Stadtplanung

Wie soll sich das Basler Klybeckareal entwickeln?

Michael Baas

Von Michael Baas

Sa, 12. August 2017 um 12:54 Uhr

Basel

Die städtebauliche Entwicklung des Basler Klybeckareals wird in einer Synthese aus Testplanungen und Bürgerwünschen konkretisiert. Fußgängerbrücke über den Rhein stieß auf positive Resonanz.

Das Klybeckareal ist das größte Basler Transformationsgebiet. In den nächsten zwei Jahrzehnten soll das 300 000 Quadratmeter große Industriegebiet ein lebendiger, vielfältiger Stadtteil werden. Im Juni wurden Testplanungen dafür präsentiert. Inzwischen liegt die Auswertung der in einer Beteiligungsveranstaltung dazu ermittelten Bürgerwünsche vor. Die zeigen eine Präferenz für den stark am Bestand anknüpfenden Entwurf des Basler Büros Diener & Diener. Auf Basis der Testplanung und dieser Anregungen wird bis November nun eine Synthese als Leitplanke der Bebauungsplanung erstellt.

Vier Büros haben im Auftrag der drei Planungspartner, der Grundeigentümer BASF und Novartis sowie des Kantons Basel-Stadt, Vorschläge zur Gestaltung des Areals entwickelt. Bei der Bevölkerung schneidet laut der im Internet veröffentlichten Auswertung der jüngsten Bürgerbeteiligung dabei der Vorschlag von Diener & Diener am besten ab. Zwar wurde auch da – wie bei allen – ein Hang zur Dichte moniert. Gute Noten erhielt das Basler Büro aber für seinen Umgang mit dem Gebäudebestand.

Fußgängerbrücke über den Rhein stieß auf positive Resonanz

Der Beitrag schaffe mit dem "Erhalt einzelner Industriebauten eine Identität" und sei von daher "wegweisend", heißt es. Positiv aufgenommen wurde zudem die Idee, im Zentrum einen weiträumigen Klybeckplatz zu schaffen, den Hochhäuser und eine "Kulturfabrik" als "Scharnier zwischen Wohn- und Gewerbeflächen" säumen. Auch Verbindungen in angrenzende Quartiere und nicht zuletzt die darüber angeregte Fußgängerbrücke über den Rhein stießen auf positive Resonanz.

Am Entwurf des Teams OMA aus Rotterdam gefiel vor allem die Idee, das Quartier mit einem parallel zur Mauerstraße verlaufenden Kulturband – auch "Backbone" genannt – mit öffentlichen Nutzungen, Park, Einkaufsmöglichkeiten und einer Rheinplattform zu strukturieren. Dieses Band könne "städtebauliche Impulse setzen," heißt es in der Auswertung und ein Kleinbasler Zentrum werden.

Wenig Gefallen für Bebauung der Ufer von Rhein und Wiese

Andererseits gibt es Vorbehalte, dass die Idee zu "durchkonzeptionalisiert ist." Auch die angedachte intensive Bebauung der Ufer von Rhein und Wiese findet wenig Gefallen. Grundsätzlich drängt die Bevölkerung auf großzügige Freiräume und durchgängige öffentliche Nutzungen der Flussufer. Noch mehr Skepsis mobilisierten die Entwürfe der deutschen Büros, Albert Speer & Partner aus Frankfurt und Hans Kollhoff aus Berlin. Letzterer wurde in der Auswertung als "statisch" und "konventionell ohne Bezug zur Realität und Umgebung" wahrgenommen, als Beitrag aus "Einzelteilen, der nicht lebendig" wirke und mit "zu engen Straßenräumen" arbeite.

Aber auch da finden sich "Einzelteile" mit Potenzial – von der Vergrößerung des Horburg Parks über eine Markthalle bis zur Übernahme der baulichen Struktur umliegender Quartiere. Der Mehrwert des skizzierten Hafenbeckens erschloss sich dagegen eher nicht. Ähnlich ist es beim Entwurf aus Frankfurt. Auch da wurden laut des Berichts fehlende innovative Potenziale und die grundsätzlich hohe Dichte bemängelt. Aber auch da sind Ansätze mit Perspektiven zu finden – von der als gelungen bewerten Straßenführung bis zur Idee eines 24-Stunden-Quartiers.

Basler Jusos bemängeln Investorenfreundlichkeit

Bei allen Konzepten wünschten sich die rund 180 Teilnehmer der Beteiligungsveranstaltung aber mehr Durchmischung der Gebäudeformen und Nutzungen. Verbreitet ist auch der Wunsch, im Quartier Angebote zu schaffen, die in die ganze Stadt strahlen. Vergleichsweise häufig tauchte da der Wunsch nach einer Schwimmhalle mit 50-Meter-Becken auf. Auch der Bau von Genossenschaftswohnungen und günstigen Mieten steht hoch im Kurs. Bei aller Verschiedenheit zeigen die Konzepte auch Parallelen; dazu gehört nicht zuletzt der überall deutliche Akzent auf Hochhäusern und Blockrandbebauung.

Genau das ist ein Grund, wieso die Basler Jusos die Szenarien bemängeln, wie in einer Mitteilung zu entnehmen ist. Alle vier Szenarien kämen sehr "investorentauglich" daher, befindet deren Arbeitsgruppe Stadtentwicklung unter Leitung des Architekten Lukas Gruntz. Das sei enttäuschend. "Will man Urbanität, muss man akzeptieren, dass sie unberechenbar ist. Das gilt auch für die Rendite", begründet Gruntz.

Bestehende Bauten im maximalen Rahmen erhalten

Auf Basis dieser Feststellung hat die Arbeitsgruppe einen Gegenmodell entwickelt. Dessen Kern sei es, das Areal mit angrenzenden Quartieren und Grünräumen zu verweben und bestehende Bauten im maximalen Rahmen zu erhalten. Weiter fordern die Juso, dass Wohnraum für doppelt so viele Menschen wie Arbeitsplätze geschaffen wird.

Von nächster Woche an bieten die Projektpartner übrigens ein weiteres Forum, das über das Projekt informiert, und zwar ein neues Info-Center im Novartis-Personalrestaurant im Klybeckareal.
Info-Center

Immer Dienstag, 17 bis 19 Uhr, und Mittwoch, 12 bis 14 Uhr, im Novartis-Personalrestaurant Klybeck, Mauerstraße 1. Auf rund 160 Quadratmeter gibt es da Einblicke in das Projekt. Am 19. September wird zudem der Synthese-Entwurf vorgestellt. Anmeldungen bis 13. September: http://www.klybeckplus.ch/veranstaltungen

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