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11. Januar 2017 11:22 Uhr

Gundelfingen

Baufirma sorgt für Stromausfall in Gundelfingen

Das riesige Bohr gerät verfehlt sein Ziel nur haarscharf und richtet dennoch großen Schaden an: Beim Setzen eines Stahlträgers auf der Baustelle in der Vörstetter Straße in Gundelfingen wird eine 20 000-Volt-Leitung beschädigt, was zu einem stundenlangen Stromausfall vor allem im Gundelfinger Osten führt.

  1. Beim Setzen eines Stahlträgers in der Vörstetter Straße wurde eine 20.000- Volt-Leitung beschädigt und sorgte in Gundelfingen für einen Stromausfall. Foto: Max Schuler 

  2. Dieses Bohrgerät hat die Leitung gestriffen und beschädigt. Verletzt wurde niemand. Foto: Max Schuler 

  3. Die betroffene Leitung: Im hinteren Teil sieht man wie die Leitung gestreift wurde. Um sie auszustauschen, wurde sie anschließend durchtrennt. Foto: Max Schuler 

  4. Beim Setzen dieser Stahlträger kam es zu dem Unfall. Foto: Max Schuler 

Die Gemeindewerke schätzen, dass bis zu 2500 Haushalte davon betroffen sind. Bis Redaktionsschluss ist nicht klar, ob noch am Mittwoch wieder alle Haushalte ans Stromnetz angeschlossen werden konnten.

"Fünf Zentimeter weiter drüben und es wäre vermutlich nichts passiert", sagt Baustellenleiter Benjamin Krey. Er blickt in das Loch vor seinen Füßen und dann in den Himmel zu der Spitze des Bohrgeräts. Gegen 11 Uhr am Mittwoch hat einer seiner Arbeiter in der Vörstetter Straße mit diesem Gerät das Stromkabel abgeschabt und zusammengedrückt. Durchtrennt ist das Kabel zunächst nicht. Doch es reicht, um zwischenzeitlich 18 Trafostationen lahmzulegen. "Zum Glück ist aber niemandem was passiert", sagt Krey.

Die Stromnetze werden von den Gemeindewerken betreut. Geschäftsführer Markus Heger breitet in seinem Büro Karten aus, auf denen alle Gundelfinger Haushalte zu sehen sind. Mit einem Leuchtstift markiert er eine zweite Schadensstelle in Wildtal. Heger vermutet, dass sie mit dem Unfall in der Vörstetter Straße zusammenhängt. Da es zwei Schadstellen gibt, ist es für die Gemeindewerke schwierig, die Stromversorgung wiederherzustellen. Man kann den Strom nicht umleiten, sondern muss beide Stellen aufgraben und die defekten Leitungen reparieren.

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Ein Bagger legt in der Vörstetter Straße derweil das Stromkabel frei. Die Monteure sind in Wartestellung. Mit einer Druckluftschere wird die Leitung aus sicherer Entfernung gekappt. Dann wird das defekte Stück herausgetrennt und die Lücke mit einem Kunststoffkabel überbrückt. Dort soll ein Gebäude für Betreutes Wohnen entstehen. In der zweiten Dezemberwoche haben die Arbeiten begonnen und sie sollen bis in das Jahr 2018 andauern. Noch ist nicht viel auf der Baustelle zu sehen. Nur die Köpfe der bis zu fünf Meter langen Stahlträger ragen zwischen Schnee und Matsch empor.

Das Telefon in der Zentrale der Gemeindewerke läutet am Mittwoch pausenlos. Die Menschen wollen wissen, wann sie endlich wieder an das Stromnetz angeschlossen sind. Betroffen ist auch das Schulzentrum in Gundelfingen, dort werden zwischenzeitlich Notstromaggregate zugeschaltet. Andere Gundelfinger berichten gegen 11 Uhr von kurzen Störungen auf ihren elektronischen Geräten, bei anderen fallen die Heizung oder der Bildschirm ganz aus.

"Fünf Zentimeter weiter drüben und es wäre vermutlich nichts passiert."Baustellenleiter Benjamin Krey
Es ist der zweite große Stromausfall in Gundelfingen innerhalb eines Jahres. Im Juni 2016 war ein Kabel in der Gewerbestraße durchgeschmort. Damals waren bis zu 1000 Haushalte sowie 25 Firmen im Gewerbegebiet vom Netz getrennt. Mitarbeiter großer Firmen wie Hermetic wurden damals nach Hause geschickt, da die Produktion stillstand. "Der aktuelle Stromausfall ist von der Schwere vergleichbar mit dem, was wir 2016 erlebt haben", sagt Heger. Allerdings waren diesmal mehr Menschen betroffen, weil der Osten Gundelfingens ohne Strom war. Dort gibt es mehr Wohnungen.

Wenn Firmen in Gundelfingen bauen, müssen sie zuvor von den Gemeindewerken Pläne anfordern, damit sie wissen, wo die Stromleitungen verlaufen. Dadurch sollen genau solche Schadensfälle vermieden werden, wie sie am Mittwoch eingetreten sind. Die Baufirma hat die Pläne laut Heger im Vorfeld eingesehen. Warum dennoch die Leitung getroffen wurde und wer die Instandsetzung zu zahlen hat, das müssen jetzt die Gemeindewerke und der Bauträger klären. "Die Reparaturkosten werden nicht billig. Da kommen sicher mehrere tausend Euro zusammen", sagt Heger.
Wer haftet bei Schäden?

Wenn der Strom für längere Zeit weg bleibt, können für Endverbraucher Schäden entstehen. Laut der Gemeindewerke haben Stromkunden aber keine Schadenersatzansprüche gegenüber der GWG. Geschäftsführer Heger verweist in diesem Fall auf höhere Gewalt. Es kann sich aber lohnen, einen Blick in Versicherungsverträge wie die Hausratversicherung zu werfen. Denkbar wäre, dass das Gefriergut dem Stromausfall zum Opfer fällt – hier komme etwa die Hälfte der Hausratversicherer für den entstandenen Schaden auf, sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale. "Es empfiehlt sich, den Schaden fotografisch zu dokumentieren." Auch hier gelte aber die sogenannte Schadensminderungspflicht – nicht alles müsse gleich weggeschmissen werden. Schwieriger werde es bei Datenverlust und kaputten Elektrogeräten. Hier müsse ein direkter Zusammenhang zum Stromausfall nachgewiesen werden. Es lohne sich aber, beim Versicherer nachzufragen.

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Autor: Max Schuler