Freiheitsberaubung führt zu Freiheitsstrafen

sda

Von sda

Sa, 22. September 2018

Baselland

Baselbieter Strafgericht verurteilt Hauptangeklagten im Mammutprozess nach Kampfsportler-Überfall zu 33 Monaten Haft.

MUTTENZ (sda). Ein Prügel-Überfall unter verkrachten Kampfsportlern von 2014 in Reinach (Baselland) hat dem Hauptangeklagten eine teilweise zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe von 33 Monaten eingebracht. Das Baselbieter Strafgericht sprach den Kick-Boxer am Donnerstag unter anderem der mehrfachen Freiheitsberaubung schuldig. Schuldsprüche gab es für den heute 41-Jährigen überdies wegen Angriffs, einfacher Körperverletzung sowie versuchter schwerer Körperverletzung.

Von den insgesamt zwei Jahren und neun Monaten Strafe muss er als Haupttäter zwölf Monate absitzen. Den Rest sprach das Dreiergericht bedingt aus, mit einer Probezeit von zwei Jahren. Bei den übrigen 16 Angeklagten gab es sieben Freisprüche zum Prügel-Überfall sowie bedingte Freiheits- und Geldstrafen in unterschiedlicher Höhe. Teils wurden auch noch Taten aus ganz anderem Kontext in diesem Prozess mit beurteilt.

2014 hatte eine vom Haupttäter geführte Gruppe eine Kampfsportschule in Reinach angegriffen, die dem damals anwesenden Hauptopfer gehört. Die Angreifer hielten die Anwesenden – darunter Minderjährige – in Schach, damit der Anführer mit seinem verhassten Rivalen einen beinharten Einzelkampf austragen konnte. Am schlagzeilenträchtigen Überfall waren Dutzende Personen beteiligt; sechs wurden verletzt, und es gab Knochenbrüche. Trotz eines Videos – das die Angreifer erstellten und den Opfern in die Hände fiel – war die Zuordnung und juristische Bewertung der einzelnen Taten schwierig, wie die Gerichtspräsidentin sagte. Außer dem Anführer waren alle Angreifer aus Angst vor Rache maskiert. Alibis und Zeugenaussagen seien teils unklar oder widersprüchlich gewesen. So blieb die Beweislage für das Gericht schwierig. Jedenfalls sei Gewaltanwendung klar "Teil des Tatplans" und die "Drohkulisse" Absicht gewesen. Schwere Körperverletzung habe einzig der Haupttäter mittels "absolut verbotenen Kampftechniken" in Kauf genommen, sagte die Präsidentin.

Der wegen der Zahl der Angeschuldigten enorm aufwändige Prozess sprengte den im Baselbiet üblichen Rahmen klar: Mehr als 30 000 Aktenseiten hatte die Staatsanwaltschaft in vier Jahren gesammelt. Beim im Wesentlichen geständigen Haupttäter wurde die Medienberichterstattung mildernd angerechnet: Da mit ungenügender Berücksichtigung der Unschuldsvermutung berichtet worden sei, reduzierte das Gericht die dem Delikt angemessene Strafe um drei Monate.