Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
09. Februar 2012
Basel
Tramnetz soll um ein Fünftel wachsen
Kantone wollen die Schieneninfrastruktur für 500 Millionen Franken ausbauen und neue Linien in und um Basel ermöglichen.
BASEL. Wenn Basel von irgendetwas genug hat, sind es Trams, möchte man meinen. Umso verblüffender ist es, dass das Netz seit 1934 nicht mehr merklich aus-, sondern zurückgebaut wurde. Knapp 500 Millionen Euro wollen die Kantone Basel-Stadt und -land deshalb jetzt in den Ausbau und innerstädtische Entflechtungsmaßnahmen investieren. Das gestern vorgestellte Konzept "Tramnetz 2020" sieht ein Wachstum des heute 93 Kilometer langen Schienennetzes um weitere 19 Kilometer vor, also um mehr als ein Fünftel – Doppelspurausbauten nicht gerechnet.
Drei Schweizer und zwei deutsche Planungsbüros aus Karlsruhe und München waren vorab beauftragt, Konzepte zu entwickeln. Eine Art Synthese daraus hat jetzt das Grundgerüst ergeben. Das vorliegende Konzept sei aber keineswegs als unverrückbar anzusehen und werde bis 2020 auch nicht vollständig umgesetzt sein, sagte der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels: "Ich bin mir sicher, dass es da noch die eine oder andere Änderung geben wird". Auch weitere grenzüberschreitende Linien zu der im Bau befindlichen 8 nach Weil und der geplanten Verlängerung der 3er Tram nach Saint-Louis könne er sich vorstellen. So etwa die nach wie vor diskutierte die kleine Verlängerung über die Grenze nach Lörrach, für die allerdings vorab eine deutsche Entscheidung ausstehe.Werbung
Das jetzt vorliegende Konzept legt Wert auf Verknüpfungen von Tram und S-Bahn, was auch in Lörrach-Stetten vorstellbar wäre, zudem aber auch auf sogenannte "Durchmesserlinien", die ohne Umsteigen nutzbar sind. Wenngleich im Prinzip wünschenswert, verliefen sie allerdings nicht alle durchs Zentrum, erklärte der für den öffentlichen Nahverkehr im Kanton Baselland verantwortliche Markus Meisinger und fügte unter Hinweis auf die kantonalen Tramfarben hinzu: "Sonst haben wir da eine grüngelbe Wand." Mit zusätzlichen innerstädtischen Teilstücken wird stattdessen eine Entflechtung angestrebt. Auch sollen etwa die Firmenareale von Roche und Novartis verstärkt an den Badischen Bahnhof und die Bahnhöfe SBB und Sankt Johann angebunden werden und die Unispitäler weitere Anschlüsse bekommen. Kleinhüningen und der Claraplatz erden verstärkt mit dem Bahnhof SBB verbunden. Eine zusätzliche Rheinüberquerung sieht das aktuelle Modell nicht vor. Die Kompatibilität mit der geplanten unterirdischen Verbindung der beiden Hauptbahnhöfe durch die Regio S-Bahn, das sogenannte "Herzstück", sei jedoch gegeben, versichern die Verantwortlichen.
Insgesamt gliedert sich der Netzausbau derzeit in vier Etappen, deren erste mit der voraussichtlich 2013 nutzbaren Tram 8 nach Weil bereits im Gange ist und aus dem ersten Schweizer Agglomerationsprogramm mitfinanziert wird. Ebenfalls in Etappe eins stehen das Erlenmatt-Areal beim Badischen Bahnhof und zwei Trams ins Baselbiet. Die nächste Etappe ab 2015 sieht dann auch das Tram 3 nach Saint-Louis vor, sowie grenznah sowohl eine Verbindung zum Stücki-Areal als auch nach Salina Raurica und Augst – von wo aus es nur mehr ein Katzensprung nach Grenzach-Wyhlen wäre. Der Dreispitz im Basler Südosten zählt zu den Projekten in Etappe drei. Im derzeit letzten projektierten Abschnitt fungieren unter anderem Roche an der Grenzacher Straße und das Entwicklungsgebiet im Hafen Kleinhüningen, wo auf lange Sicht ein über die Grenzen reichender Stadtteil entstehen soll. Als besonders wichtig erachten es die in den beiden Basler Kantonen Verantwortlichen, dass von Anfang an ausdrücklich und vollumfänglich gemeinsam geplant wurde, wobei auf Basel-Stadt jetzt rund zwei Drittel und auf Basel-Landschaft ein Drittel der Kosten entfallen. Wo erkennbar neue Arbeitsplätze oder Wohnquartiere entstehen, will die Tram sozusagen schon da sein. Natürlich gelte es immer, das Ganze im Blick zu haben, sagt Alain Groff, Leiter des Amts für Mobilität Basel-Stadt, und aus dem Kern heraus zu planen: "Verlängerungen haben für uns hohe Priorität, netzrelevant sind sie aber nicht."
Die Kantone sehen "Tramnetz 2020" vor allem als Chance, das regionale Tramnetz "zu optimieren und für die Zukunft fit zu machen", wie es in der Medienmittelung heißt. Die konkrete Umsetzung soll ab 2015/16 in Angriff genommen werden: Als erste Infrastrukturmaßnahme werden die Schienen über den Margarethenstich verlegt. Besonders Vorteile sehen die Verantwortlichen indes auch in dem offenen Charakter des Konzeptes: Dieses lasse sich nach seiner Realisierung auch langfristig weiterentwickeln, ohne dass im Kern weitere Anpassungen erforderlich seien. "Verlängerungen beispielsweise nach Allschwil, Muttenz, Huningue oder Lörrach werden einfach umsetzbar", heißt es abschließend.
ANGEDACHTE STRECKEN
Die Liste der Projekte ist lang. Sie beginnt (1) mit dem Margarethenstich, der von 2015/16 an als erstes gebaut werden soll. Dann folgen (2) Erlenmatt (Badischer Bahnhof – Riehenring); (3) Verlängerung Tram 3 nach St. Louis (Burgfelden – St. Louis Gare); (4) Doppelspuren im Leimental; (5) Salina Raurica (Pratteln – Augst); (6) Tram zum Stücki vom Riehenring; (7) Tramstrecke im Leimgrubenweg; (8) Tram Dreispitz; (9) Verlängerung Tram 8 bis Allschwil-Letten; (10/11) Verbindungen Claragraben und Petersgraben; (12) Knoten Schützenhaus; (13) Hafentram zum Hafen Kleinhüningen; (14) Roche-Tram (Grenzacherstraße – Badischer Bahnhof); (15) Tram vom Dreispitz zum St. Jakob-Park (16) Tram in der Spitalstraße, satt St. Johanns-Vorstadt)
Autor: bz
Autor: Annette Mahro
