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08. Februar 2012

Einkaufstourismus

Mehr Schweizer shoppen in Deutschland

Die Schweizer Grenzwache verzollte 2011 mehr als doppelt so viele Einkäufe wie im Vorjahr. Auch die Schmuggelversuche nahmen zu.

  1. Der starke Einkaufstourismus machte sich auch beim Schweizer Zoll deutlich bemerkbar. Foto: Grenzwacht

BASEL. Das Jahr 2011 war für die Mitarbeiter der Basler Grenzwache vor allem vom starken Franken und dem damit verbundenen Einkaufstourismus geprägt. 125 000 Mal wurden private Waren verzollt – mehr als 67 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Auch die Zahl der erwischten Schmuggler stieg um ein Drittel an. In einem Fall fanden die Grenzwächter 1,4 Tonnen Fleisch, das illegal in die Schweiz gebracht werden sollte.

Sechs Millionen Einfuhrabfertigungen haben die Basler Zöllner im vergangenen Jahr an den Grenzen nach Deutschland bearbeitet, teilte die Grenzwacht gestern in ihrer Jahresbilanzkonferenz mit. Drei Millionen Exportabfertigungen fielen im selben Zeitraum an. Das bescherte dem Schweizer Fiskus Einnahmen in Höhe von umgerechnet 7,8 Millionen Euro.

Doch nicht alle wollten ihre Einkäufe bereitwillig verzollen: In einem spektakulären Fall stießen die Grenzwächter in Basel auf ein Fahrzeug, das 1,4 Kilo Fleisch ins Land geschmuggelt hatte. Bei den weiteren Ermittlungen kam heraus, dass die Täter in den Monaten zuvor insgesamt 15 Tonnen Lebensmittel in die Schweiz geschmuggelt hatte. Dem Land entgingen somit mehr als 88 000 Euro an Einnahmen.

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Überhaupt werden an der Grenze zu Deutschland von den Schweizer Grenzwächtern mehr Schmuggler ertappt als an der Grenze zu Frankreich. Roger Zaugg, der Kommandant der Grenzwachtregion Basel, sieht dabei die fehlende Sprachbarriere sowie attraktivere Läden in Deutschland als Ursache. Er lobte ausdrücklich die Zusammenarbeit mit den deutschen Kollegen.

Doch nicht nur Essen fanden die Zöllner bei ihren Kontrollen: 329 Frauen und Männer flogen auf, als sie Drogen über die Grenze bringen wollten. 1104 Kilo Khat, 68 Kilo Cannabisprodukte und mehr als 18 Kilo Kokain wurden dabei beschlagnahmt, jeweils mehr als im Vorjahr. Rückgängig war hingegen die gefundene Menge an synthetischen Drogen (4305 Konsumeinheiten). Immer wieder fanden die Fahnder auch Waffen in kontrollierten Autos, hauptsächlich Messer und Schlagstöcke. Zudem entdeckten die Zöllner Diebesgut, andere Autofahrer versuchten kiloweise billigen Messingschmuck, der mit falschen Zeichen als Gold gelten sollte, in die Schweiz zu bringen.

375 Mal wurde an der Landesgrenze Reisenden der Einlass in die Schweiz verweigert, 25 Mal am Euro-Airport. Auch am Flughafen machte sich der Einkaufstourismus bemerkbar: Hier wurden 2011 ein Drittel mehr Waren verzollt als im Vorjahr, hauptsächlich Tabakprodukte und Kleidung.

Positiv bewerte die Grenzwache, dass es erstmals seit zehn Jahren weniger Gewalt gegen Zollbeamte gab (42). Dafür nahm die Zahl derer zu, die versuchten mit ihrem Auto zu flüchten (12). 24 Millionen Euro investieren die deutschen und die schweizerischen Behörden momentan gemeinsam in den Bau einer neuen Zollabfertigungsanlage in Weil. Sie soll die Lastwagenstaus reduzieren.

Autor: Michael Reich