Giftiger Staub alarmiert Basel

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Sa, 28. September 2013

Basel

Novartis setzt Chemiemüllsanierung bis auf Weiteres aus.

HUNINGUE. Giftiger Lindan-Staub in der Luft in und um Basel hat den Pharmakonzern Novartis in dieser Woche bewogen, Sanierungsarbeiten auf dem Areal seiner stillgelegten Industriekläranlage bis auf Weiteres einzustellen.

Nachdem der Altlastenexperte Martin Forter an verschiedenen Stellen der Stadt eine erhöhte Konzentration nachgewiesen und die Behörden alarmiert hatte, zog Novartis jetzt die Notbremse. "Eine Gesundheitsgefährdung zum jetzigen Zeitpunkt" sei jedoch auszuschließen, lässt der Konzern in einer Mitteilung wissen.

Das heute nicht mehr existente französische Unternehmen Ugine Kuhlmann hatte das inzwischen verbotene Insektizid bis Mitte der 1970er Jahre hergestellt. Die Novartis-Vorgänger Sandoz und Ciba hatten dessen Areal in Huningue übernommen und darauf eine gemeinsame Industriekläranlage gebaut. Nachdem Voraussetzungen für den Weiterbetrieb nicht mehr gegeben waren, hatte Novartis im Frühjahr mit dem Abbruch begonnen. Obgleich für das Gift nicht verantwortlich, wollte Novartis auch die Kosten der aufwendigen Bodensanierung tragen.

Offenbar aber reichen die veranschlagten 100 Millionen Euro nun ebenso wenig aus wie die strengen Sicherheitsvorkehrungen und das Ausgraben des vergifteten Bodens unter riesigen Zelten. Vermutet wird auch, dass der Staub beim vergleichsweise ungeschützten Verladen auf Schiffe in die Luft gelangt.

Grundsätzlich handelt es sich bei dem Lindan-Staub im Dreiländereck aber um ein altes Problem, hatte doch Ugine Kuhlmann die Abfälle der Produktion von Hexachlorcyclohexan (HCH) – das als Lindan verkauft wurde – jahrelang offen auf seinem Areal am Rheinufer gelagert. Nachdem in der Kuhmilch eines Bauern im gegenüberliegenden Weil am Rhein das auch damals schon als giftig erkannte HCH nachgewiesen wurde, musste er seine Milchwirtschaft einstellen.

Auch in der Nachbarschaft von Ugine Kuhlmann regte sich Widerstand gegen die Lagerung des Abfalls, was das Unternehmen endlich bewog, eine Lösung zu suchen: Man grub ein tiefes Loch und entledigte sich des Mülls kostengünstig.