Tiffany und die Räuber

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Fr, 08. Dezember 2017

Basel

Das Musiktheater "Die Drei Räuber" im Theater Basel ist ein Stück für die ganze Familie.

Die Tannenbäume hängen kopfüber vom Bühnenhimmel herab, dunstiger Nebel hüllt die Bühne ein. Finster ist es in diesem Wald. Ein dickbäuchiger Gendarm leuchtet mit einer Taschenlampe ins Dunkel, wo drei schattenhafte Gesellen herumschleichen. Im Rhythmus ihrer stapfenden Schritte singen sie im Sprechgesang: "Und in der Nacht lauern wir auf, bis der Morgen graut." Die Titelhelden im Musiktheater "Die drei Räuber" auf der Kleinen Bühne im Theater Basel verbreiten mit ihrem Auftrittssong einen Hauch von Schauermärchen.

Regisseurin Daniela Kranz hat die Räubergeschichte nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Tomi Ungerer und dem Animationsfilm von Hayo Freitag als Familien-Weihnachtsstück inszeniert. Mitglieder des Schauspielensembles und Jugendliche bringen dieses Stück über ein unerschrockenes Waisenkind, das die Räuber Freundschaft und Herzensgüte lehrt, in effektvollen Theaterbildern zu poppiger Musik der Band "The Bianca Story" auf die Bühne.

Rührend wirkt die Szene, in der das kleine Mädchen Tiffany mutterseelenallein auf die Kutsche wartet, die es ins Waisenhaus bringen soll. Blondgelockt, mit roten Stiefeln und Köfferchen in der Hand gibt Julia Minssen dieses tapfere Waisenmädchen, das traurig an seine verstorbenen Eltern denkt: "Ihr passt doch immer noch auf mich auf, auch wenn ihr im Himmel seid." Die aufgeweckte und gewitzte Kleine lässt sich nur unwillig von dem Gendarmen in die Kutsche sperren, die einem Gitterkäfig auf Rollen gleicht. Behäbig und schwerfällig schiebt Martin Hug als wohlbeleibter Polizist die "Kutsche" durch den Wald, bis plötzlich die Räuber ihm den Weg versperren. Der schlaksige Flynn Jost als polternder "Donner-Jakob", der sich in grimmiger Wildwestmanier gebärdende Cédric Staub als Malente und Debora Bötticher in der Hosenrolle als etwas ungehobelter und tumber Flint geben ein illustres Räubertrio ab. Tiffany folgt den Räubern und nistet sich in deren Höhle und Leben ein.

Wenn das Waisenmädchen am Herd Kaffee für die verschlafenen Rabauken kocht, hat diese Szene ein bisschen etwas von Schneewittchen im Haus der Sieben Zwerge. Die furchtlose Kleine ist nicht nur reizend anzuschauen, sie zeigt auch Courage, Fantasie, Herzenswärme und Cleverness, wenn sie mit ihrem Charme die Räuber und die Zuschauer bezaubert. Sie gaukelt vor, die Tochter eines Maharadschas zu sein, und setzt einen Brief auf, um "Lösegold" zu fordern: "Her mit dem Gold – und keine Polizei." Tiffany bringt den finsteren Gesellen sogar das Lesen und Schreiben bei.

Immer wieder heben und senken sich die Bäume und geben den Blick frei auf das Waisenhaus, in dem die böse Tante ein grausames Regiment führt. Wiebke Frost gibt die schrille Kinderheim-Leiterin als kaltherzige, hexenhafte Furie. Tag für Tag müssen die Kinder auf den Rübenäckern schuften. "Ohne Rübe keine Liebe", trichtert die fiese Heimbetreiberin den Jungen und Mädchen ein. Während sich die boshafte "Tante" Süßigkeiten und Cremetorten aus ihrer dampfenden Rübenzucker-Maschine einverleibt, kriegen die Kinder nur Rübenmus.

Die großherzige Tiffany, die die Schatzkammer der Räuber entdeckt hat, zettelt eine Kinderrevolte gegen die Unterdrücker an und erweicht die Räuber. Und so kaufen sie mit dem geklauten Gold das Waisenhaus, um einträchtig zusammenzuleben.

Vorstellungen am 10., 17., 23., 26., 30. Dezember, 6. und 7. Januar 16 Uhr, 13. Dezember 10 und 18 Uhr, 16. Dezember 18 Uhr, 11., 14., 20., 22. Dezember, 10 Uhr. Tel. 004161/2951133