Barocke Klänge in der Kunsthalle

Erika Sieberts

Von Erika Sieberts

Mo, 19. Juni 2017

Ettenheim

Der Musiksommer in Ettenheim wurde am Freitag eröffnet.

ETTENHEIM-ALTDORF. Das Zeitalter des Barock: Die Ettenheimer waren gerade dabei, sich nach der Zerstörung ihrer Stadt im Dreißigjährigen Krieg wieder neu zu finden. Beim Eröffnungskonzert des Musiksommers in der Kunsthalle Altdorf am Freitagabend gaben Plamena Nikitassova (Violine) und Jörg-Andreas Bötticher (Cembalo) einen Einblick in die Musik jener Zeit.

Mit ihrem gefühlvollen und improvisationslustigen Konzert griffen die beiden Musiker etwa 350 Jahre zurück und sagten über ihre musikalische Wahl: "Es sind meist unbekannte Stücke." Damit machten sie deutlich, dass es bei dem Konzert nicht darum ging, Klassiker zu hören, sondern darum, Authentizität durch historische Aufführpraxis zu erleben.

Mit den ersten Tönen der kräftigen Barockvioline und des sanft begleitenden Cembalos setzte der beabsichtigte Prozess ein. Zuerst ein anonymes Stück, dann eines von Lizkau, später Kerll und weitere von Döbel (alle Mitte des 17. Jahrhunderts). Kompositionen, die man sich suchen muss, die Quellenstudium erfordern, Entdeckergeist und bei der Umsetzung viel Können und Fantasie.

Die angekündigte Haltung der Violine vor der Brust beeindruckte die Zuhörer. Ebenso der warme Klang der Darmsaiten, der etwas heisere Ton, der entsteht, wenn die Geigerin mit dem Daumen auf die Bogenhaare drückt und über die Saiten streicht. Die Zuhörer ließen sich in den Bann ziehen. Sie erfuhren davon, dass das Instrument besser mitschwingt bei dieser Haltung, dass es jedoch schwieriger sei, die Lagen zu wechseln, weil nicht mehr das Kinn das Instrument stabilisiere.

Cembalo mit 15 statt nur zwölf Tasten

Jörg-Andreas Bötticher spielte auf einem Cembalo aus der Werkstatt Griewisch in Heidelberg. Es bestach durch seine Schlichtheit und, wie der Cembalist sagte, durch 15 statt zwölf Tasten einer Oktave, die sicherstellten, dass etwa die Dreiklänge sauber und rein klangen. Diese Klarheit durchzog das Konzert trotz der barocken Schnörkel und Tempowechsel, die das Cembalo zum Flirren brachten.

Immer wieder begannen die Instrumente ihren Dialog, der sie zunächst deutlich voneinander absetzte, schließlich immer mehr umeinander tanzen und winden ließ, um dann wieder ruhig auszuklingen. Das Publikum wartete taktvoll nach dem Verklingen des letzten Tons und dem Ausatmen der Violinistin, bis es applaudierte.

Die beiden Musiker spielten die Stücke mehr als Performance denn als einzelne Werke. In der Pause zeigten sich Urte Lucht und Wolfgang Ewald, Mitglieder der Musikfreunde Ettenheim, begeistert. "Man muss sich vorstellen, dass nur 15 Prozent Noten sind, der Rest ist Improvisation", sagte Lucht voller Bewunderung.

Cembalist Bötticher sagte nach Erläuterung der instrumentellen Besonderheiten: "Es geht darum, zu genießen." Und das taten die trotz Pfingstferien und Brückentag zahlreich gekommenen Gäste. Nachdem die Musiker nach der Pause noch einmal die Harmonie der Kompositionen und die Kraft der Instrumente spüren ließen, schwang sich Nikitassova in einen "Wettstreit zweier Violinen in einer", so der Titel des Stücks von Johann Jacob Walther (1650 bis 1717). Eine virtuose und voller Hingabe dargebotene Dramaturgie.

Zum Abschluss des Konzerts erklang ein ruhiges Werk geistlicher Musik von Georg Muffat, der am Jesuitenkolleg in Schlettstadt (heute) heute Sélestat, studierte. Um 1670 war er als Komponist in Molsheim tätig.

Der Musiksommer hatte durch die Nähe der Schola Cantorum Basiliensis, deren Absolventen Nikitassova und Bötticher sind, schon einige hervorragende Musiker im Programm. Nikitassova ist heute Konzertmeisterin des Orchesters der Johann-Sebastian-Bach-Stiftung St. Gallen, und Bötticher ist Professor für Cembalo, Orgel und Generalbass am Basler Institut. Dies und die Nähe zum Freiburger Barockorchester hat sicherlich die Hörleidenschaft des Publikums bezüglich alter Musik gestärkt, worauf der Musiksommer Jahr für Jahr zählen kann.

Info: Am Sonntag, 25. Juni, 20 Uhr, spielt das Schuppanzigh-Qartett. Das Konzert findet statt im Bürgersaal, Rohanstraße 16.