rücksichtsvollen Platzwart Hans-Peter Schwark.

Jetzt warten sie auf ein Lärmgutachten, das Vereinsheim und Kleinspielfeld einschließt. Seit mehr als 30 Jahren ertragen sie mit steigender Tendenz die Lärmentwicklung. Es sei nicht das einzelne Ereignis, sondern die Summe von Platzpflege, Training, Spielen und Festen. "Wir haben viel zu lange geschwiegen", glauben die Nachbarn und wissen, wie dehnbar das Gesetz ist. Nun zählen sie die letzten noch erlaubten "seltenen Ereignisse" für 2014 und appellieren an die Gemeinde, die Interessen der Anwohner zu wahren.

Eine öffentliche Diskussion zum Thema im Gemeinderat wird nach wie vor vermisst.

Autor: Sabine Model