Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

07. Dezember 2011

Die Sprache als Schlüssel

Grenzüberschreitende Vernetzung von Bildung und Ausbildung .

  1. Studentin des grenzüberschreitenden Bachelor-Studiengangs Regio Chimica an der Ecole Nationale Supérieure de Chimie in Mulhouse Foto: privat

LÖRRACH. Für grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist gegenseitiges Verständnis von Vorteil. Die Sprach- und die interkulturelle Grenze durchlässiger zu machen und eine "integrierte Bildungs-, Arbeits- und Wohnregion" zu schaffen, ist ein Förderschwerpunkt des Interreg IV-Programms, mit der die EU das Zusammenwachsen von Grenzregionen fördert. Anstatt flacher zu werden, gewinnen die Gräben mit dem zurückgehenden Elsässer Dialekt jedoch an Tiefe. Kooperationen in der Bildung halten dagegen.

Das dem Lörracher Phaenovum angegliederte Trinationale Schülerforschungszentrum Dreiländereck zählt ebenso zu den geförderten Projekten, wie die immer zahlreicher werdenden bi- und trinationalen Studiengänge. Vor zwei Jahren kam mit dem Chemie-Bachelorstudiengang "Regio Chimica", den die Ecole Nationale Supérieure de Chimie in Mulhouse mit der Freiburger Uni anbietet, ein neuer hinzu. Ein Viertel der Unterrichtszeit ist hier der interkulturellen Kompetenz gewidmet, erklärt Projektbeauftragte Florence Duchêne-Lacroix.

Die Sprache des Nachbarn schon weitgehend zu beherrschen, ist dabei Voraussetzung. In deutsch-französischen Tandem-Gruppen werden bestehende Kenntnisse jedoch perfektioniert, weshalb die Gruppe ausgewogen sein muss. Je 15 Studierende aus Deutschland und Frankreich treffen sich in einem Kurs und eignen sich neben naturwissenschaftlichen auch Kenntnisse im internationalen Austausch an. Zwar herrscht in der chemisch-pharmazeutischen Industrie die Arbeitssprache Englisch vor. Aber sie sei eben genau das, erklärt Florence Duchêne-Lacroix, eine Arbeitssprache, die mit den Feinheiten eines Shakespeare nichts mehr gemein habe.

Werbung


Selbstverständlich sei Englisch Grundvoraussetzung auch für das Studium in Freiburg und Mulhouse. Was hier aber vermittelt werde, sei die Fähigkeit, sich in international zusammengesetzten Teams zu integrieren. "Wenn man die hat, kann man überall arbeiten", ist die Projektbeauftragte überzeugt. Kollisionen zwischen naturwissenschaftlichen und sprachlichen Spezialisierungen auf Schulebene gibt es natürlich aber für die ersten beiden Kurse haben sich genügend Bewerber gefunden. "Wer zu uns kommt, hat natürlich ein Interesse an Frankreich oder Deutschland, aber auch an internationalem Austausch", so Duchêne-Lacroix, "er muss offen für die Welt sein".

Im Lörracher trinationalen Schülerforschungsnetzwerk stehen Sprache und interkulturelle Kompetenz weniger im Focus. Sie ist stattdessen eher ein Nebenprodukt, das anfallen kann aber nicht muss. Im seinerseits naturwissenschaftlich ausgerichteten Phaenovum, das im nahen Umfeld von 2400 Lörracher Gymnasiasten und Realschülern liegt, sollen Jugendliche die Möglichkeit erhalten, wissenschaftlichen Fragestellungen selbständig oder in grenzüberschreitenden Schülerteams nachzuspüren. Mit von der Partie sind bei dem Interreg-Projekt deshalb unter anderem auch zwei Saint-Louiser und ein Basler Gymnasium.

So eben mal über die Grenze, kommen deren Schüler aber natürlich nicht. Hier gelte es, vor allem die Lehrer anzusprechen und weiterzubilden, betont die Projektverantwortliche Diana Stöcker, ohne die Schüler kaum zu erreichen seien. Für die Geschäftsführerin des Lörracher Innovationszentrums Innocel geht es in erster Linie darum, mehr Kinder und Jugendliche aus der ganzen Region für die Phaenovum-Schwerpunkte Physik, Chemie, Biologie und Informationstechnik zu begeistern. Weshalb, das begründet ein schöner Einleitungssatz zum Projekt auf der Innocel-Homepage: "Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes oder einer Region beginnt nicht im Forschungslabor, sondern im Klassenzimmer."

Autor: Annette Mahro