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15. März 2010 00:07 Uhr

Basketball

44:163 – historisch hohe Niederlage für den USC Freiburg

Nie zuvor ist in der Basketball-Bundesliga ein Team deftiger untergegangen als der USC Freiburg in Karlsruhe. Nachbetrachtung über eine Partie, die nur Verlierer hinterlässt.

  1. War in Karlsruhe wegen Virusgrippe nicht dabei: USC-Spieler Christoph Roquette (Mitte) Foto: Seeger

  2. War in Karlsruhe wegen Virusgrippe nicht dabei: USC-Spieler Andrew Hunter (rechts)

  3. War in Karlsruhe wegen Virusgrippe nicht dabei: USC-Spieler Marin Petric (links) Foto: Achim Keller

  4. War in Karlsruhe wegen Virusgrippe nicht dabei: USC-Spieler Mike Kinsella Foto: Achim Keller

163:44 – dieses Resultat mag für den USC ein Makel sein. Für die Liga aber ist es eine Katastrophe. Immerhin ist die Pro A keine bulgarische Joghurtkultur, sondern die zweithöchste Spielklasse einer Sportart, die sich gern auf Augenhöhe mit den anderen Kronprinzen hinter König Fußball wähnt. Wie würde die DFL reagieren, wenn das Zweitligaspiel Aachen gegen Rostock 15:1 endete? Was müssen 1100 Zuschauer in der Karlsruher Europahalle denken, die mehr als eine Handvoll Euro für spannenden Derbysport bezahlen und dann ein kurioses Spektakel erleben?

Erster Verlierer: BG Karlsruhe

Dieses Spektakel hinterlässt Beschädigungen auf allen Seiten. Erster Verlierer ist die BG Karlsruhe, die eine Verlegung abgelehnt hatte, weil sie nicht ohne Einnahmen auf der Hallenmiete sitzen bleiben wollte. Nach dem "Spiel" gab sie aber kleinlaut bekannt, jeder Zuschauer der USC-Demontage erhalte freien Eintritt für das nächste BG-Heimspiel. In Online-Foren wird die Posse schon zahlreich und beherzt wie selten diskutiert.

Unklar ist zudem die Rolle von BG-Trainer Ivan Vojtko. Der Slowake, nicht als sprudelnde Frohnatur bekannt, war vor Jahren unter unschönen Umständen beim USC Freiburg vom Hof gejagt worden. Seither meidet Vojtko ungern eine Gelegenheit, gegen den Ex-Arbeitgeber nachzutreten. Hätte er bei seinem Team – Stichwort Fair-play – am Samstag die Handbremse ziehen sollen, nachdem es zur Halbzeit bereits mit 70:25 vorne lag? Stattdessen packte die BG im dritten Viertel sogar noch einen 53:7-Run drauf.

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Vielleicht konnten die Karlsruher den Punkten aber auch gar nicht aus dem Weg gehen: Zwar hatten die Gäste die Partie mit fünf Akteuren begonnen. Bei der ersten legalen Möglichkeit (Spielunterbrechung) nach anderthalb Minuten wechselte USC-Trainer Markus Zilch aber zwei Spieler ersatzlos aus. So spielte der USC bis zum bitteren Ende mit seinem gesunden Rest-Trio (Achmadschah Zazai, Tobias Tessmann, Constantin Herdrich) durch.

(Freundlicherweise verzichten die Gastgeber darauf, die statistische Auswertung ins Internet zu stellen, obwohl sie nach Artikel 2.7.2. der Ausschreibung dazu verpflichtet sind. Bei einem Team nur drei Spieler einzuberechnen – darauf ist noch kein Scouting-Programm eingestellt.)

Zweiter Verlierer: USC Freiburg

Zweiter Verlierer, keineswegs nur wegen des Endergebnisses, ist der USC Freiburg. Am Donnerstag hatte dessen Geschäftsführer Paul Kempf noch mitgeteilt, dass 10 der 13 USC-Spieler wegen einer "scheinbar hoch ansteckenden Virus-Grippe" nicht spielfähig seien. Später hatte Kempf erleichtert hinzugefügt, die BG Karlsruhe stimme einer Spielverlegung zu und das Ligabüro sei damit einverstanden.

Welche formalen Fehler hernach begangen wurden, ist noch unklar – jedenfalls musste Kempf am Donnerstagabend bekannt geben, Gegner und Ligabüro seien mit einer Verlegung doch nicht einverstanden, also müsse Freiburg antreten (wenn auch nur mit einem Rumpfteam). Am Freitag lancierte das Ligabüro zusätzlich eine "Gegendarstellung": Die Zusage für eine Spielverlegung sei "zu keinem Zeitpunkt erfolgt".

Dieses Hickhack scheint kaum dazu angetan, die Stellung der Freiburger im Ligenbetrieb zu stärken. Ohnehin hatten die USC-Männer in der vorigen Saison nur mit Mühe den Klassenerhalt in der dritten Liga (Pro B) geschafft. Umso überraschender kam im August 2009 die Nachricht, der USC erhalte "aufgrund der Neuordnung der 2. Bundesliga nach infrastrukturellen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten" einen Startplatz eine Etage höher, in der Pro A.

Dort hat der USC zwar infrastrukturell eine schöne, helle Halle, wirtschaftlich mit 468 Besuchern pro Heimspiel aber den zweitgeringsten Zuschauerschnitt. Und sportlich? Dank des in Karlsruhe erspielten Punktes – die widersinnige neue Punkteregelung gönnt tatsächlich auch Verlierern einen Zähler – hält der USC seinen Zwei-Siege-Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Was natürlich für künftige "Neuordnungen" wenig besagt.

Dritter Verlierer: Der Basketball

Dritter Verlierer des 163:44-Debakels ist die Ligenleitung selbst. Die wird nun möglicherweise (sicher ist das aber nicht) überdenken, wie sie mit einem Fall umgehen will, wenn ein Team zu großen Teilen tatsächlich von einem Virus außer Gefecht gesetzt ist. Muss dann ein Trainer seine amtsärztlich krank geschriebenen Spieler trotzdem aufs Feld beordern, weil die Liga es so will?

Ihre Spielordnung (Stand 5. Juli 2009) legt unter §31, Absatz 4 fest, dass einem Antrag auf "Spielverlegung nur in begründeten Ausnahmefällen stattgegeben" wird. "Erkrankung oder ähnliches" ist als Antragsbegründung explizit ausgeschlossen. Im Hintergrund schwang dabei die Hoffnung mit, dass sich TV-Sender eines Tages auch wieder für Basketball erwärmen könnten. Für diesen Fall wollte man sie dann nicht mit Streichterminen verärgern.

Vielleicht weckt nun ein Resultat von 163:44 das – bis zum 13. März 2009 sanft schlummernde – Interesse der Sendeanstalten an der Pro A.

Autor: Toni Klein