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25. April 2016 07:31 Uhr

Rheinuferweg

Basel, Hüningen, Weil – neuer Radweg verbindet drei Länder

Von jetzt an geht’s rund: Der grenzüberschreitende Rheinuferweg von Basel über Hüningen nach Weil am Rhein ist eröffnet worden – nach zehnjähriger Bau- und Planungszeit.

  1. Der Rheinuferweg von Basel nach Hüningen ist eröffnet. Foto: Annette Mahro

  2. Trinational im besten Wortsinne Foto: Fotolia.com - Andrew Johnson

Der grenzüberschreitende Rheinuferweg zwischen Basel, Huningue und Weil am Rhein ist eröffnet. Nach zehnjähriger Planungs- und Bauzeit wurde er am Samstag seinen Nutzern übergeben, für die es jetzt erstmals seit mehr als hundert Jahren hinter der Basler Dreirosenbrücke weitergeht. 27 Millionen Franken wurden auf Schweizer Seite in den Weg investiert und weitere drei Millionen Euro in Frankreich. Unterhalb des Novartis-Campus fasst den Weg jetzt ein stabiles Bauwerk ein, das nahezu palastartig anmutet.

Mehr Ausflugs- und Erholungsprogramm als simple Verbindungsstrecke

Wegen der Lindan-Sanierung auf dem Areal der alten Industriekläranlage Steih ist der Uferweg auf französischer Seite bis voraussichtlich Mitte 2017 zwar nur an den Wochenenden, und zwar von Freitag 17 Uhr bis Montag 7 Uhr, durchgängig nutzbar, auf Basler Seite stehen aber ab sofort Aus- und Einstiege für Schwimmer, öffentliche Duschen und WCs offen. Geöffnet ist auch ein neues von den Basler Architekten Herzog & de Meuron gebautes Restaurant am Rheinufer, das für Novartis Mitarbeiter über einen separaten Eingang erreichbar ist, uferseitig aber auch der Öffentlichkeit offensteht.

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Insgesamt ist der Weg mehr Ausflugs- und Erholungsprogramm als simple Verbindungsstrecke. So können Passanten über an U-Boot-Ausguckrohre erinnernden Apparaturen etwa Eindrücke von einer einstigen keltischen Besiedelung und von Grabungsfunden gewinnen, die Archäologen hier in jahrelanger Arbeit zu Tage gefördert haben. Sehenswert ist indes schon der Weg an sich. Auf seinen nur 600 Metern in der Schweiz unterteilt er sich auf mehrere Ebenen, die durch Kalksteinmauern die zwölf Meter Höhenunterschied zwischen Rhein und Campus überbrücken. In mehreren Windungen und Etagen wird eine Gesamtmauerlänge von zwei Kilometern erreicht.

"Wir wollten eine erstarrte Fließbewegung in Mauern ausdrücken." Guido Hager
"Wir wollten eine erstarrte Fließbewegung in Mauern ausdrücken", so der Zürcher Landschaftsarchitekt Guido Hager, dessen Büro den 2007 ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entscheiden konnte. Bandartig verläuft die helle Kalksteinmauerung mit Muschel- und anderen Einschlüssen jetzt vertikal und schräg gegen den Hang gelegt. Das mache das Ganze im Eindruck leichter, erklärt der Architekt, dessen Bauwerk auch Ritzen als Wohn- und Lebensraum für Eidechsen und andere Tiere bietet. Auch für Biber gibt es Unterstände an der Böschungsmauer.

Zweibeiner finden dagegen Bänke für Ruhepausen und auf der Mauer zum Rhein hin Lesestoff. Auf Bronzetafeln wurden hier Stationen des Dreyland-Dichterwegs eingelassen, der auf Initiative der Elsassfreunde Basel die drei Länder mit elsässischen, baseldeutschen und alemannischen Gedichten verbindet und die Bewohner an ihre gemeinsamen Wurzeln erinnern will. Mit 24 Tafeln reicht der Dichterweg von der Basler Dreirosenbrücke über das Hüninger Rheinufer und die Dreiländerbrücke bis in den Weiler Rheinpark. Via QR-Code lassen sich an jedem Schild weitere Informationen über den jeweiligen Verfasser und den Dichterweg abrufen.

"Aushängeschild für die ganze Region"

Keine Frage, dass der neue grenzüberschreitende Rheinuferweg auch zu den ausgezeichneten Projekten der IBA Basel 2020 gehört, deren Geschäftsleiterin Monica Linder-Guarnaccia in ihm ein "Aushängeschild für die ganze Region" sieht. Für den Weiler Bürgermeister Christoph Huber ist er eine weitere Bestätigung dafür, wie gut es war, die Dreiländerbrücke zu bauen. Auf die ältere Geschichte des einst abweisenden Ortes ging bei der Einweihung der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels ein, sei doch wegen Hafen und Industrie ein Jahrhundert lang hier grenzüberschreitend nichts mehr weitergegangen: "Die drei Länder haben sich gleichsam den Rücken zugekehrt."

Erster Auslöser für den jetzt eingeweihten Verbindungsweg war eine 2005 getroffene Grundsatzvereinbarung der Stadt mit dem Pharmakonzern, der für sein Campus-Projekt für 100 Millionen Franken der Stadt unter anderem eine Straße und den alten Hafen St. Johann abgekauft, sich aber dabei auch zu weiteren Zugeständnissen verpflichtet hatte. Der freie Durchgang für Fußgänger und Radfahrer am Rhein war einer der Kernpunkte der Zusatzvereinbarungen.

Verzögerung wegen Chemiemüll-Sanierung

Die Umsetzung des Rheinwegs musste wegen Einsprachen jedoch mehrfach verschoben werden. Auch die Sanierung in Sachen Chemiemüll hatte man aufgrund von Problemen zwischenzeitlich unterbrechen und neu vergeben müssen. Die Eröffnung wäre hierdurch noch einmal weiter hinausgezögert worden, hätte man sich nicht auf die Wochenendregelung einigen können. Aber man habe es "endlich, ja endlich!" geschafft, so der Hüninger Maire Jean-Marc Deichtmann bei der Eröffnung. Um so mehr werde der Erfolg der trinationalen Zusammenarbeit hier sicht- und begehbar.

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Autor: Annette Mahro