Der verletzte Basketball-Star bringt kein Licht ins Dunkel

sid

Von sid

Mo, 11. Juni 2018

Basketball

LeBron James lässt offen, ob er nächste Saison bei Cleveland spielt / Chancenlos in der Finalserie gegen die Golden State Warriors.

CLEVELAND (sid). LeBron James konnte kein Licht ins Dunkel bringen. Auf die brennende Frage, ob das vierte Finale sein letztes Spiel in US-amerikanischen National Basketball-League (NBL) im Trikot der Cleveland Cavaliers war, hatte der Top-Athlet keine Antwort. "Ich weiß es im Moment nicht", erklärte James nach dem schweren K.o. gegen die Golden State Warriors – seine Zukunft ist offen. Bleiben oder gehen? James muss mit 33 Jahren entscheiden, ob er seinen Heimatverein ein zweites Mal verlässt. Vor acht Jahren war der Ausnahmespieler unter großem Brimborium zu Miami Heat gegangen und hatte dort zweimal den Titel geholt.

Nach der Rückkehr zu den Cavs triumphierte er 2016 erneut, doch die abgelaufene Saison macht James nachdenklich. Die Demontage im vierten Finalspiel (85:108), Schluss- und Tiefpunkt beim 0:4 in der Serie gegen den alten und neuen Meister Golden State Warriors aus Oakland, hat Spuren hinterlassen. James war häufig auf sich allein gestellt, hielt sein Team einigermaßen im Rennen – und das schwer angeschlagen. Eine Chance hatte Cleveland letztlich dennoch nicht.

Bei der abschließenden Pressekonferenz trug James an der rechten Hand eine Schiene, das Mikro hielt der Basketball-Riese mit links. "Ich habe in den vergangenen drei Partien mit gebrochener Hand gespielt. Meine Emotionen sind mit mir durchgegangen", sagte der Routinier und erklärte, dass er sich bei einem Wutausbruch nach der unnötigen Pleite im ersten Duell bei den Warriors (114:124 nach Verlängerung) bei einem Schlag gegen eine Schreibtafel verletzt hatte.

James ließ sich lange nichts anmerken. Als der dreimalige Champion gut vier Minuten vor dem Ende des letzten Saisonspiels auf der Bank Platz nahm, hallten MVP-Sprechchöre durch die Quicken-Loans-Arena. Die Fans feierten ihren Helden, der sich mit seiner linken Hand von Mit- und Gegenspielern verabschiedete. Abgesehen von den Eingeweihten im Klub ahnte da noch niemand, warum er das tat. James hat jetzt Zeit, gesund zu werden. Und Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Es geht ihm dabei aber nicht nur um sportliche Perspektiven, das wird man in Cleveland gern hören. "Ich habe immer meine Familie miteinbezogen", sagte James: "Man muss besonders bedenken, wie alt meine Jungs jetzt sind. Meine Familie ist immer ein großer Faktor, egal, was ich in meiner Karriere entscheide." Noch sei alles offen: "Ich habe keine Antwort." Der Vater von LeBron Jr. (13), Bryce (10) und der kleinen Zhuri (3) hat noch einen Vertrag bei den Cavaliers, kann aber bis zum 29. Juni per Option aussteigen. Laut US-Medien hat es noch keine Gespräche dazu gegeben. Vor vier Jahren war "King" James zu den Cavs zurückgekehrt, da er "noch etwas zu erledigen" hatte. Damit meinte er den ersten Meistertitel für den Klub, dieser Job ist gemacht. "Ich habe noch so viel zu geben", sagte der Star zu seinen Zielen, er sei "hungrig darauf, weitere Meisterschaften zu gewinnen".

Die Philadelphia 76ers werden als möglicher neuer Arbeitgeber gehandelt, auch von den Los Angeles Lakers war schon die Rede. Profis von anderen Klubs haben begonnen, um den Erfolgsgaranten zu werben. Jetzt ist James am Zug.

Im vierten Finalspiel war James trotz Verletzung zwar der beste Schütze seines Teams (23 Punkte), die klare Niederlage konnte er aber nicht verhindern. Die Golden State Warriors um seinen Topscorer Stephen Curry (37 Punkte) und um Kevin Durant waren zu überlegen und sicherten sich den Titel auf dem schnellsten Wege. Erstmals seit 2007 endete die Serie von maximal sieben Spielen wieder mit 4:0. Damals hatte Cleveland gegen die San Antonio Spurs einen sogenannten "Sweep" kassiert. Die Warriors triumphierten zum dritten Mal in vier Jahren, für die Franchise aus Oakland im US-Bundesstaat Kalifornien ist es der insgesamt sechste Titel (zuvor 1947, 1956, 1975, 2015 und 2017). Erfolgreicher waren seit der NBA-Gründung nur die Boston Celtics (17) und die Los Angeles Lakers (16), gleichauf mit Golden State liegen die Chicago Bulls (6).