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24. November 2009 20:32 Uhr

Ski nordisch

Behinderten-Weltcup – eine Herzenssache für Oberried

Die kleine Gemeinde Oberried hat wieder Großes vor – und man darf zuversichtlich sein, dass es klappt. Zum zweiten Mal nach 2001 organisiert der Ort einen Weltcup, nämlich den der behinderten nordischen Wintersportler.

  1. Auch die blinde Verena Bentele, Deutschlands bekannteste Behindertensportlerin, will sich beim Weltcup in Oberried für die Paralympics in Vancouver qualifizieren. Foto: SEEGER (A)

  2. Archivbild von den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften der Behinderten in Baiersbronn im Jahr 2003: Bentele (links) mit ihrem Führer Franz Lankes. Foto: Patrick Seeger

OBERRIED. Blinde werden dort an den Start gehen, Amputierte, Contergan-Beeinträchtigte und Rollstuhlfahrer. Oberried, genauer gesagt der Skiclub Oberried, wird vom 3. bis 7. Februar 2010 einen IPC-Weltcup austragen, also einen nordischen Wettkampf der Körperbehinderten aus rund 20 Ländern. Sehgeschädigte Skilangläufer wollen dann gelotst von sehenden Vorausfahrern im Nordic Center am Notschrei um Medaillen kämpfen, Rollstuhlfahrer in einem Skischlitten bis zu acht Prozent Steigung überwinden, und Blinde – um das Außergewöhnliche nun zu komplettieren – Blinde werden beim Biathlon schießen. Nicht mit Kugeln, aber mit einem Lichtgewehr. Das Lichtsignal des Handicap-Sportlers wird dabei in einen Ton umgewandelt. Sobald der Sportler eine bestimmte Tonlage hört, weiß er, dass sein Licht genau auf die Zielscheibe zeigt. Dann drückt er ab.

"Wir sind schon jetzt ein

wenig stolz auf den Weltcup."

Bürgermeister Winterhalter
Verletzt wird auf diese Weise niemand, aber vielleicht lässt er sich beeindrucken Anfang Februar im Nordic Center. Die Veranstalter freuen sich auf jeden Besucher, und es werden ganz sicher ein paar mehr werden als im Jahr 2001. Damals herrschte akuter Schneemangel im Hochschwarzwald, der Weltcup musste auf Wanderung gehen, vom Notschrei erst Richtung Feldberg und dann schließlich bis auf das nahezu schneesichere Herzogenhorn. Dort lag dann das weiße Gold, dort konnten die Körperbehinderten ihre Wettkämpfe austragen, aber nur ein paar Dutzend Zuschauer machten sich auf den Weg zu dem äußerst abgelegenen Ort. Es war ein Weltcup für Insider. Diesmal wird das anders, das Nordic Center ist viel leichter zu erreichen, und der SC Oberried glaubt fest daran, Anfang Februar genügend Schnee auf den Strecken vorweisen zu können – sei es mit Frau Holles natürlicher Unterstützung oder eben mit Hilfe von "Beschneiungsanlagen, mit denen wir an kalten Tagen und Nächten genügend Schneedepots einrichten können", wie Bernhard Hug, der Wettkampfleiter sagt.

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Wenn der SC Oberried einen solchen Weltcup ausrichtet, ein 720-Mitglieder-Verein, dann tut er das nicht allein, sondern er weiß die ganze Gemeinde hinter sich. Bürgermeister Franz-Josef Winterhalter ist "schon jetzt ein wenig stolz, dass der Weltcup nach Oberried kommt". Schule, Vereine, Feuerwehr, Hunderte Helfer: Der nordische Handicapsport und die kleine Gemeinde sind eine ungewöhnliche Symbiose eingegangen. Ehemalige Paralympicssieger wie Roland Gäss werben in ihrer Heimatgemeinde seit Jahrzehnten für ihren Sport. Der Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald unterstützt die Behinderten nach seinen Möglichkeiten, und er tut viel, wie OSP-Leiter Hans-Ulrich Wiedmann nun bei der Vorstellung der Weltcup-Pläne in Oberried öffentlich bekräftigt hat. Wiedmann erinnerte an die zahlreichen, historisch gewachsenen Beziehungen zwischen Schwarzwälder Wintersportlern mit und ohne Handicap. Es sei kein Zufall, dass unmittelbar vor dem IPC am gleichen Ort die nordische Weltmeisterschaft der Junioren (JWM) ausgetragen werde – beziehungsweise, um es ganz genau zu sagen, am Notschrei die Weltmeisterschaft der Junioren und U23-Skilangläufer. "Ich freue mich, dass wir in diesem Winter gleich zwei so herausragende Veranstaltungen in Oberried haben werden", sagte Wiedmann. 2009/2010 soll sogar so eine Art Superwinter für den Schwarzwald werden. Der Weltcup der Kombinierer in Schonach eröffnet am 23. und 24. Januar 2010 die nordischen Wochen. Zeitgleich beginnt die JWM in Hinterzarten und am Notschrei. Und dann, wenn die weltbesten Nachwuchsläufer aus 35 Nationen den Schwarzwald wieder verlassen haben, kann der SC Oberried am Notschrei gleich im Anschluss auf die Infrastruktur der Juniorenweltmeisterschaft zurückgreifen. "Es war natürlich kein Zufall, dass wir uns für das Weltcupfinale des paralympischen Winters 2010 beworben haben", sagt Roland Gäss. "Alles hat ineinander gepasst."

LETZTER WELTCUP VOR DEN PARALYMPICS

Die Paralympics in Vancouver geben Oberried nämlich noch einen besonderen Kick. Der Weltcup dort bietet den Athletinnen und Athleten die allerletzte Chance, sich noch für die Winterspiele der Körperbehinderten in Vancouver und Whistler Mountain im März 2010 zu qualifizieren. Und er wird natürlich ein letzter Leistungstest sein. Verena Bentele aus Tettnang, die wohl bekannteste Behindertensportlerin Deutschlands, will auf dem Notschrei starten, Freiburgs blinder Ausnahmeläufer Wilhelm Brem und auch der contergan-behinderte Josef Gießen aus Herzlake – der erfolgreichste Biathlet der vergangenen Jahre.

Der SC Oberried freut sich auf zahlreiche Zuschauer, Helfer und Unterstützer. Händeringend sucht er übrigens nach Unterkünften für Rollstuhlfahrer. "Behindertengerechte Zimmer sind noch eine große Herausforderung für den Tourismus", sagt Wettkampfleiter Hug.

Behindertensport: Fangesänge? Beim Goalball bitte nicht

Informationen und Zeitplan: www.weltcup-oberried.de

Autor: Andreas Strepenick