Basel

Klybeckareal nimmt konkrete Formen an

Michael Baas

Von Michael Baas

Do, 21. September 2017

Basel

Testplanungen zum Basler Klybeckareal werden zusammengeführt.

BASEL. Die Stadtteilentwicklung im Basler Klybeckareal kommt voran. In vier Jahren sollen erste baureife Planungen für Teile des heute quasi unzugänglichen Industrieareals zwischen Rhein und Wiese vorliegen. Das kündigte Kantonsbaumeister Beat Aeberhard am Montag am Rand einer Bürgerinformation an. Inzwischen zeichnen sich auf Basis einer Synthese von vier Testplanungen auch erste Umrisse des neuen Quartiers ab: So erhält das nicht nur einen neuen zentralen Platz, vielmehr sollen die Ufer an Rhein und Wiese zu Naherholungszonen aufgewertet und mit den Langen Erlen vernetzt werden.

Das Klybeckareal zwischen der Basler Innenstadt und dem Rheinhafen Kleinhüningen ist mit einer Fläche von 300 000 Quadratmetern, also etwa 40 Fußballfeldern, das weitaus größte Basler Transformationsgebiet. Im Verbund mit der Umgestaltung des Kleinhüninger Rheinhafens und der daran anknüpfenden trinationalen Stadtteilentwicklung "3Land" mit Weil am Rhein und Hüningen eröffnet es zudem die Chance, den Basler Norden städtebaulich vom 19. ins 21. Jahrhundert zu holen. Es ist also ein Hebel für einen Quantensprung. Indes müssen dafür zahlreiche Aspekte zu einem stimmigen Konzept verbunden werden.

Das beginnt mit der stadtgeschichtlichen Bedeutung des Areals als Keimzelle der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Basel und dem im Lauf der fast 150 Jahre dort "gewachsenen" Bestand denkmalpflegerisch wichtiger Gebäude. Das setzt sich fort im Interesse der zwei Grundeigentümer Novartis und BASF, die Umgestaltung und die damit verbundene Beseitigung von Altlasten aus ihrer Sicht kostenneutral zu gestalten. Das gehören aber auch die Interessen der Anlieger und deren Ideen sowie last, but not least das Ziel des Kantons, ein attraktives neues Quartier zu entwickeln, eine "Stadt für alle", wie Aeberhard das umschreibt.

Auf Basis einer Synthese der im Juni vorgestellten Testplanungen vier internationaler Architekturbüros (BZ vom 24. Juni) zeichnen sich nun erste Umrisse ab, und zwar hinsichtlich der Stadtstruktur und der Freiräume, aber auch der Verkehrsachsen, künftiger Nutzungen und der "identitätsstiftenden Elemente", wie es im Planungsdeutsch heißt, sprich der denkmalpflegerisch erhaltenswerten Bausubstanz – vom Personalrestaurant der Novartis bis zu der riesigen ehemaligen Textilfarbenfabrik, die wie ein Wahrzeichen den östlichen Eingangsbereich des nordwestlichen Teils des Areals prägt.

Was die Stadtstrukturen anbelangt, gibt es inzwischen eine Tendenz, einen zentralen Platz zu schaffen, und zwar im Bereich der heutigen Kreuzung von Mauer-, Klybeck- und Gärtnerstraße, also zwischen dem östlichen und dem westlichen Teil des Areals. Klar ist auch, dass grundsätzlich eine vergleichsweise hohe Dichte angestrebt wird, genauer eine Nutzungsdichte von drei. Das heißt, auf den 300 000 Quadratmetern Grundfläche sollen 900 000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen. "Das ist urban", sagt Aeberhard. Gut die Hälfte davon ist übrigens für Wohnbau vorgesehen. Sichtbar wird auch, dass das Quartier durch die Weiterführung "amputierter" Straßen wie der Mauerstraße und deren Verlängerung zum Rhein hin leicht zu öffnen wäre.

Auch was Freiräume angeht, knüpft die Synthese an bestehende Achsen an. So ist am Rhein die Verlängerung der umgestalteten Kleinbasler Uferzone angedacht. Auch die Vergrößerung des Horburg-Parks sei nicht "unrealistisch", weiß Aeberhard. Vor allem aber sei die Wiese "unterbewertet". Diese böte ein Riesenpotenzial mitsamt einer Freiraumachse zum Rhein. In puncto Verkehrserschließung setzt der Syntheseentwurf jenseits weniger Hauptachsen, die an das bestehende Straßennetz anknüpfen, vor allem auf den öffentlichen Verkehr mit einer neuen Tram, die den Stadtteil in einer Schleife von Osten als zweite Linie neben der Acht erschließt. Dazu kommt die S-Bahn, die mit dem "Herzstück" einen Halt im Bereich des auch als Umsteigeknoten angedachten zentralen Platzes erhalten soll. Der motorisierte Individualverkehr soll dagegen zurückgedrängt werden – nicht zuletzt mit Sammel- und Quartiersgaragen an den Rändern, so wie das auch im Freiburger Ökoquartier Vauban gedacht ist und nicht wirklich funktioniert.

Was künftige Nutzungen angeht, wird eine Durchmischung "mit hoher Urbanität" angestrebt, skizziert der Kantonsbaumeister. Klar sei zudem, dass eine Konzentration der geplanten 50 000 Quadratmeter Gewerbefläche in einem Teilareal, wie es die Testplanungen anvisiert hatten, kaum infrage komme. Ein kniffliges Kapitel ist auch der Umgang mit prägender Bausubstanz, deren Erhalt nicht zuletzt der Bevölkerung ein Anliegen war und ist. Indes müsse da auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis beachtet werden, betonte Novartis-Sprecher Daniel Zehnder. Da spielen zuletzt die dieser Tage beginnenden Prüfungen der Gebäude auf Altlasten eine Rolle. Klar aber ist auch, dass das Quartier kein Freilichtmuseum werden soll. Im Gegenteil. "Wir brauchen neue identitätsstiftende Bauten, die von einer neuen Zeit künden", fordert Aeberhard. "Zu wenig Raum für neue Bauten, das darf hier nicht passieren", betont er.

Bis sich das konkretisiert, dauert aber noch. Bis November soll zunächst die Synthese finalisiert werden. Dann wird ein Stadtteilrichtplan erarbeitet, ein ebenfalls noch unverbindlicher Leitfaden für das weitere Vorgehen. Noch also hat vieles Werkstattcharakter bei diesem Transformationsprojekt. An einem aber fehlt es offenbar schon jetzt nicht: an potenziellen Investoren. Bereits seit 2014, als BASF erstmals die Absicht äußerte, ihr Areal, also etwa zwei Fünftel der Fläche, verkaufen zu wollen, klopften Investoren an, schildert der bei dem Konzern für das Projekt zuständige Ferenc Deme.