Vortrag über NSA

Wie war’s bei... Elmar Theveßen in Ballrechten-Dottingen?

Martin Pfefferle

Von Martin Pfefferle

Fr, 28. März 2014 um 14:42 Uhr

Ballrechten-Dottingen

Merkels Handy, Obamas Neugier, chinesische Unternehmen, Abhörstationen in der bayerischen Provinz – um all das und viele, viele Details ging es beim Vortrag des ZDF-Journalisten Elmar Theveßen in Ballrechten-Dottingen.

LOCATION
Die Castellberghalle liegt wunderschön eingebettet in die Rebhänge in Ballrechten. Für einen Vortrag bietet sie reichlich Platz, aber die optimistische Bestuhlung passt am Ende. Fast alle Plätze sind belegt. Im Obergeschoss darf der Gast des Abends Markgräfler Spezialitäten genießen. Stilecht dargebracht von helfenden Händen in Tracht. Theveßen fühlt sich sichtlich wohl, schwärmt von der (Reben-)Landschaft, begnügt sich aber mit Wasser.

AUFTRITT
Elmar Theveßen ist stellvertretender Chefredakteur des ZDF. Zu seinem Job gehört es, vor laufender Kamera zu kommentieren – kein Wunder, dass er, dunkler Anzug, rote Krawatte, auf der Bühne eine souveräne Haltung an den Tag legt. Mit drahtlosem Mikro am Kopf bewegt sich der 46-Jährige über die Bühne, unterstreicht gestenreich seine Ausführungen und bringt in das trockene, technische Thema Farbe durch Illustrationen und Videos.

PUBLIKUM
Die Bürgerstiftung Ballrechten-Dottingen hat erfolgreich die Werbetrommel gerührt. Gut 200 Menschen sind gekommen – allen Alters. Viele sind aus dem Ort, aber nicht nur. Bei der Fragerunde im Anschluss wendet sich ein junger Mann an Theveßen. Mit T-Shirt und einem dicken Kopfhörer um den Hals ist er schon optisch der Vertreter der Generation Facebook im Saal. Vorne sitzen Bundeswehrangehörige in Uniform neben dem Bundestagsabgeordneten Armin Schuster und Bürgermeister Bernhard Fehrenbach.

INTERAKTION
Theveßen spricht sein Publikum direkt an. Wer hat ein Smartphone? Wer verschickt E-Mails damit? Viele Hände recken sich. Wolfgang Sprangers Hand, der den Abend moderiert, bleibt unten. "Ich werde mir jedenfalls kein iPhone zulegen", sagt er später. Theveßen selbst nutzt moderne Technik natürlich. Und er schafft es, die verworrenen und mit einander vernetzten Details seiner Recherchen so darzustellen, dass die Zuhörer eine Ahnung bekommen, wer warum welche Daten sammelt und auswertet. Die Fragerunde am Schluss ist so lang, dass Moderator Spranger schließlich zum Ende drängen muss.

THESE
Auch schon vor dem 11. September 2001 wurden Telefone abgehört, Spionage unter Regierungen ist ohnehin nichts Neues. Die Terrorangst aber ließ die Schranken fallen. Seitdem dürfen die Sicherheitsdienste quasi alles. Aus Angst vor Terror? Theveßen ist überzeugt, es geht um mehr. Er stellt Beispiele vor, die es nahelegen, dass Staaten und Systeme im Wettkampf untereinander einen Cyberwar begonnen haben. Private Unternehmen etwa in den USA seien dabei mit Sicherheitsbehörden undurchschaubar miteinender verflochten. Private Daten ließen sich für einen Cyberkrieg nutzen – und für Wahlmanipulationen auch.

TIPPS
In seinem Vortrag stellt Theveßen plastisch dar, wie Hacker in Kraftwerke, Banken, ja auch ins Geläut einer Kirche eindringen können. Ein Raunen geht durchs Publikum. Vom Ausspähen sei "jede derzeit verfügbare Technik betroffen", so Theveßen. Das klingt beklemmend. Was also tun beim Benutzen von Telefon, Handy, Internet? Diese Fragen stellen die Zuhörer dem Journalisten. "Vorsichtig mit Daten umgehen", schlägt Theveßen vor. Wenn die Kamera im Handy oder am Laptop nicht gebraucht wird – sicherheitshalber abdecken. Und: "Besser einen Brief schreiben als eine E-Mail." Dann zieht er sein Smartphone aus der Tasche und macht Werbung für einen Film, der im ZDF läuft und für den es eigens eine App gibt. "Wir sollten uns nicht einschüchtern lassen." Wichtig sei es, dass es eine öffentliche Debatte um das Sammeln von Daten gibt, damit öffentlich wird, wofür sie genutzt werden.

SCHMUNZLER
NSA hin, NSA her. Es gibt anderes. Ortsmarketing zum Beispiel. Also lockt Bürgermeister Fehrenbach den Gast aus dem Rheingau, der mit Familie bei Gelegenheit mal wieder kommen möchte: "Wir haben auch noch Bauplätze."

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