Alarm am Rangierbahnhof

Gefahrgutunfall in Basel – die Strecke ist wieder freigegeben

Hannes Lauber, Ulrich Senf & Dorothee Soboll

Von Hannes Lauber, Ulrich Senf & Dorothee Soboll

Do, 24. Januar 2019 um 14:08 Uhr

Basel

Der havarierte Kesselwagen im Rangierbahnhof konnte inzwischen abgedichtet und beiseitegestellt werden. Wie die Bundespolizei um 13.12 Uhr meldete, ist die Strecke nun wieder freigegeben.

Aktualisiert um 15.18 Uhr

Der Alarm ging bei der Bundespolizei um 7.30 Uhr ein. Die Unfallstelle befindet sich etwa 200 Meter südlich der Friedensbrücke. Der Bahnhof ist im Bereich um den Waggon abgesperrt. Der Personenverkehr auf der Rheintalstrecke der Deutschen Bahn war von dem Vorfall zunächst nicht betroffen, dann wurde die Strecke aber für mehrere Stunden gesperrt. Sie ist seit 13.12 Uhr wieder freigegeben, wie die Bundespolizei mitteilte. Bahnsprecher Werner Graf geht davon aus, dass sich der Verkehr bis zum Nachmittag wieder normalisiert hat und verweist auf http://www.bahn.de Eine Abfrage um 15.18 Uhr ergibt, dass die Fern- und Regionalzüge keine Verspätung mehr haben und plangemäß fahren.

Vergleichbar mit Feuerzeugbenzin

Es handelt sich um etwas mehr als 60 Tonnen eines Stoffes, dessen Wirkung mit Feuerzeugbenzin zu vergleichen ist. Das sagte Markus Utke, stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Weil am Rhein, auf BZ-Nachfrage. An einem Verschluss sei ein Sicherungsstift verlorengegangen. Bei der Fahrt habe sich der Verschluss gelockert, so dass der Stoff entweichen konnte. "Es war ein leichtes Zischen zu hören", so Utke. Inzwischen konnte der Verschluss mit funkenhemmenden Werkzeugen von der Feuerwehr provisorisch verschlossen werden.

Nun solle der Waggon aus dem Verbund herausrangieren und auf ein Gleis ohne Oberleitung stellen. Dann werde noch einmal gemessen, ob alles in Ordnung sei, erklärt Utke das weitere Vorgehen. Wenn der Waggon aus dem Oberleitungsbereich entfernt worden sei, könne wieder Strom auf die Leitungen gegeben werden.

Verzögerung beim Rangieren

So reibungslos die Zusammenarbeit zwischen der Feuerwehr und dem Notfallmanager der Bahn klappte, so ärgerlich waren aus der Sicht der Feuerwehr die Verzögerungen, die beim Rangieren der Waggon hingenommen werden mussten. Da der havarierte Zug von einem privaten Unternehmen betrieben wurde, musste zunächst geklärt werden, wer den Zug überhaupt, zu welchen Konditionen bewegen dürfe. "Das kostet unnötig Zeit", so auch Markus Utke.

Zahlreiche Einsatzkräfte vor Ort

Die Feuerwehr seit mit voller Mannstärke vor Ort. Mit drei Ringen, so Utke, würden sie das Gebiet absichern, falls doch etwas passieren sollte. Der Zug komme aus Italien.

Arbeiten auf Baustellen gehen weiter

Wie die Feuerwehr mitteilte, besteht nur im unmittelbaren Bereich eine Gefahr. Aus der Weiler BZ-Redaktion ist zu beobachten, dass die Arbeiten auf den großen Baustellen weitergehen.

Strecke gesperrt

Auf BZ-Nachfrage sagte Werner Graf, Sprecher der Deutschen Bahn in Stuttgart: "Die Züge Richtung Norden konnten zunächst fahren. Ab 8.35 Uhr ist die Strecke aber zwischen Weil und Basel in beiden Richtungen gesperrt." Graf geht davon aus, dass die Sperrung andauert. "Die BLS Cargo ist unterwegs, um das Fahrzeug zu behandeln und abzudichten."

Die Fernzüge bleiben laut Graf vorerst stehen. "Den Nahverkehr shutteln wir über Lörrach", so der Bahn-Sprecher.

Ort war zunächst unklar

Der Ort, an dem sich der Vorfall ereignet hat, war laut Bahnsprecher Graf und Bundespolizeisprecher Thomas Gerbert nicht so einfach zu identifizieren. "Der Wagen steht im Basler Rangierbahnhof, aber auf deutschem Gebiet", so Gerbert. Deswegen sei auch die Bundespolizei zuständig und nicht die Schweizer Polizei.

Der austretende Stoff kann nach Angaben der Bundespolizei Dämpfe bilden, die sich mit Luft zu explosionsfähigen Gemischen verbinden. Der Notfallmanager der Deutschen Bahn ist vor Ort.

Bilanz der Deutschen Bahn

Auf BZ-Nachfrage fasst Bahnsprecher Werner Graf die Auswirkungen des Gefahrgutunfalls zusammen. Acht Fernzüge waren demnach verspätet, sechs verzeichneten einen Teilausfall, zwei Ersatzzüge wurden eingesetzt. Den Regionalverkehr hat es laut Graf heftiger getroffen: Zwei Züge sind mit im Schnitt mehr als 100 Minuten Verspätung weitergefahren, acht Teilausfälle gab es, und zwei Ersatzzüge wurden eingesetzt. Im Güterverkehr waren bis 16.10 Uhr 23 Züge verspätet. Graf rechnet noch mit weiteren Verspätungen. Die Züge wurden zunächst weiträumig abgestellt und müssen nun wieder zurückgefahren werden.