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04. Juli 2012 00:01 Uhr

Skandal

Barclays Bank: Die Hassfigur tritt ab

Der Finanzplatz London hat einen neuen Bankenskandal, einer der einflussreichsten Bankmanager der Welt muss gehen: Bob Diamond, Vorstandschef der britischen Großbank Barclays.

  1. Der Finanzplatz London hat einen neuen Bankenskandal. Foto: AFP

LONDON. Er ist am Dienstag mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Der öffentliche Druck wegen möglicherweise manipulierter Zinssätze im Handel zwischen Banken war in den vergangenen Tagen immer größer geworden.

"Bob Diamond hat die richtige Entscheidung für Barclays und die richtige Entscheidung für das Land getroffen", sagte der britische Finanzminister George Osborne. Nach Diamond räumte auch Geschäftsführer Jerry del Missier am Dienstag mit sofortiger Wirkung seinen Posten, wie die Bank mitteilte. Am Montag war bereits Verwaltungsratschef Marcus Agius zurückgetreten. Die Regierung Cameron hat eine Untersuchung in diverse zwielichtige Aktivitäten Barclays angeordnet. Am heutigen Mittwoch soll Diamond im Unterhaus vom Finanzausschuss vernommen werden. Es wird befürchtet, dass noch mehr Banken in die Affäre verwickelt sind, und dass die Krise der City of London, dem größten Finanzzentrum Europas, schweren Schaden zufügen könnte.

Anlass für den Rücktritt des Barclays-Bosses war die Verhängung einer Strafe in Rekordhöhe von 290 Millionen Pfund (rund 360 Millionen Euro) gegen die Bank vorige Woche. Die britische und die US-amerikanische Finanzaufsichts-Behörde hatten herausgefunden, dass Barclays-Banker über Jahre Zinsen manipulierten. Es geht um Libor und Euribor. Zu diesen Zinssätzen, die sich täglich ändern, leihen sich Banken untereinander Geld. Sie können unmittelbare Wirkung zum Beispiel auf Hypothekenzinsen haben.

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Möglicherweise sind viele andere Banken verwickelt

Den Aufsichtsbehörden zufolge drückten Barclays-Mitarbeiter entweder die Raten künstlich in die Höhe, um sich und ihren Kunden fettere Profite zu verschaffen. Oder sie drückten sie – im Zuge der Finanzkrise – nach unten, um den Umfang aktueller Probleme bei Barclays zu verschleiern. Möglicherweise sind Hunderte von Barclays-Bankern an diesen Aktivitäten beteiligt gewesen.

Bob Diamond leitete zu dieser Zeit Barclays Capital, den Investment-Zweig der Bank. Ob er von den Vorgängen im Einzelnen wusste, ist nicht geklärt. In London hielt sich das Gerücht, ein Vize-Gouverneur der Bank von England – also der englischen Zentralbank – habe Diamond in einem Telefongespräch seinen Segen für die Manipulationen gegeben.

Auf Mitleid darf der 60-jährige Diamond nicht hoffen. Er gilt vielen Briten als Sinnbild der gierigen Banker, die das Land maßgeblich in die Finanzkrise gestürzt haben. Diamond sei der "meistgehasste Banker der City", schrieb die Tageszeitung Times. Der Labour-Politiker Lord Peter Mandelson nannte Diamond schon vor Jahren das "inakzeptable Gesicht des Bankenwesens".

Auch die aktiven Politiker üben scharfe Kritik. Schatzkanzler George Osborne verurteilte die korrupten Praktiken der Banker. Der liberaldemokratische Finanzexperte Lord Oakshott nannte Diamond einen "habgierigen Glücksritter". Ed Miliband, der Labour-Oppositionsführer, erklärte, es gehe "um Geschäftskultur und Praktiken des gesamten Bankensystems". Wirtschaftsminister Vince Cable, der Investmentbanken gern Kasino-Banken nennt und sie von den normalen Hausbanken trennen möchte, sprach von "einem moralischen Sumpf fast biblischer Proportionen".

Autor: Peter Nonnenmacher und dpa


6 Kommentare

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Claus Dilger

Registriert seit: 16.12.2009

Kommentare: 13

04. Juli 2012 - 08:27 Uhr

Wann wird diesem Treiben endlich ein Riegel vorgeschoben. London und die USA spekulieren gegen den Euro, und die Steuerzahler bezahlen dafür, wenn es Verluste gibt.

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Bernice Bacheberle  

Bernice Bacheberle

Registriert seit: 27.02.2010

Kommentare: 2017

04. Juli 2012 - 08:31 Uhr

Von Studenten nimmt die Barclay Bank bei Kontoüberziehungen gleich 19-20% Zinsen.
Und das, obwohl Banken in dieser Zeit für 0,...% Kredite bekommen haben.
Die Verluste durch Spekulation sollten die Banker dem Steuerzahler zurückzahlen, und zwar mit Ihren Zinssätzen!

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Reinhard Zimmermann

Registriert seit: 02.12.2009

Kommentare: 61

04. Juli 2012 - 19:52 Uhr

Offensichtlich nützt es nichts, wenn sich spätestens seit 2008 wieder und wieder alle Welt über die internationalen Finanzverbrecher aufregt. Die Luschen in Berlin, Brüssel, London und Washington kriegen's einfach nicht hin, oder besser, wollen's nicht hinkriegen ...
Und in welchen Taschen landen eigentlich die 'Rekordstrafen' ?

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Gregor Bähr

Registriert seit: 19.08.2011

Kommentare: 397

05. Juli 2012 - 11:13 Uhr

Ich war gerade bei meinem Obst-und-Gemüse-Tante-Emma-Laden. Da kommt 4(!!!) Mal im Jahr jemand vom Finanzamt vorbei, um Einnahmen und Ausgaben zu kontrollieren.

Der LIBOR wurde anscheinend ermittelt, indem einfach bei den Banken angerufen wurde, wie denn der Libor-Satz gerade so sei. Kontrolliert wurde nicht.

Der Kleinsthandel ist maximal reguliert, wo es um Milliardenbeträge geht, geht es Pi mal Daumen.

Wenn die Damen und Herren in Europa nicht endlich in die Gänge kommen, aber schnell, und diesem organisierten Bankenverbrechersyndikat, diesen Finanzterroristen, mal ordentlich auf die Finger schauen, dann werden wir alle in den Abgrund gerissen.
Aber vielleicht passiert das jetzt schon gerade - das mit dem Abgrunde, meine ich.
Von Regulierung kann ich nach Jahren und Jahren praktisch nichts erkennen.

Wirtschaftsminister Cable soll es einfach mal machen, die Trennung von Kasino- und Hausbanken. Wäre immerhin ein Einstieg.

So ein Rücktritt ist doch praktisch nicht der Rede wert. Der Herr fällt butterweich, er hat seine Schäfchen schon lang im Trockenen.

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Michael Basket  

Michael Basket

Registriert seit: 30.07.2009

Kommentare: 1207

05. Juli 2012 - 11:19 Uhr

@ Herr Bähr: Da muss ihr Tante-Emma-Laden aber in der Vergangenheit den Staat kräftig beschissen haben, wenn der Buchprüfer des Finanzamtes alle 3 Monate vorbeischaut. Scheint ja ein sauberer Charakter zu sein, dieser "Händler ihres Vertrauens".......

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2505

05. Juli 2012 - 11:25 Uhr

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Island:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=13760

Bonmots:

"Die leitenden Bankmanager der großen Pleitebanken bekamen keine millionenschweren Abfindungen, sondern einen Haftbefehl zugestellt."

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