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24. Februar 2014

Beethoven im Stil einer Buffo-Oper

Duo Appassionata in Ettenheim.

ETTENHEIM. Beethovens zehn Sonaten für Violine und Klavier an insgesamt vier Abenden aufzuführen – das ist die Absicht des Pianisten Pervez Mody und der Geigerin Isabel Steinbach, die sich als Ensemble nach einem Beethoven-Werk Duo Appassionata nennen. Am Samstag gab es im Bürgersaal Ettenheim Teil zwei der Reihe, mit den Sonaten Numero drei und zehn.

Das Duo aus Lahr machte so weiter, wie es beim Auftakt des Zyklus vor drei Monaten mit der ersten, fünften und achten Sonate begonnen hatte. Steinbach und Mody geht es um Leidenschaft und Lust, um Gefühl, sei es heiter oder eher elegisch. Die letzte der zehn Sonaten, mit der Opuszahl 96, hat beides, und noch viel mehr. Sie beginnt mit einer warmen Phrase auf der Geige, wie das erste, zaghafte Jubilieren eines Vogels nach einem langen Winter. Das Klavier antwortet, nimmt den Triller der Geige auf. Man spinnt die Phrase gemeinsam weiter, sie endet in einem Seufzer. Dann erklingt der Ruf erneut, diesmal durch das Klavier, und die Geige antwortet.

Mody lässt pointierte Tröpfchen aus den Tasten springen, während Steinbach den Jubelruf in weite Sphären führt. Das hat wunderbare Leichtigkeit. Und dann beginnt es zu glühen – nicht von außen, sondern es glüht von innen. Die Musik taucht ab ins Expressive, Beschwörende – aber der nächste Triller holt sie wieder ans Licht, in die Leichtigkeit.

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Die Lust am Fliegenlassen von Fingern und Bogen ist spürbar

Satz zwei, Adagio espressivo, ist geradezu aufs Glühen ausgelegt. Steinbach lässt den Ton warm strahlen, füllig in den tiefen, verhalten schmerzlich in den hohen Lagen – Beethoven als Romantiker. Abrupt kippt dieses Schwelgen in das groteske Scherzothema, ein staksiges Stolzieren. Der Schlusssatz beginnt als barockes Idyll, wird rasch zum heiteren Presto, das sich ins Furioso steigert und so auch gespielt wird. Die Lust am Gasgeben, am Fliegenlassen von Finger und Bogen, springt aus allen Tasten und Saiten.

Mody liebt das Bildhafte. Das zeigen seine Erläuterungen. So vergleicht er die Sonate Nummer 3, die Antonio Salieri gewidmet ist, mit einer Buffo-Oper. Mitunter wirkt die Musik wie Solostimme und Begleitung, dann entstehen plappernde Duette mit quicken Achtelläufen, mal als liebevoller Wettstreit, mal als kesse Rede und Antwort, wobei einer versucht, den anderen zu übertrumpfen. Das Seufzen im Adagio ist Spiel, Neckerei, tänzelnd, lockend, ehe es im Schlusssatz weitergeht mit dem Necken in spritziger italienischer Manier. Eine Buffo-Oper von Beethoven als Jugendwerk – das hätte sehr amüsant sein können.

Autor: rob