Im Zwiespalt

Georg Gulde

Von Georg Gulde

So, 22. April 2018

Basketball

Der Sonntag Freiburgs Basketballerinnen wollen zurück in Liga eins, in der sich aber viel verändert hat.

Die nächsten zwei Spiele müssen die Basketballerinnen des USC Freiburg gewinnen, wenn sie den sofortigen Wiederaufstieg in die erste Bundesliga schaffen wollen. Und das wollen sie – obwohl nicht ganz klar ist, was das für die Entwicklung der jungen Spielerinnen bedeuten würde. Denn die erste Liga hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt.

Mit 54:60 haben die Eisvögel am vergangenen Sonntag das erste von maximal drei Playoff-Finalspielen bei Jahn München verloren. An diesem Wochenende sind sie spielfrei, weil Jahn München Ausrichter des Final-Four-Turniers der weiblichen Nachwuchs-Bundesliga ist. So kommt es zur zweiten Finalpartie erst am kommenden Samstag, 28. April, 19.30 Uhr, in der Freiburger Unisporthalle. Gewinnt München dieses Spiel, steigen die Bayern um Ex-Nationalspielerin Anne Delafosse (ehemals Breitreiner) auf. Siegt aber der Hauptrunden-Tabellenerste USC, kommt es zu einer dritten Partie. Die würde ebenfalls in Freiburg stattfinden – und zwar am Sonntag, 6. Mai, 16 Uhr. Nur der Sieger der Finalserie steigt in die erste Bundesliga auf.

Der Modus, nach dem der Hauptrundenerste aus dem Breisgau in der Finalserie zuerst ein Auswärtsspiel zu bestreiten hat, ist neu – und setzt nun den USC unter Druck. Doch die Mannschaft von Trainer Pierre Hohn sollte nicht lamentieren. "Daheim sind wir deutlich stärker als auswärts. Das müssen wir nun eben auch in den Finalspielen zeigen", sagte der Coach unmittelbar nach der Niederlage in München. Recht hat der Trainer. Daheim gab’s im bisherigen Saisonverlauf eine einzige Niederlage – gegen Bad Homburg, das in der Halbfinalserie München unterlag. Ob die jüngste Mannschaft der Liga, die während der Saison Unterstützung von den zwei altgedienten Eisvögeln Mirna Paunovic (41 Jahre) und Juliane Hodapp (28) erhielt, dem Druck gewachsen ist?

Harald Janson (48), Sportlicher Leiter und Urgestein des Freiburger Frauenbasketballs, will sich mit dem Szenario eines Nichtaufstiegs noch nicht beschäftigen. Schließlich arbeiten die Eisvögel, die vor einem Jahr nach 17 Spielzeiten in Folge aus der ersten Bundesliga in die zweite Liga Süd Liga abgestiegen sind, auch in dieser Saison unter Erstligabedingungen. In Pierre Hohn und dem für die Nachwuchsspielerinnen zuständigen Christian Berkes beschäftigt der Verein zwei hauptamtliche Trainer – eine Rarität im deutschen Zweitliga-Frauen-Basketball. So lautet das Ziel nicht nur Aufstieg. Vielmehr setzt man bei den Eisvögeln – im Gegensatz zu vielen Klubs der ersten Liga – weiterhin sehr stark auf die Weiterentwicklung sehr junger Spielerinnen: So haben Luisa Nufer (15), Pauline Mayer (16), Emily Kapitza (17) und Leonie Kambach (17) Schule und Leistungssport unter einen Hut zu bringen.

"Wir wollen in die erste Liga zurück. Aber es ist nicht so, dass alles zusammenfallen würde, wenn wir das dieses Jahr nicht schaffen sollten", sagt Janson. Er will damit zum einen den Druck etwas von dem jungen Team nehmen. Zum anderen will er auch darauf hinweisen, dass die erste Liga eine andere geworden ist als zu den großen USC-Zeiten mit der Playoff-Finalteilnahme gegen Wasserburg in Liga eins (2011) und dem Pokalsieg (2013).

Denn inzwischen spielt in der ersten Liga das Team aus Keltern mit, das die freiwilligen Abmachungen der Vereine, nach der mindestens zwei deutsche Spielerinnen pro Team auf dem Feld stehen mussten, unter Androhung juristischer Schritte ausgehebelt hat. So spielen jetzt in der ersten Liga Vereine, die meist sechs bis elf ausländische Spielerinnen in ihrem Kader haben. Die Förderung deutscher Talente, wie sie sich der USC Freiburg auf seine Fahnen geschrieben hat, spielt da bei den meisten Klubs keine große Rolle mehr.