Beeindruckende Fotos von bedrohten heimischen Arten

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Mo, 05. März 2018

Müllheim

Der Biologe und Naturfotograf Franz Schneider schildert in seinem Bildvortrag ohne Polemik den Wandel von natürlichen Lebensräumen.

MÜLLHEIM. Bis zu 100 000 Individuen kann ein Starenschwarm erreichen – im Flug ein einzigartiges Naturschauspiel. Ein fünfminütiges Video mit einer solchen Szene vor der Kulisse des Belchens war das dramatische Highlight eines Vortrags des Biologen Franz Schneider, Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender der Müllheimer Nabu-Ortsgruppe (Naturschutzbund). Sein Thema: "Wandel in der Natur – Vogel- und Insektensterben?" Eingeladen hatte die Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Markgräflerland (Agus). Agus-Sprecher Jürgen Hauke freute sich über den vollen Saal im Müllheimer Restaurant Stadthaus.

Wenn die Stare so massenhaft auftreten, warum stehen sie dann trotzdem auf der Roten Liste der bedrohten Arten? Und warum wurde der Star vom Nabu 2018 zum Vogel des Jahres ausgerufen? Das erklärte Schneider in seinem Kapitel "Vögel im Sinkflug". Nicht nur die Zahl der einzelnen Individuen gebe als Kriterium für die Beurteilung der Situation den Ausschlag, sondern auch die mittelfristige Entwicklung, die beim Star einen erschreckenden Rückgang zeige. Die Beobachtung von großen Ansammlungen vermittle daher oft ein trügerisches Bild. Das Gleiche gelte für das massenhafte Auftreten von Elstern und Krähen in den Städten. In der freien Landschaft gehen auch bei diesen Arten die Zahlen der Brutpaare nach unten. Ein Hauptgrund: Es fehlt an Brutmöglichkeiten in der ausgeräumten Feldflur.

Seit 30 Jahren beobachtet, dokumentiert und fotografiert Schneider die Natur und vor allem die Vogelwelt im Markgräflerland. Er legte bereits 1987 mit dem Insektenforscher Werner Bussmann einen Bildband mit dem Titel "Kleinod Markgräflerland" vor. Das Geleitwort dazu schrieb Bernhard Grzimek. Obwohl sich vieles seither zum Negativen verändert hat, ist Schneider kein Pessimist. Im ersten Kapitel seines Vortrags zeigte er "Vogelarten im Aufwind". Er berichtete von der Erholung beispielsweise der Populationen der Weißstörche, die sich inzwischen von ausgewilderten Volieren-Tieren zu echten Wildvögeln mit Zugverhalten entwickelt hätten.

Franz Schneider ist ein Naturfotograf der alten Schule. Seine Fotos zeigen das Objekt meist formatfüllend und detailgenau, oft im typischen Habitat, aber ohne dramaturgischen Schnickschnack. Solche Bilder gelingen nur, wenn der Fotograf mit dem Verhalten der porträtierten Art vertraut ist und ihren Lebensraum kennt. Nicht jedem gelingt es, vier Feldhasen in einer Ackerfurche oder einen Eisvogel mit einem kleinen Fisch im Schnabel abzulichten. Insofern kam das Publikum am Freitagabend in den Genuss einer beeindruckenden Auslese aus mehreren Jahrzehnten erstklassiger Naturfotografie mit erkennbarem Lokalbezug, die gerade mit ihrem unaufgeregten, sorgfältigen Blick mehr sagt als effekthaschende Sensationsbilder.

Gespräch statt Konfrontation

Die Ursachen der Zerstörung von Lebensräumen sind vielfältig – und alle vom Menschen gemacht. Trotzdem blieb Schneider auch bei diesem Kapitel seiner sachlichen, um Kompromisse bemühten Sichtweise treu. Mit Sorge beobachte er seit zwei, drei Jahren die "Folifizierung" der Landschaft, die großflächig unter den Plastikabdeckungen und Kunststofftunneln der Sonderkulturen, besonders von Spargel, verschwindet. Das beginne bereits im Winter, weil der Spargelbauer für die frühesten Ernten die besten Preise erzielt. Das sei ein anerkanntes Argument, bei dem das Verhalten der Verbraucher eine bedeutende Rolle spiele. Später in der Diskussion kam die Sprache auch auf die dauerhaften und nicht mehr beseitigbaren Rückstände, welche die bröselnden Folien im Boden hinterlassen. Polemik hat Schneider aus seinen Vorträgen ganz verbannt. Er setzt auf das Gespräch mit den Behörden, Landwirten und Grundstückseigentümern, wie er es negativ anhand des neuen Schutzgebietes für den Triel bei Bremgarten verdeutlichte: "Schlechter hätte das die Behörde nicht machen können", meinte er. Die Bauern seien zu Recht empört darüber, wie man ihnen die Verordnung überstülpte und winkten nur zornig ab, wenn man sie darauf anspreche.

Während in den Monokulturen zwischen Vorbergzone und Rhein schon viele Lebensräume für Tiere und Pflanzen verschwunden sind, gebe es in den Hügeln der Vorbergzone noch Hoffnung. Streuobstwiesen, naturnah bewirtschaftete Rebanlagen mit Trockenmauern, Gehölze und Waldränder böten nicht nur Rückzugsräume, sondern seien auch Elemente einer schönen Landschaft, in der es sich gut leben lasse. Dazu bedürfe es aber großer Anstrengungen. Die örtlichen Naturschutzgruppen seien einfach zu klein, um die Biotoppflege dauerhaft zu managen, stellte Schneider fest.

Der Bildband "Kleinod Markgräflerland – Naturbeobachtungen zwischen Rhein und Schwarzwald" von Franz Schneider und Werner Bussmann, erschienen 1987 im Schillinger-Verlag Freiburg, ist noch bei verschiedenen Antiquariaten im Internet erhältlich (ISBN 3-89155-046-4).