Froh machende und fröhliche Unterhaltung

Nikolaus Cybinski

Von Nikolaus Cybinski

Di, 06. November 2018

Basel

Auftakt zum 26. Riehener Orgelfestival in St. Franziskus mit Tobias Lindner, Eleonora Biscevic und einem Streicherensemble.

Ist die Landesgrenze in Lörrach-Stetten in mancher Hinsicht doch eine stärkere Trennlinie als uns bewusst ist? Es scheint so zu sein. Denn wie ist zu erklären, dass das Riehener Orgelfestival, 1992 vom Organisten Cyrill Schmiedlin gegründet, bei den badischen Musikfreunden fast völlig unbekannt ist? Das ist auch insofern erstaunlich, weil es seit 2002 von Tobias Lindner konzipiert und geleitet wird, einem Bayer, aus Deggendorf gebürtig, der seit einigen Jahren mit seiner Familie in Tumringen wohnt, Professor für Orgel an der Schola Cantorum ist und unter den Freunden der Kirchenmusik große Anerkennung als exzellenter Organist genießt, und dank seiner oft einfallsreich und unkonventionell gestalteten Programme bewundert wird.

Lindner, seit nunmehr 16 Jahren Organist in der katholischen St. Franziskus in Riehen, versteht die Kirchenmusik als durchaus froh machende, aber eben auch als fröhliche Unterhaltung. So überraschte er zum Auftakt des 26. Riehener Orgelfestivals die Zuhörer zum Beispiel mit der Suonatina des Padre Davide da Bergamo, spielte hierzulande kaum bekannte geistliche Musik von Donizetti, Rossini, Verdi und Petrali, dessen "Marcia per dopo la messa" wie auch Morandis "Post communio in a" uns hören ließen: Kirchenmusik kann wirklich fröhlich machen. Und da er in seinem Füglister-"Dienstinstrument eine kleine, aber feine Orgel" zur Verfügung hat, lässt er seinen Fantasien freien Lauf.

Der Festivalauftakt am Sonntagnachmittag war erfüllt von klanglicher Unbeschwertheit. Sowohl Mozarts vier kurze einsätzige Kirchensonaten (KV 144, 212, 244, 336) wie auch seine beiden Flötenquartette (KV 298, 285) und die 4. Sonate von Johann Baptist Wendling, einem von Mozart hoch geschätzten Flötisten, sie sind alle in Dur notiert, Und diese D-, B-, F- und C-Dur versprechen die spirituelle Heiterkeit, die Mozart in seinen Allegri steigert, wie er sie als Organist am Salzburger Dom in den Messen zwischen Epistel und Evangelium zu liefern hatte. Lindner und das Streicherensemble wissen ganz genau, wie das zu klingen hat und zu spielen ist, und sie erinnerten daran, dass zumindest dieser Messeteil einst auch zur fröhlichen Unterhaltung diente, und das mag Mozart bewogen haben, in die C-Dur Sonate eine harmonisch kesse Kadenz einzufügen. In den beiden Flötenquartetten und in Wendlings Sonate überzeugte Eleonora Biscevic mit genau abgestimmter empfindsamer Tonbildung im Wechsel mit brillanter Virtuosität. Schönes, in sich stimmiges Quartettspiel, für das die Zuhörer mit lebhaft-langem Beifall dankten. Bachs Badinerie als gern gehörte Zugabe.

Termine: Am 11. November spielen Lindner und die Harfenistin Sarah O´Brien Kompositionen von Händel, Debussy, Boieldieu, Fauré und Laurin. Am 18. November singen die Aurelius Sängerknaben Calw Chormusik der Renaissance und im Schlusskonzert am 25. November richtet Lindner den "Blick nach Norden" und spielt Kompositionen von Praetorius, Sweelinck, Bach, Erbach, Scheidemann und Bruhns. Beginn jeweils 17 Uhr. Tram 6 hält direkt vor der Kirche, Station Pfaffenloh.