Performative Erkundungen zur Arbeitskultur von heute

Michael Baas

Von Michael Baas

Mi, 14. Februar 2018

Basel

Die Kaserne Basel zeigt "Works", die neue Performance des in Zürich leben britisch-schweizerischen Künstlers Phil Hayes.

Der britisch-schweizerische Performer Phil Hayes hat in seinen Produktionen schon die Geschichte (s)eines Körpers vermessen ("Show and Tell"), das ewige Streben nach anderen Sphären aufs Korn genommen ("Awkward Human") oder mit der Verführbarkeit und Halbwertszeit von Haltungen im postfaktischen Zeitalter und der schnellen Likes befasst ("These Are My Principals ..."). Die neue Arbeit "Work", die wieder mit der First Cut Productions entstand und einmal mehr in der Kaserne Basel gezeigt wird, befasst nun mit dem Megathema der Arbeit und der Veränderungen in der Arbeitswelt.

Das Stück kreist im Kern um die Frage, von wem heute noch die eigentliche Arbeit gemacht wird, wenn es doch immer unübersichtlicher wird in diesen widersprüchlichen Prozessen, die einerseits auf Effizienz und Effektivität getrimmt sind, die andererseits aber auch immer mehr Organisation, Absprache und Abstimmung erfordern und mithin hohe Reibungsverluste produzieren. Das Bühnenbild zeigt dazu ein durchchoreografiertes Büro mit sechs Performern (Mark Etchells, Nele Jahnke, Christophe Jaquet, Nora Vonder Mühll, Viviane Pavillon und Marius Schaffter) und haufenweise Telefonen, über die sich nach und nach einige abteilungsübergreifende Probleme zu einem Konflikt der Verantwortung entwickeln. "Work" wird so zu einer "performativen Erforschung der zeitgenössischen Arbeitskultur", wie es in einer Ankündigung heißt.

Das schließt relativ bruchlos an an die bisherigen Arbeiten des 1966 an der englischen Südküste geborenen Multitalents, das in den 80er- und 90er-Jahren Creative Arts im nordenglischen Newcastle studierte und seit nunmehr 20 Jahren in Zürich lebt. Dort produziert er unter dem Namen First Cut Productions Performance-Kunst, arbeitet aber auch als Schauspieler, Regisseur und Musiker. Zu seinen bisherigen Produktionen zählen neben den Genannten auch "The First Cut" (2007), "Legends & Rumours" (2013) und "Love & Happiness" (2014). Hayes arbeitet auch regelmäßig mit der britischen Performance-Gruppe Forced Entertainment und der neuseeländisch-schweizerischen Choreografin Simone Aughterlony zusammen; er kollaborierte er aber auch mit Thom Luz, der diverse Inszenierungen am Theater Basel gemacht hat wie "Die Leiden des jungen Werther" (2013) und "Der Zauberberg" (2015) und seit 2015/2016 dort Hausregisseur ist. Neben all diesen Aktivitäten veröffentlichte er mit seiner Band Phil Hayes + The Trees auch zwei Alben. In der Schweiz ist er nicht zuletzt auch durch seine Auftritte als Peter Tate in der SRF-Sendung "Giaccobbo/Müller" bekannt.

Markenzeichen seiner Stücke ist ein feiner Humor, der sich mit ernsten Lebensgeschichten verbindet. "These Are My Principals" etwa spürte auf Basis eines Fragebogens und eines Entweder-Oder-Spiels mit der finnischen Performerin Nada Gambier, dem Zwang zur Positionierung nach, inszenierte den Druck, eine fundierte Meinung zu haben, obwohl kaum noch jemand Zeit hat, sich mit Fundamenten, sprich Hintergründen zu beschäftigen. Nun also nimmt er sich des Themas Arbeit an.

Aufführungen: 14. und 15. Februar 20 Uhr, Kaserne Basel, am 14. Februar ist im Anschluss an die Vorstellung gegen 21.30 Uhr noch ein Publikumsgespräch.