Verbindung

Saint-Louis und Basel verbindet wieder eine Landesgrenzen überschreitende Tramlinie

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Mo, 11. Dezember 2017

Basel

Jetzt fährt sie wieder. Nach beinahe genau 60 Jahren Unterbrechung passierte am Samstag die erste neue Tram die Grenze zwischen Basel und Saint-Louis.

SAINT-LOUIS. Die letzte Straßenbahn zwischen Frankreich und der Schweiz hatte am 31. Dezember 1957 den Betrieb eingestellt. "Wir korrigieren die Geschichte", sagte der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels zur Eröffnung. Fast auf den Tag genau vor drei Jahren, am 12. Dezember 2014, war als letzte neue Linie die Tram 8 aus Basel nach Weil am Rhein gefahren.

"Wir sind wieder ein Dreiländertram", stellte der Direktor der Basler Verkehrsbetriebe BVB Erich Lagler deshalb nicht oh ne Stolz fest. Kein anderes städtisches Verkehrsunternehmen auf der ganzen Welt könne das von sich behaupten. Auch unter den grenzüberschreitenden Trams sind die beiden Basler Linien derzeit noch Pioniere, wenn man einmal absieht von der Bahn zwischen Rodersdorf und Dornach, die die benachbarte Baselland Transport AG mit einem einzigen Stop im elsässischen Leymen betreibt. Zwar wird es demnächst auch ein Schienenpendant von Genf aus über die Landesgrenze nach Frankreich geben. Der Startschuss wird hier aber erst in einigen Monaten fallen. Das Schweizer Bundesamt für Raumentwicklung ARE, dem seit 2009 die zuvor im Basler Hochbau- und Planungsamt beschäftigte Maria Lezzi vorsteht, hat beide Projekte maßgeblich unterstützt, weil auch die Schweiz innerhalb der Agglomeration Nutznießer sei.

Anders als beim 8er Tram nach Weil, für das allen voran Hans-Peter Wessels noch sehr viel Kritik hatte einstecken müssen, dürfte die Linie 3 diesmal wirklich mehr Pendler in die Stadt als Einkaufstouristen aus ihr hinaus und später mit prall gefüllten Taschen wieder zurück befördern. Wessels wies bei der Eröffnung gleichwohl noch einmal auf den großen Nutzen des öffentlichen Nahverkehrs hin, der übrigens auch Autofahrern zugute käme, da er die Straßen entlaste. Grundsätzlich brauchten Autos, ob stehend oder fahrend, Platz und der sei in Basel bekanntlich ein knappes Gut. "Noch wertvoller wird dieses Gut, wenn wir weiterhin eine Zunahme bei den Arbeitsplätzen haben, wovon wir im Moment ausgehen", so Wessels. Seine Überzeugung ist klar: "Die Zukunft beim Öffentlichen Verkehr gehört den Schienenfahrzeugen."

Von französischer Seite waren unter anderem auch zwei wichtige Protagonisten des Projekts Tram aus Basel zum Festakt gekommen, der langjährige Saint-Louiser Bürgermeister Jean Ueberschlag und der vormalige Präsident des Gemeindeverbunds Communauté de communes des trois frontrières Roland Igersheim. An den Amtsnachfolgern der beiden, Jean-Marie Zoellé und Alain Girny ist es jetzt, die reiche Ernte einzubringen. Verkehrt doch die neue Bahn, die aus Birsfelden über den Aeschen- und den Barfüßerplatz via Burgfelden-Grenze bis zum Bahnhof Saint-Louis fahrt, weitgehend im 7-bis 15-Minuten-Takt, wobei die erste Bahn gegen fünf Uhr morgens und die letzte gegen Mitternacht startet.

Zumal für den Saint-Louiser Maire ist das neue Verkehrsmittel für die Stadt ein doppelter Grund zur Freude, trommelt er doch seit seinem Amtsantritt 2011 für eine umweltbewusste und nachhaltige Politik und engagiert sich gleichzeitig für offene Grenzen. Wie viel Bedeutung die französische Seite dem beimisst, ließ sich auch an der Rednerliste ermessen. Laurent Touvet hatte es sich als Präfekt des Département du Haut-Rhin ebenso wenig nehmen lassen, das Wort an die Gäste zu richten, wie Brigitte Klinkert, die neue Präsidentin des Départementsrats und Jean Rottner, dem nach dem Rückzug von Philippe Richert neuen Präsidenten der Großregion Grand Est. Die Trameinweihung war sein erster Auftritt im Südelsass nach der Amtsübernahme. Rottner will nach der Taufe gleich den Blick auf die nächste gemeinsame Baustelle richten: Den Schienenanschluss des Euro-Airport.