Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

30. April 2011

Aus dem Klanglabor von "Plotzenhotz"

Basler Band Toni Crash spielt beim Jazzfestival Basel und bei den Jazzopen in Stuttgart / Erste CD.

  1. Foto: Barbara Ruda

"Wenn wir uns bewerben, tun wir das unter dem Begriff 'improvisatorische Rockmusik'", erklärt Sebastian Scheipers. Weniger offiziell beschreibt er die Musik von Toni Crash so: modern, experimentell, jazz und noise. Das heißt aber nicht, dass der  Gitarrist  und seine Kollegen Hagen Neye (Bass) und Jan Schwinning (Schlagzeug) sich musikalisch einschränken  lassen.  Schubladendenken existiert für die Drei nicht, die gerade ihre Masterstudiengänge an der Jazzhochschule Basel absolvieren.

Ob man das, was das  Trio auf seinen im März erschienenen CD-Erstling "3000" gepresst hat nun Jazzrock oder Rockjazz nennt - es ist eigen und spannend. Man hört einen Sound aus druckvollen Gitarrenriffs, energiegeladenen Bassgrooves und peitschenden Schlagzeugklängen, verschmolzen mit Experimentellem und  zahlreichen elektronischen Klangkaskaden.  "Plotzenhotz"  oder "Jeder Tag ist ein Sonnenbrillentag"  scheinen direkt aus dem Labor eines Klangzauber-Lehrlings zu stammen. Es grollt, schrillt, dröhnt, wabert und Jimi Hendrix' Geist spukt kräftig mit. Während andere Jazzmusiker damit werben, dass sie keinerlei overdubs verwenden, haben Toni Crash solche auf der CD bewusst eingesetzt. Traditionell an ihrer Musik  ist, dass jedes Stück ein Thema hat, über das improvisiert wird. "Blues 3000", "Minian Song" oder "Waves" kommen als Modern Jazz daher, in "Halleluja Hagen" mischen sich unter die zumeist verzerrten Gitarrenklänge einige Grunge-Fetzen.  "Wir spielen, was wir im Kopf haben. Alles ist erlaubt!" stellt Sebastian Scheipers klar.

Werbung


Der aus Lörrach stammende Musiker hat sich in der Region bereits in Jugendtagen als Mitglied des 1999 gegründeten Sextetts Jazzattack einen Namen gemacht. Mit Hagen Neye und Jan Schwinning zusammengetroffen ist er 2008 bei einem einjährigen Workshop bei Lester Menezes an der Jazzschule in Basel. "Eigenkomposition und musikalische Verwirklichung" stand auf dem Lehrplan. "Irgendwie hat’s da gefunkt", erzählt Jan Schwinning, "und zwar so, dass wir danach weitermachen wollten." Sebastian Scheipers ist Ideenlieferant für viele Stücke. Was er mit Akkorden und Melodien festgelegt hat, wird gemeinsam ausgearbeitet und arrangiert. Aufgenommen hat das Trio seine erste CD im Rahmen des Producing-Performance-Studiengangs im Februar 2010 im schuleigenen Studio. Danach wurde ein Jahr lang eigenhändig gemischt, gemastert und  produziert.

Unter anderem mit der CD haben sich Toni Crash beim Jazzopen in Stuttgart beworben, wo Newcomer die Möglichkeit bekommen, vor den Hauptacts zu spielen. "Yippie!, Wir freuen uns riesig auf Stuttgart!" kommentierten sie, als sie ausgewählt wurden. Nächsten Mittwoch aber spielt das Trio erstmal beim Jazzfestival Basel. Und dann steht die Aufnahme einer zweiten CD an – "weil’s solchen Spaß macht".
– Toni Crash, Mittwoch, 4. Mai, 19.30 Uhr , Gare du Nord.

Autor: Barbara Ruda