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31. März 2017 16:59 Uhr

Kultur

Basler Dokumentartage stellen die Satire in den Mittelpunkt

Für Satiriker ist es schwer geworden: Regelmäßig übertrumpft sie die Realität in Sachen Absurdität. Der Basler Theaterregisseur Boris Nikitin widmet Dokumentartage dieses Jahr der Satire.

  1. Monster Truck & The Footprints: „Sorry“ in der Kaserne Basel am Samstag, 8. April, 21 Uhr. Foto: Florian Krauss

  2. Boris Nikitin Foto: Manuel Fritsch

Die Macher von South Park haben ein Problem: ihnen fällt nichts mehr ein. Es mangele zwar nicht an Vorlagen, aber sie könnten sie nicht mehr persiflieren. Die Realität sei oft absurder als die Satire, erzählten sie im Radio.

Vor dem gleichen Problem steht Boris Nikitin. Der Basler Theaterregisseur hat die Dokumentartage dieses Jahr der Satire gewidmet – vor den Triumphen Jan Böhmermanns und John Olivers, vor den Tiraden Trumps und Erdogans. Und plötzlich wirkte "alles etwas überholt". Boris Nikitin besteht dennoch auf der Aktualität seines Werks: gerade wenn Satire und Politik verschmelzen, müsse man fragen, was das eigentlich ist: Satire.

Geht es nur um Provokation?

Die Problematik treibt ihn um: Satire lebt davon, Grenzen zu überschreiten. Das hat ein großes fortschrittliches Potential. Doch haben auch rechte Bewegungen sie für sich entdeckt. "Und dann steht man plötzlich da als Neokonservativer und sagt: Wir müssen Kommunikationsformen bewahren", so Nikitin. Denn Satire ziele nicht von selbst auf das Gute. Gerade für den Künstler stelle sich die Frage: Geht es nur um die Provokation, oder muss sie auch einen Inhalt haben? An dieser Frage arbeiten sich die Dokumentartage ab.

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"It’s the Real Thing" findet zum dritten Mal in Basel statt. 2013 wollte Nikitin das Dokumentartheater genauer unter die Lupe nehmen. Er misstraute der Behauptung, hier werde Wirklichkeit auf die Bühne gebracht, keine Fiktion. Schließlich findet auch das Dokumentartheater auf einer Bühne statt. Dadurch, dass es gleichzeitig vorgibt, dokumentarisch zu arbeiten, könne es leicht zur Propaganda werden. Die erste Ausgabe von "It’s the Real Thing" untersuchte diesen Zusammenhang: Wirklichkeit, Propaganda und Fiktion.

Die Inszenierung der Öffentlichkeit

Zwei Jahre später widmete sich Nikitin der Inszenierung von Öffentlichkeit und der Herstellung von Wirklichkeit. Auf der Bühne werde nicht einfach wiedergegeben was ist, dennoch werde dort Wirklichkeit produziert. Da Wirklichkeit auch eine Frage der Inszenierung ist, habe jeder die Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen. Die zweiten Dokumentartage beschäftigten sich damit, wie Wirklichkeit hergestellt wird und wie wir daran partizipieren können.

Das diesjährige Programm verbindet die Themen der letzten Jahre. Satire stellt Wirklichkeit dar, überspitzt sie und fordert eine Interpretation: Was an ihr ist wirklich, was ist Fiktion? Satirische Nachrichtensendungen verlangen permanent, dass man diese Frage beantwortet.

Vorträge, Theaterstücke und Performances

Die Dokumentartage gehen die Satire von verschiedenen Seiten an: mit Vorträgen, Theaterstücken und Performances. Eine Ausstellung widmet sich den Karikaturen auf der Basler Fasnacht. Künstler verarbeiten die Satire, die die Narren zeigen.

Der Karikaturist Chappatte erzählt von seiner Arbeit heute, da Karikaturen auf der ganzen Welt in verschiednen Kulturen zugänglich werden. MedingScheerTibbe bringen ihren melancholischen Jugendzentrum-Pop auf die Bühne. Zum Abschluss präsentiert Nikitin sein "Martin Luther Propagandastück", das nicht zu erkennen gibt, ob es satirisch oder ernst ist.

So heftig einige Stücke auch sein werden, Nikitin war es wichtig, ein Programm zu entwerfen, das man gerne anschaut. "Satire soll ja auch Spaß machen und unterhalten. Sie bricht das Trockene des dokumentarischen Theaters."
It’s the Real Thing:

Basler Dokumentartage, 5. bis 9. April, Tickets bis 35 Franken, weitere Infos unter www.itstherealthing.ch

Autor: mft