Bad Krozingen

Beantworteter Leserbrief: Opferschutz ist bei Sexualstraftaten wichtiger als öffentliches Interesse

Hans-Peter Müller

Von Hans-Peter Müller

Mi, 29. August 2018 um 10:36 Uhr

Bad Krozingen

In Bad Krozingen wurde vergangene Woche eine 63 Jahre alte Frau Opfer eines sexuellen Übergriffs. Eine Leserin fragt nun, warum wir nicht mehr Details zur Tat genannt haben. Dazu unsere Antwort.

Frage an die BZ

Am Mittwoch (22. August, Anm. der Red.) berichten Sie über einen sexuellen Übergriff in Bad Krozingen bei der Nepomukbrücke. Dieser fand schon am Sonntag statt. Am Sonntag darauf erscheint ein Artikel darüber im "Der Sonntag" im Markgräflerland. Darin wird dieser Übergriff als "brutale Vergewaltigung" beschrieben.

Meine Fragen sind: Warum wird erst am Mittwoch (drei Tage nach der Tat) verharmlost berichtet von einem sexuellen Übergriff und dann am Sonntag von einer brutalen Vergewaltigung? Haben wir nicht das Recht, früher und ausführlicher und in einem größeren Artikel davon unterrichtet zu werden? Da ist ein Bericht über eine Vernissage wesentlich größer dargestellt – ich finde das nicht in Ordnung. Wir Frauen haben ein Recht darauf, früher und genauer informiert zu werden! Ist ein sexueller Übergriff das Gleiche wie eine brutale Vergewaltigung?
Karin Müller, Bad Krozingen

Antwort der BZ

Auf die Fragen unserer Leserin antwortet Hans-Peter Müller, Redakteur in der Redaktion Bad Krozingen:

Sehr geehrte Frau Müller,
zunächst zu den zeitlichen Abläufen: Die Polizeimeldung traf in der Redaktion am Dienstag, 21. August um 10.53 Uhr als E-Mail und Agenturmeldung ein. Sie wurde unmittelbar bearbeitet und war online auf allen digitalen Kanälen der BZ um 11.17 Uhr verfügbar. Die Verlautbarung von Bürgermeister Volker Kieber erreichte uns am Donnerstag kurz vor 17 Uhr und war ab 22 Uhr digital verfügbar und wurde in der Freitagsausgabe ausführlich behandelt.

Nun zu den Begrifflichkeiten: § 177 des Strafgesetzbuches steht unter der Überschrift: "Sexueller Übergriff; sexuelle Nötigung; Vergewaltigung". "Sexueller Übergriff" ist der Überbegriff, der Vergewaltigung einschließt und den die Polizei, wie in diesem Fall, benutzt, wenn sie kein Täterwissen weitergeben will und das Opfer davor schützen will, dass jedes Detail einer solchen abscheulichen Tat in die Öffentlichkeit gezerrt wird.

Die BZ hat sich an dem von der Polizei benutzten Begriff orientiert und den Opferschutz höher bewertet als dies andere Medien getan haben.

Die Polizei, die mit einer speziellen Ermittlungsgruppe alle Spuren verfolgt, aber nur wenige Zeugenhinweise erhalten hat, bestätigt auf Nachfrage, dass der Täter, wenn er gefasst wird, vor Gericht durchaus wegen Vergewaltigung angeklagt werden dürfte. Absatz (6) Satz 1 des § 177 StGB lautet: "In besonders schweren Fällen ist auf Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren zu erkennen. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder vollziehen lässt oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder von ihm vornehmen lässt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung)."

In diesem Zusammenhang: Wir meinen, jede Vergewaltigung ist "brutal".