Schneechaos

Bayerische Landkreise rufen Katastrophenfall aus – bis Samstag soll Schneefall nachlassen

dpa, afp

Von dpa & afp

Do, 10. Januar 2019 um 21:23 Uhr

Panorama

Autofahrer stehen über im Stunden Stau, und mancherorts in Bayern und Österreich hat der Schneefall bereits Leben gekostet. Die Lage soll sich aber entspannen. Ein Überblick.

Insbesondere der Südosten Deutschlands sowie Österreich sind von dem heftigen Schneefall betroffen.

Berchtesgaden und Traunstein

Wegen der Schneefälle gilt in vier oberbayerischen Landkreisen der Katastrophenfall. In dieser Region fallen durch das Wetter auch viele Züge aus. Rund um Berchtesgaden sind immer mehr Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Orte Vorderbrand und Ettenberg seien nicht mehr erreichbar, teilte das Landratsamt mit. Die Zufahrtsstraßen seien gesperrt, weil Bäume unter der Schneelast umzukippen drohten.

Eine Notversorgung der Bewohner sei eingerichtet.

Auch in den Landkreisen Traunstein und Miesbach gilt seit Donnerstag der Katastrophenfall. Die nassen Schneemassen seien eine Gefahr für die Menschen in der Region, sagte ein Sprecher des Landkreises Traunstein. Man werde deshalb auch auf Hilfe der Bundeswehr zurückgreifen. Die Schneelage beruhigte sich allerdings am Freitag erheblich. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sollten die Schneefälle im Alpenraum abklingen, es wurden bis Samstag nur noch leichte Schneefälle erwartet.

Salzburg

In Österreich starben seit dem Wochenende mindestens sieben Menschen im Schnee – darunter zwei Deutsche, die am Sonntag in Vorarlberg von Lawinen verschüttet wurden. Am Mittwoch wurde ein 16 Jahre alter Deutsch-Australier vor den Augen seiner Familie beim Skifahren von einer Lawine in den Tod gerissen. Unter anderem starben zwei Skifahrer, die bei Stürzen im meterhohen Schnee versanken, sowie zwei junge Schneeschuhwanderer, die bereits am Montag tot unter einem Lawinenkegel gefunden wurden.

Die anhaltenden Schneefälle in weiten Teilen Österreichs haben der Tourismusbranche einen Dämpfer versetzt: Bei der österreichischen Wirtschaftskammer ist bereits von einem Minus von 50 Prozent bei kurzfristigen Buchungsanfragen die Rede. Und nach einer Wetterberuhigung sieht es derzeit nicht aus.

Allgäu

Polizisten retteten in Kaufbeuren einen frierenden Säugling vor der Kälte. Passanten hatten die hilflose Mutter des Kindes betrunken im Schnee neben einem Gehweg entdeckt, die Frau hielt ihr nur unzureichend bekleidetes Baby im Arm.

Aying

Ein neunjähriger Junge ist in Aying bei München von einem Baum erschlagen worden. Wie die Polizei mitteilte, war der Baum unter seiner Schneelast zusammengebrochen. Erst nach 20 Minuten entdeckten Zeugen den darunter begrabenen Bub – da war er bereits tot.

Hermsdorf

Auf der A 9 in Thüringen kam es in der Nacht zum Donnerstag zu einem rund 50 Kilometer langen Stau. Die Fahrer Dutzender Lastwagen und Pkws mussten die Nacht in ihren Fahrzeugen auf der Autobahn verbringen. Einsatzkräfte verteilten warme Decken und heiße Getränke. Der Stau löste sich am Donnerstag auch deshalb nur zögerlich auf, weil viele Fahrer erst hätten geweckt werden mussten.

A 8

Auch auf der A 8 in Baden-Württemberg saßen Hunderte Lastwagen- und Autofahrer fest. Der Verkehr sei zwischen Ulm und Nellingen über Stunden zum Erliegen gekommen. Eine Autofahrerin starb im Stau unter noch nicht geklärten Umständen. Prinzipiell ein Problem haben bei diesen Verhältnissen die Fahrer von Elektroautos. Da ihr Motor keine Abwärme produziert, sind sie auf eine separate Heizung angewiesen, die aber viel Strom verbraucht. Wer nur noch wenig Akkuleistung hat, sollte dann lieber auf die Sitzheizung zurückgreifen, sagt Wieland Bruch, für E-Autos verantwortlicher Sprecher bei BMW. Diese verbrauche weniger Strom als die normale Heizung.

Auch in der Nacht zu Freitag haben Autofahrer mehrere Stunden im Stau verbringen müssen. Rettungskräfte des Roten Kreuz und des Technischen Hilfswerks versorgten die auf der voll gesperrten Autobahn im Bereich des Chiemsee feststeckenden Menschen mit warmen Getränken. Die Autobahn musste nach mehreren Unfällen voll gesperrt werden, eine Reihe von Lastwagen war liegengeblieben. Am Freitagmorgen beruhigte sich die Lage.

Hundwil

Eine etwa 300 Meter breite Lawine ist in ein Hotelrestaurant gekracht und hat drei Menschen leicht verletzt. Wie die Polizei mitteilte, suchten Einsatzkräfte am Abendabend nach möglichen Vermissten. Dabei kamen neben technischem Gerät auch Lawinenhunde zum Einsatz. Ein Polizeisprecher sagte der Schweizer Zeitung "Blick", dass keine Hotelgäste vermisst würden, aber möglicherweise Passanten verschüttet wurden. Die Verletzten werden der Polizei zufolge medizinisch und psychologisch betreut.