Teure Übernachtung

40 Franken kostet eine Nacht im Basler Obdachlosenheim

Kathrin Ganter

Von Kathrin Ganter

Mi, 04. Januar 2017 um 19:00 Uhr

Basel

Es ist kalt und gibt freie Plätze – trotzdem müssen auswärtige Obdachlose in Basel draußen übernachten. Auf Empörung folgte Hilfsbereitschaft. Nun wurde eine Lösung gefunden.

"Wir sind happy", sagte Andreas Tännler, Teamleiter des Vereins "Soup & Chill" aus Basel. Die Hilfsorganisation und die Basler Sozialhilfe haben sich geeinigt: "Soup & Chill" darf – solange es so kalt ist – wieder mehr auswärtige Obdachlose zur Notschlafstelle schicken. In den vergangenen beiden Wochen hatten diese im Freien übernachten müssen.

Auswärtige müssen fünf Mal mehr bezahlen

Obdachlose aus Basel müssen für eine Übernachtung in der Notschlafstelle 7,50 Franken bezahlen, Auswärtige 40 Franken. Dadurch soll verhindert werden, dass Basel zu einem attraktiven Ziel für Notleidende wird. Der Verein "Soup & Chill" betreibt die Wärmestube an der Meret-Oppenheim-Straße – Übernachtungsmöglichkeiten gibt es dort jedoch nicht. Mit den Spenden von Kirchengemeinden und Privatleuten finanziert "Soup & Chill" Gutscheine für die Notschlafstelle. Knapp 200 seien es bis zum 23. Dezember gewesen, die mit einem solchen Bon zur Notschlafstelle kamen, teilte Nicole Wagner, Leiterin der Basler Sozialhilfe, mit. 33 Ausländer mit Gutscheinen seien im November darunter gewesen, 77 im Dezember.

Kein Platz für "Arbeitsmigranten"

Die Sozialhilfe setzte dem Verein ein Kontingent: Nur noch 30 Bons monatlich dürfen ausgegeben werden, um keine falschen Signale zu setzen. "Es wird und wurde aber niemand von der Notschlafstelle abgewiesen", so Nicole Wagner. Regierungsrat Christoph Brutschin sagte im Interview mit "Telebasel", das Kontingent sei erhoben worden, weil der Verein Menschen für längere Zeit und zudem "Arbeitsmigranten" zur Notschlafstelle geschickt habe. Diese dürfe aber nicht ganz voll sein, weil Plätze für Einheimische freigehalten werden müssten.

Es geht vor allem um Obdachlose aus der Europäischen Union, zum Beispiel aus Rumänien oder der Slowakei. Laut Andreas Tännler sind aber nicht nur sie betroffen: Auch im Baselbiet gebe es keine Notschlafstelle. "Das hat mich richtig sauer gemacht", sagt Tännler. Denn seit Weihnachten sei die Notschlafstelle nicht mehr voll belegt, bis zu 20 Plätze seien frei gewesen. Und wenn ein Mensch Hilfe brauche, dürfe die Nationalität keine Rolle spielen. Zumal der Verein nur jene mit Bons versorgt habe, die in einem sehr schlechten Zustand gewesen seien. Und das Kontingent kann man auch als Abweisung betrachten. "Soup & Chill" rief am Freitag dazu auf, Schlafsäcke, Decken, Mäntel und alles andere, was wärmt, zu spenden. Am Neujahrstag bereits platzte das Lager aus allen Nähten. Auch aus Deutschland kam Hilfe: Gordon Hein und sein Musikverein Degerfelden brachten einen ganzen Bus voller Schlafsäcke, Matten und Decken nach Basel.

Situation ist entschärft

Es gab aber auch andere Reaktionen. Die Schweizerische Volkspartei (SVP) Basel-Stadt versandte am Dienstag eine Pressemitteilung, in der sie den Regierungsrat auffordert, "diesen Notschlafstellen-Tourismus umgehend zu unterbinden und die Verantwortlichen von Soup & Chill in die Schranken zu weisen". Nur so könne sichergestellt werden, dass das Angebot für die tatsächlich Bedürftigen zur Verfügung stehe.

Davon ließ sich die Basler Sozialhilfe nicht beeindrucken und bot dem "Soup & Chill" die Kompromisslösung an. Zwar ist das Kontingent dadurch nicht grundsätzlich aufgehoben, aber zumindest die Situation in den Nächten mit Minustemperaturen entschärft. "Damit", so Andreas Tännler, "können wir leben".

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