17. Oktober 2009
Die Region glaubt an ihre Chance
Grenzgänger werden für den Wirtschaftsmotor Nordwestschweiz immer wichtiger / Verkehrsinfrastruktur muss ausgebaut werden
RHEINFELDEN/SCHWEIZ. Der Nordwestschweiz gehen aufgrund von Überalterung mittelfristig die Arbeitskräfte aus dem eigenen Land aus. Mehr und mehr wird sie deshalb auf Grenzgänger, und die entsprechende Infrastruktur angewiesen sein. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Metropolregion zu sichern, ist eine Intensivierung grenzüberschreitenden Planens und Handelns deshalb unabdingbar, darüber waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion zur Bevölkerungsentwicklung einig, zu der die regionale "Unternehmerinitiative Wirtschaftsraum DCH" eingeladen hatte.
Die Region verfüge über ein "enormes wirtschaftliches Potenzial", das betonte der Schweizer Co-Präsident des Unternehmerzusammenschlusses Rudolf Weber zum Auftakt des Treffens in den Räumen der Feldschlösschen-Brauerei. Langfristig nutzbar sei es aber nur gemeinsam und ohne bremsende nationale Schranken und Hemmnisse. Ein positives Bild der Region zeichnete auch der langjährige Lörracher CDU-Kreisrat und frühere Schopfheimer Bürgermeister und Raumplaner Klaus Fleck in seinem Impulsreferat, wies aber seinerseits darauf hin, dass es gelte "Inselprognosen und Inselplanungen" der Länder zu vermeiden. Bevölkerungsprognosen sähen nur in wenigen Regionen Deutschlands derzeit noch ein Wachstum voraus, so Fleck. Neben dem Großraum München zählten der südliche Oberrhein und die Bodenseeregion dazu.Werbung
Mit der Bevölkerung steigt in Südbaden auch der Anteil an Erwerbsfähigen an. Umgekehrt fehlten sie in der Nordwestschweiz aufgrund des demografischen Wandels selbst dann, wenn keine zusätzlichen Arbeitsplätze geschaffen würden. Bei einem wachsendem Bedarf an Grenzgängern zeichnet sich andererseits seit Jahren ein Rückgang an Einpendlern aus Frankreich in die Schweiz ab. Kamen in der Nordwestschweiz 1999 noch rund zwei Drittel der Grenzgänger aus Frankreich, wurden diese zahlenmäßig 2009 von Deutschen überflügelt.
Unabhängig von der Grenzgängerthematik verzeichnet die gesamte Region eine weitere Ausweitung ihres Wohnflächenbedarfs, da in allen drei Ländern der Trend zu Einpersonenhaushalten anhält und mit ihm die Nachfrage nach Quadratmetern. Wo aber in Basel und dem direkten Umland längst Grenzen erreicht sind, haben die Nachbarländer noch Potenzial. Unerlässlich ist es nach Meinung von Fachleuten deshalb in jedem Fall, die Verkehrsnetze des Individual- und öffentlichen Personennahverkehrs grenzüberschreitend weiter anzupassen. Alain Groff, der Leiter Mobilität beim Baselstädtischen Bau- und Verkehrsdepartement, wies hier einerseits auf das bereits bestehende und in weiterem Ausbau begriffene vorbildliche grenzüberschreitende ÖPNV-Netz hin, betonte aber auch die Bereitschaft der Basel Regierung, sich an weiteren Kosten, etwa für Pendlerparkplätze in Nachbarländern zu beteiligen.
Während Groff sich eine "intelligente Integration von Mobilität und Siedlungsentwicklung" wünschte, wies der Zürcher Verkehrsexperte und Abteilungsleiter der Kantonalplanung Sascha Peter auf Grenzen des Wachstums hin: "Nicht jede S-Bahn-Erweiterung ist eine gute", gab Peter zu bedenken. Denn ein Ausbau des Verkehrsanschlusses erhöhe gleichzeitig den Siedlungsdruck. Abgesehen von finanziellen Grenzen stellte der Planer am Beispiel der Region Zürich fest, dass der Verkehr erfahrungsgemäß proportional zum Straßenangebot steige. Engpässe in Grenzen bewirkten dagegen ihrerseits ein Umdenken: "Wir müssen auch mit beschränkten Kapazitäten leben lernen."
Autor: Annette Mahro




