Eichstetten

Baufirma sucht auf Badisch nach Mitarbeitern

Manfred Frietsch

Von Manfred Frietsch

So, 18. Februar 2018 um 10:45 Uhr

Eichstetten

Wer mit "aschtändige Leut" arbeiten will, die "kleini und großi Häusle" bauen, kann sich hier bewerben. Eine Baufirma aus Eichstetten sucht auf Badisch nach Mitarbeitern.

Es brummt auf dem Bau, selbst jetzt im Winter wird auf vielen Baustellen gearbeitet. Auch bei der Eichstetter Baufirma Erwin Meier. Doch wie bei vielen anderen Baufirmen in der Region auch, sucht man in Eichstetten händeringend nach weiteren Händen, die zupacken können. Fach- und Hilfskräfte am Bau sind gleichermaßen gesucht – und schwer zu bekommen. "Der Stellenmarkt Markt ist einfach leergefegt" erklärt Beate Meier, die mit ihrem Ehemann und den Söhnen den aktuell 25 Köpfe zählenden Familienbetrieb führt.

Eine Anzeige mal anders

Mehrfach habe sie mit Stellenanzeigen gesucht, auch auf Facebook, um Leute wenigstens zu einer Kontaktaufnahme zu gewinnen. Aber ohne Erfolg. Beate Meier: "Da habe ich mir einfach überlegt, es einmal ganz anders zu machen: eine Anzeige auf Badisch."

"Uf’m Bau" ist die Stellenanzeige betitelt, in der nach gleich drei Mitarbeitern gesucht wird: einem Bauhelfer, einem "Laschdwage-Fahrer" und – da man eine gemäßigte Dialektform gewählt hat und nicht breites Kaiserstühlerisch – ein Maurer, und nicht etwa ein Muurer. Die nähere Stellenbeschreibung liest sich dann so, wie auf dem Bau gschwätzt und gschafft wird: Der Bauhelfer solle sich "nid blöd astelle, au mol ä Veschper hole", der LKW-Fahrer sollte "än Labbe Kl. 2" mitbringen und dürfte "au mol in Teilzeit arbeide", wenn er zuhause noch "was z’schaffe" hat.

Die Firma selbst stellt sich als "aschtändige Leut" vor und als "super Druppe", die "kleini und großi Häusle" bauen, "einzigs Münschter hämmer no nit umbaut".



Dialekt ist keine Voraussetzung für den Job

"Mein Mann war skeptisch, ob man das so machen kann, meine Söhne fanden es toll" erzählt Meier. Und toll sei bisher auch die Resonanz, die das Inserat auf badisch erfahren habe: "Wir haben tatsächlich Anrufe von Leuten bekommen und auch schon erste Vorstellungstermine ausgemacht", freut sich Beate Meier. Offenbar fühlt sich eine Zielgruppe genau angesprochen: Leute, die hier zuhause sind und möglichst in der Region arbeiten wollen, und nicht irgendwo wochenlang auf Baumontage fernab von Heim und Herd.

Bedenken, dass Nicht-Dialektkundige ausgegrenzt würden, hat Beate Meier keine – zumal die bisherigen Anzeigen in Hochdeutsch ja keinen Erfolg gebracht hätten. Im Firmenteam sind die meisten Badener, aber auch ein Albaner und ein Flüchtling aus Gambia gehören dazu. Natürlich werde auf den Baustellen der Firma badisch gesprochen, so dass es jeder, der deutsch könne, auch verstehe. Es gebe genug Baustellen anderer großer Firmen, die mit Subunternehmern arbeiten, "da spricht und versteht niemand mehr deutsch", so Beate Meier. Jetzt hofft sie dass aus den Kontakten tatsächlich neue Arbeitsverhältnisse werden. Sorgen, dass die Anzeige als Jux aufgenommen werden könne, hat sie keine. Im Gegenteil: "Die Leute merken, dass wir es ehrlich meinen, das ist toll."