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21. Juni 2012 00:01 Uhr

Geständnis

Bayern-LB-Manager: Ecclestone hat mich bestochen

Gerhard Gribkowsky hat doch noch ausgepackt. Der ehemalige Manager der Bayern-LB belastete Formel-1-Chef Bernie Ecclestone – dieser habe ihn mit 45 Millionen Dollar bestochen.

  1. Gerhard Gribkowsky Foto: AFP

Am Ende kann Gribkowsky die Mauer des Schweigens nicht mehr aufrechterhalten. Auf ein mildes Urteil dürfe er selbst bei einem Geständnis nicht mehr hoffen, sagt Richter Peter Noll – nicht nach eineinhalb Jahren Untersuchungshaft und 45 Verhandlungstagen vor dem Landgericht München. Er stellt dem 53-Jährigen eine Haftstrafe zwischen sieben Jahren und zehn Monaten und neun Jahren in Aussicht.

Gribkowsky zögert nur noch kurz. Dann hört man zum ersten Mal im Prozess seine Stimme. "Es stimmt im Wesentlichen, was in der Anklage steht", sagt er und holt tief Luft. Es folgt ein eineinhalbstündiges Geständnis, in dem der Ex-Risikovorstand der Bayern-LB alle drei Anklagepunkte einräumte. Ja, er sei von Ecclestone, den er "den kleinen Mann" nennt, mit 45 Millionen Dollar geschmiert worden. Ja, er habe als der für den Verkauf von Formel-1-Anteilen zuständige Manager dafür gesorgt, dass Ecclestone eine nicht gerechtfertigte Provision etwa in Höhe seines Schmiergelds von der Bank erhalten habe. Ja, er habe gewusst, dass er sein Schmiergeld in Deutschland und nicht in Österreich hätte versteuern müssen.

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Man kann hören, wie schwer es Gribkowsky fällt, sein Schweigen zu brechen. Er tut es nicht aus Reue. Bis vor kurzem hatte er wohl darauf gehofft, dass ihm wenig zu beweisen ist. Dann hatte Richter Noll, der schon den Schmiergeldskandal beim Münchner Technologiekonzern Siemens verhandelt hatte, von einer klaren Beweislage in allen Punkten gesprochen – und Gribkowsky den Ernst seiner Lage klargemacht.

Das späte Geständnis beginnt nüchtern. Gribkowsky erzählt, wie die Formel-1-Anteile nach der Kirch-Pleite der Bayern-LB zugefallen sind und er als verantwortlicher Vorstand sich in den Formel-1-Gremien die Macht gegen Minderheitseigner Ecclestone habe erkämpfen müssen. Im Jahr 2005 habe dieser ihn in sein Büro gebeten. "Ich erkläre dir jetzt mal, wie das Leben ist", habe Ecclestone begonnen und gedroht, eine neue Rennserie zu starten – dann hätte die Bayern-LB nur noch die Macht über eine leere und wertlose Hülle gehabt.

Es gebe aber eine andere Möglichkeit, habe Ecclestone gesagt: "Du machst was für mich, ich mache was für dich." In diesem Augenblick sei in ihm ein Film abgelaufen, erklärte Gribkowsky. Erinnerungen an einen früheren Bestechungsversuch Ecclestones seien in ihm hochgekommen – und an ein Erlebnis, als ihn beim Joggen gedrungene Gestalten verfolgt hätten. Jetzt habe Ecclestone angeboten, ihn als Berater zu beschäftigen, wenn er helfe, die Anteile der Bayern-LB an Käufer seiner Wahl zu veräußern.

Nach kurzer Bedenkzeit habe er zugestimmt, gibt Gribkowsky nun zu. Fortan habe er mit Ecclestone kooperiert und dafür gesorgt, dass von einer Milliarde Euro Jahresumsatz "300 Millionen bei denen ankommen, die im Kreis fahren und der Rest woanders bleibt". Dann habe Ecclestone den Finanzinvestor CVC als Käufer präsentiert, Gribkowsky habe den Verkauf gemanagt. Ecclestones Riesenprovision hätte er wegverhandeln können, gestand Gribkowsky, er habe es sich aber nicht mit ihm verderben wollen. Dafür habe er 50 Millionen Dollar Beraterhonorar verlangt und 45 Millionen erhalten. "Welchen Knopf hat der kleine Mann gedrückt, dass du damals die Augen zugemacht hast", sagt Gribkowsky – zu sich selbst.
Bernie Ecclestone im Visier

Gribkowskys Geständnis kann für den 81-jährigen Bernie Ecclestone ernste Konsequenzen haben. Gegen ihn läuft wegen der Schmiergeldzahlungen ein eigenes Ermittlungsverfahren. Wird Gribkowsky wegen Bestechlichkeit verurteilt, drängt sich eine Anklage gegen den Formel-1-Chef wegen Bestechung unweigerlich auf, heißt es in Justizkreisen. Gerüchte, Ecclestone habe sich die Macht in der Formel 1 schon früher mit Geld gesichert, kursieren schon lange, bewiesen wurden sie noch nie. Ein Prozess gegen Ecclestone würde einen dunklen Schatten auf den geplanten Börsengang der Rennserie werfen. Mehrheitseigner CVC will mit diesem angeblich zwei Milliarden Euro erlösen.

Autor: Thomas Magenheim-Hörmann