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20. Juli 2012

Unterm Strich

Bayreuth – schwer erreichbar?

Katharina Wagner muss in Sachen Medienkompetenz lernen / Von Alexander Dick.

Die Provinz ist ein Wasserglas und darin stürmt es bekanntlich am überschaubarsten. Wobei das nun der falsche Einstieg für unsere Geschichte ist. Denn in der geht es ja gerade um die Frage, was Provinz ist. Ob beispielsweise eine Stadt in Oberfranken, nennen wir sie der Einfachheit halber Bayreuth, Größenordnung gut 70 000 Einwohner, international durch ein kulturelles Großereignis zweifelsohne eine Größe für sich, trotzdem Provinz sein kann. Oder wie die Eingeborenen dort sagen würden: Brrrowinz.

Entfacht hat den Sturm die Urenkelin des Genius loci: Katharina Wagner, 34, gebürtige Bayreutherin (was der Zungenschlag nicht verhehlen will), bekannte in einem großen deutschen Nachrichtenmagazin öffentlich, dass sie Uropa Richard täglich verfluche, sein Festspielhaus in die fränkische Provinz gesetzt zu haben: "Ich sehe keinen Vorteil in der Abgelegenheit von Bayreuth." Alles sei so schwer erreichbar.

Die Bürger Bayreuths jetzt inklusive. "Festspielchefin schmäht Bayreuth" titelte die Lokalzeitung noch am selben Tag. Die eben erst neu gewählte Oberbürgermeisterin zeigte sich befremdet und konterte: "Zu Wagner und den Festspielen gehört nun aber einmal Bayreuth und nicht Berlin" – ein Seitenhieb auf Frau Katharinas anderen Wohnsitz. Von Bayreuth aus in gut drei Stunden zu erreichen.

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Aber nur via Autobahn. Und so ruderte die Urenkelin zurück. Sie habe nicht Bayreuth, sondern die Bahn gemeint. Die die frischgebackene Weltkulturerbe-Stadt so miserabel an ihr Streckennetz anbinde. Half nix. Man bezichtigte sie mangelnder Medienkompetenz. Wie es richtig geht, zeigt Christian Thielemann. Der heimliche Generalmusikdirektor der Festspiele schmiert jetzt Balsam auf die geschundene Brrrowinzseele. Die Faszination des Ortes sei ungebrochen. Das Festspielhaus – "das tollste Theater" der Welt. So macht man das, will man das Wasserglas nicht umschütten. Wir aber lernen: Gut, dass es solche Kontroversen gibt. Nicht auszudenken, man diskutierte in der Sache.

Autor: adi