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09. Februar 2010
Die BaZ soll unabhängig bleiben
Verlegerfamilie Hagemann verkauft das Unternehmen Basler Zeitung Medien an zwei private Investoren / Publigroupe steigt aus
BASEL. Um die "Basler Zeitung" (BaZ) als unabhängige und eigenständige Basler Tageszeitung zu erhalten, hat die Verlegerfamilie Hagemann und die Publigroupe als Minderheitsaktionärin die Basler Zeitung Medien (BZM) verkauft. Neue Eigentümer sind der Tessiner Financier Tito Tettamanti (75 Prozent) sowie der Basler Medienanwalt Martin Wagner (25 Prozent). Matthias Geering bleibt BaZ-Chefredakteur.
Schon im Herbst hätten sich seine Familie und die Publigroupe, die 37 Prozent der Aktien der Unternehmensgruppe gehalten hat, entschlossen einen Käufer zu suchen, sagte der bisherige Verleger Matthias Hagemann, der Mitglied des Verwaltungsrates bleibt, gestern vor den Medien. Das Kapital, das es brauche, um den Strukturwandel zu überstehen, könnten Familienaktionäre alleine aber nicht aufbringen. Vor allem im Internet, wohin Inserate und Inhalte abwanderten, sieht Hagemann eine ernsthafte Bedrohung für das Geschäftsmodell der regionalen Tageszeitung.Über den Kaufpreis machten Hagemann und Martin Wagner, der neue Verleger und Präsident des Verwaltungsrates. Auch nicht über die Schulden, die die neuen Eigner übernehmen. Sie seien tragbar, versicherte Wagner. Dass nicht einer der großen Zürcher Medienkonzerne zum Zug kam, sondern zwei private Investoren, erklärte Hagemann damit, das die neuen Besitzer Gewähr böten, dass der Wirtschaftsstandort Basel weiterhin mit einer eigenständigen regionalen Tageszeitung mit Qualitätsanspruch bedient werde. "Wir wollen die BaZ als unabhängige Tageszeitung erhalten", betonte denn auch Wagner. Er sieht in dem Kauf ein Zeichen gegen die Medienkonzentration. Von einer Mantelzeitung, auf der "Basler Zeitung" steht, deren Inhalte aber fremdbestimmt sind, hält er nichts. "Das ist Etikettenschwindel."
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Der Basler Regierungspräsident Guy Morin verbucht die Transaktion im Sinne der Standortqualität als Pluspunkt und hofft, dass die neuen Eigner die BaZ zu einer Stimme entwickeln, die auch in Bern gehört wird. Auch Peter Malama, Präsident des Basler Gewerbeverbandes, begrüßt die Absicht, die BaZ weiter als regionales Medium zu positionieren. "Die Nordwestschweiz hat ein Anrecht auf eine Zeitung aus der Region, für die Region und mit Wirkung über die Regionsgrenze hinaus."
Dass die neuen Eigentümer Rendite erwirtschaften wollen, steht für Wagner außer Frage. Wie das gehen soll, ließ er aber weitgehend offen. Es soll ausgelotet werden, wo Kooperationen mit anderen Unternehmen Spareffekte bringen, kündigte er an. Ein weiterer Stellenabbau sei nicht geplant, versicherte Wagner. Auch einen Verkauf an Axel Springer Schweiz, in dessen Verwaltungsrat er sitzt, schloss Wagner aus. Die BZM-Gruppe mit 1200 Mitarbeitern, zu der neben dem Flaggschiff BaZ mit einer Auflage von 88 000 Exemplaren 13 weitere Tochterfirmen gehören, darunter der Baslerstab und die Druckerei Birkhäuser in Reinach, habe ihre Hausaufgaben gemacht; der Restrukturierungsprozess sei weitgehend abgeschlossen. Chefredakteur Geering bezeichnete Wagner als Wächter des Redaktionsstatuts, das weiterhin gelte; ein Kurswechsel sei nicht geplant, entgegnete der neue Verleger Vermutungen, der "Vollblut-Kapitalist" (NZZ) Tettamanti, der bald 80 Jahre alt wird, könnte sich einmischen.
Zweifel an der Langfristigkeit des Engagements des Tessiners in Basel nährt die Tatsache, dass der Financier auch der Jean Frey AG nicht lange die Treue hielt. Nach nur vier Jahren verkaufte er den Verlag wieder. Seit langem mit der BZM verbunden als Konzernanwalt ist dagegen Wagner. Vor knapp drei Wochen hatte er "Radio Basilisk" an Hagemann verkauft, um sich dem Aufbau der Constantin Film Schweiz zu widmen, deren Chef Bernhard Burgener im neuen BZM-Verwaltungsrat sitzt.
Autor: Daniel Gramespacher


