"Ein musikalisches Geschenk der Versöhnung"

Beeindruckende Konzertreise nach Oswiecim und Krakau

Kai Kricheldorff

Von Kai Kricheldorff

Fr, 13. Januar 2017 um 15:05 Uhr

Breisach

Nach zwei gefeierten Konzerten in der polnischen Großstadt Krakau und in Breisachs Partnerstadt Oswiecim sind das Vocalensemble Breisach und die Junge Kammerphilharmonie Freiburg nach Südbaden zurückgekehrt. Bei ihrer Reise erlebten die Musikerinnen und Musiker eine beeindruckende Gastfreundschaft und erhielten viel Anerkennung.

Deutsches Requiem von Brahms
An beiden Aufführungsorten präsentierten die zusammen rund 130 Chormitglieder und Musikerinnen und Musiker mit ihrem Leiter Ludwig Kleber das Deutsche Requiem von Johannes Brahms. Mit diesem Werk hatten sie bereits Ende November in Freiburg und Ihringen erfolgreich konzertiert (die BZ berichtete).

Voll besetzt war die Maximilian-Kolbe-Kirche in Breisachs Partnerstadt Oswiecim, als Chor und Orchester Aufstellung für ihre musikalische Darbietung nahmen. "Das Requiem des protestantischen Komponisten Brahms ist im überwiegend katholischen Polen wenig bekannt", berichtete die Breisacherin Christiane Portele, die als Mitglied des Vocalensembles an der Gastspielreise teilnahm. Tags darauf gaben Chor und Orchester in der nahegelegenen Großstadt Krakau ihr zweites Konzert. Der Spielort dort war im Vergleich zu Oswiecim ein ungleich größeres Gotteshaus mit über 1000 Plätzen.

Stehende Ovationen
"Alle Sitzplätze waren besetzt, viele Zuhörer sind gestanden. Die meisten von uns hatten noch nie vor einem so großen Publikum musiziert", so Portele zur BZ. Dieses habe sich intensiv auf die Musik eingelassen. Und es sei zu spüren gewesen, wie das Gefühl von Hoffnung und Trost, das Brahms mit seinem Requiem ausdrücken wollte, die Zuhörer erreichte, schilderte sie ihren Eindruck von den beiden Konzerten, die mit jeweils stehenden Ovationen des Publikums endeten. Durch die Vermittlung der Sopranistin Sylwia Olszynska, die schon im November bei den Konzerten in Freiburg und Ihringen den Solopart gesungen hatte, konnte die Junge Kammerphilharmonie durch einige polnische Musiker ergänzt werden.

Zum Abschluss stimmten Vocalensemble und Junge Kammerphilharmonie "Stille Nacht" an und forderten die Zuhörer zum Mitsingen auf. So erklang das bekannte Weihnachtslied zugleich auf Polnisch und Deutsch, was unweigerlich ein Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugte und ein besonders berührendes Erlebnis war, so Portele.

Große Gastfreundschaft
Der Pfarrer der Kirchengemeinde in Oswiecim sprach von "einem musikalischen Geschenk der Versöhnung". Begeistert äußerte sich Portele im Gespräch mit der BZ auch über die Gastfreundschaft, die den Besuchern aus der Europastadt Breisach und aus Freiburg in Polen entgegengebracht wurde.

"Wir alle zusammen waren gut 150 Personen, für die die Stadt Oswiecim einen großzügigen Empfang ausgerichtet hat". Stadtpräsident und Bürgermeister der Breisacher Partnerstadt luden Chor und Orchester gleich dazu ein, zur 10-Jahresfeier der Städtepartnerschaft in zwei Jahren wieder nach Oswiecim zu kommen.

Einladung zum Jubiläum
Neben den beiden Konzertauftritten besuchten die Reiseteilnehmer unter anderem die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz und das Jüdische Zentrum in Oswiecim. Außerdem nahmen sie an einer Stadtführung durch Krakau teil. Alle Teilnehmer der Fahrt hatten ihre Reisekosten selbst übernommen. Die Stadt Breisach und der Freundeskreis Oswiecim unterstützten die Konzertreise von Vocalensemble und Junger Kammerphilharmonie kräftig.

Gabriel Dittrich, Vorstandsmitglied des Freundeskreises Oswiecim, begleitete als Dolmetscher und Organisator mit seiner Gattin Gudrun Chor und Orchester in seine polnische Heimat. Dort waren die beiden für die Reisegesellschaft unentbehrliche Unterstützer und Vermittler.