Michael Reber: "Ihr Geist hat nachgewirkt"

Bettina Schaller

Von Bettina Schaller

Fr, 20. April 2018

Basketball

NACHGEFRAGT: Mirna Paunovic hat die Entwicklung des Basketballs bei der BG Ettenheim in Fahrt gebracht / Probleme einer Randsportart.

BASKETBALL. Lange Zeit war es ganz still geworden um das Basketballspiel in Ettenheim. Wenn an diesem Wochenende die Frauen der BG Ettenheim den direkten in die Oberliga schaffen würden, wäre dies das Sahnehäubchen für Trainer Michael Reber. Und der Übungsleiter ist sich bewusst, damit würde das Basketballspiel in Ettenheim mächtig Aufwind bekommt.

Mit dem Aufstieg in die Oberliga werde das Interesse von auswärtigen Spielerinnen geweckt. Nicht nur die BGE-Bank werde verstärkt, sondern auch das Selbstbewusstsein des Frauenteams. Einen solchen Aufwind brachte Mirna Paunovic, die nach Krankheit und Geburt wieder mitspielte. Die ehemalige Profispielerin habe die ganze Mannschaft enorm in Fahrt gebracht, urteilt Michael Reber. Bis Dezember 2017 hat sie mitgespielt, bevor sie mit mehr als 40 Jahren zu den Eisvögeln Freiburg zurückkehrte. "Ihr Geist hat nachgewirkt", so Reber. Doch nicht nur deren Charisma ist für den Erfolg verantwortlich.

Auch Michael Reber, der seit drei Jahren als Trainer arbeitet, hat seine Spuren hinterlassen. Erst seit der Saison 2016/17 spielt das Ettenheimer Team in der Landesliga oben mit. Zuvor sei es eher ein stetiger Kampf gegen den Abstieg gewesen. "Jetzt wird es Zeit für den Aufstieg in die Oberliga", sagt der Trainer, und fügt hinzu, "lieber spielen wir in der Oberliga gegen den Abstieg als weiterhin in der Landesliga." Der Verein teilt die Ansicht.

Aber so einfach sei die Entwicklung nicht. Die BGE habe wie andere Vereine auch mit grundsätzlichen Problemen zu kämpfen. Studium, Beruf, Schulstress – Zeit für Sport wird zur Mangelware. Zudem kommt bei den Frauenteams noch ein biologischer Faktor hinzu. Aktuell ist wegen schwangerer Spielerinnen die Bank dünn besetzt. Ettenheim sein nicht Freiburg oder Karlsruhe, wo Studentinnen Basketballteams verstärken. Referendarinnen würden während ihrer Zeit an Ettenheimer Schulen mit von der Partie sein, dann aber wieder berufsbedingt in andere Regionen verschwinden.

Hier kommt die Entstehungsgeschichte der BG Ettenheim ins Spiel, die aus diversen Basketball-Arbeitsgemeinschaften des Städtischen Gymnasiums entstand. Erst 2005 gründete sich ein eigenständiger Verein: Der Basketballverein  Gymnasium Ettenheim. Engagement und Durchhaltevermögen zeichnen den Weg. Die Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen: 2008 Aufstieg der Jungs der U 20 in die Oberliga Baden, 2010 Aufstieg der Herren in die Bezirksliga, 2015 Teilnahme der Mädels U 17/19 an der Qualifikation zur BBW Meisterschaft. 2016 steigen die Männer in die Landesliga auf, 2017 gewinnen die Frauen den Pokal beim Herbst-Grand-Prix. Um die Unabhängigkeit vom Gymnasium zu unterstreichen, wurde am 8. April 2017 der neuen Name Basketball Gemeinschaft Ettenheim beschlossen.

"Jetzt wird es Zeit für den Aufstieg in die Oberliga."

Trainer Michael Reber
Dennoch müsse die BGE ihren Nachwuchs aus den Schulen mit Sekundarstufe rekrutieren, so der Trainer. So ist auch an eine Kooperation mit dem TV Lahr gedacht. "Denn ein Ettenheimer Verein bekommt keine Trainingszeiten in Lahrer Sporthallen." Lahrer Nachwuchs nach Ettenheim ins Training zu bringen sei ein logistisches Problem. Deshalb sei es sinnvoller, den Trainer nach Lahr zu bringen. Bereits jetzt gebe es ein "Freizeit-Basketball-Team", das freitags in der Geroldsecker Schule trainiere. Da sind auch BGE-Spieler dabei. Doch die Trainingsmöglichkeit alleine ist nicht das Problem. Vielmehr mangle es, gerade in einer Randsportart wie Basketball, an ehrenamtlichen Trainern. "Was nützt es, wenn ich eine Mannschaft zusammenstelle und keinen Trainer habe", klagt Reber.

Es braucht die Schlüsselimpulse. Wird an Gymnasien Basketball gespielt, entwickelt sich die gesamte Infrastruktur dieser Randsportart. Aus Interessenten werden Spieler, aus Spielern Trainer. "Es muss jemand da sein, der sich engagiert, unter der Woche trainiert und an den Wochenende zu den Spielen fährt", schildert der Trainer. So betrachtet fehlt der Unterbau für den kontinuierlichen Erfolg. "Lahr hat ein riesiges Potenzial, aber, wo sind die Freiwilligen", sagt Reber. Die Problematik gibt es bei Männern wie Frauen. Der Herrenmannschaft fehlt der Trainer ganz. Gleiches gilt für den Übungsleiter Trainer der Jungs U16, die nur noch bis Februar 2019 auf eine Fachkraft am Rande bauen können. Richte er den Blick nach Kenzingen in die alte Heimat, sehe er die gleichen Probleme.

Umso wichtiger wäre der Sieg am Wochenende gegen den TSV Ettlingen. "Den Vorsprung der Ettlinger könnten wir mit vier Punkten pro Viertel aufholen", sagt Reber. "Das sind nur zwei Korbwürfe mehr." In einem schnellen Spiel ist das machbar. Abwarten.