Sportmuseum ist finanziell am Ende

sda

Von sda

Sa, 15. September 2018

Basel

Was mit der größten schweizerischen Sportsammlung passiert, bleibt vorerst offen.

BASEL (sda). Das Schweizer Sportmuseum – eines der ältesten Europas – streicht die Segel wegen Geldmangels. Sein Begehlager in Münchenstein (Baselland) ist zu; die Trägerstiftung wird aufgelöst. Die umfangreiche Sammlung soll an den Sportdachverband Swiss Olympic gehen. Was mit der größten schweizerischen Sportsammlung passiert, ob und wie sie zugänglich bleibt, ist vorerst offen. Über den Fortbestand entscheide Swiss Olympic, teilte die Stiftung Sportmuseum Schweiz mit Sitz in Basel mit.

Das Sportmuseum ist eine private Institution. Den verbliebenen vier Teilzeitangestellten mit zusammen 1,50 Stellen wurde auf Ende August gekündigt, sagte Stiftungsratspräsident Paul Engelmann. Sie hätten zuletzt auf Stundenlohnbasis gearbeitet; die Kündigungsfrist laufe bis Ende Oktober. Bis dann hofft er auf den Entscheid von Swiss Olympic. Das Sportmuseum nagt seit Jahren am Hungertuch und dribbelt dem finanziellen Abgrund entlang. Das Problem ist, dass der Bund zwar einen Beitrag zahlte, sich aber nicht verantwortlich fühlt. Und die beiden Basler Kantone waren zwar wichtige Träger des Museums, halten dieses aber für eine eigentlich nationale, nicht kantonale Angelegenheit. Laut Engelmann fiel das Sportmuseum bei Sport- wie Kulturverantwortlichen zwischen Stuhl und Bank.

Schon vor Jahren habe das Schweizerische Landesmuseum abgewinkt; es wolle nicht auch noch den Sport abdecken. Ob das jetzt noch so gilt, müsse nun Swiss Olympic schauen. Beim Bundesamt für Sport hieß es, man sei mit Swiss Olympic und dem Bundesamt für Kultur "im Gespräch" über "mögliche weitere Schritte". Das Erbe des gesellschaftlich bedeutsamen Sports "zu pflegen", sei "wichtig".

Das Sportmuseum stand schon 1997 vor dem Aus, als Basel-Stadt die frühere Finanzierung kappte. Auf der Suche nach neuen Wegen und Geldern ist es dank Mäzenen 2011 aus Basel in ein "Begehlager" in Münchenstein just an der Stadtgrenze umgezogen, eine Mischung aus Depot und Ausstellung. Große Werbung oder spektakuläre Shows hat es sich jedoch nicht leisten können.

Zur Sammlung mit mehr als 12 000 Objekten, 200 000 Bildern, 150 Laufmeter Akten und 11 000 Bücher, Zeitungen und Zeitschriften gehören etwa ein Tennisschläger von Roger Federer, Marie-Theres Nadigs Sapporo-Skihelm, Ferdi Küblers Maillot Jaune und das ganze Archiv des Schweizerischen Turnverbands. Das Sportmuseum arbeitete seine laufend weiter wachsenden Bestände wissenschaftlich auf, um die Geschichte und die gesellschaftliche Bedeutung des Sports zu dokumentieren. Das Museum lockte mit einem Jahresbudget von zuletzt 500 000 Franken rund 2000 Besucher im Jahr an; nötige Zuschüsse bröckelten jedoch weg.