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29. Juni 2012 08:13 Uhr

Europameisterschaft

Behrenbruch holt Gold im Zehnkampf

Pascal Behrenbruch ist der erste deutsche Zehnkämpfer seit 41 Jahren, der bei einer EM Gold gewonnen hat. In der Vergangenheit hat sich der 27-Jährige durch Eskapaden ins Aus manövriert.

  1. Noch vor einem Jahr hat ihn der Leichtathletik-Verband aus dem Top-Team verbannt, jetzt zeigt er es allen: Pascal Behrenbruch. Foto: DPA

Der 2011 vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) aus dem Top-Team verbannte Hesse fliegt nun als Nummer zwei der Weltrangliste hinter dem neuen Weltrekordler Ashton Eaton (USA/9039) zu Olympia nach London. "Das war ein richtig geiles Ding hier in Helsinki. Doch in London ist Gold für Ashton reserviert", sagt Behrenbruch, der sich nach Rang fünf bei der EM 2010 trotz anfänglichen Widerstandes im DLV für den EM-Start entschieden hatte. Nun gewann er am Tag nach dem 5000-Meter-Silber von Arne Gabius die zweite deutsche Medaille. Eine dritte verpasste zwei Jahre nach EM-Gold über 100 Meter Verena Sailer als enttäuschte Sechste. Weitspringerin Sosthene Moguenara fehlte auf Rang vier nur ein Zentimeter zu Bronze. Siebter im Zehnkampf wurde Norman Müller (Halle/8003). Über 100 Meter verteidigte der Franzose Christophe Lemaitre seinen Titel erfolgreich, lag aber in 10,09 Sekunden nur knapp vor seinem Landsmann Jimmy Vicaut (10,12).

"Den hole ich mir am Donnerstag", hatte Pascal Behrenbruch mit Blick auf den führenden Ukrainer Alexej Kasjanow bei Halbzeit des Zehnkampfes gesagt und behielt am Ende Recht. Im Stabhochsprung holte er den WM-Vierten von Berlin 2009 ein, in der vorletzten Disziplin holte er dann mit 67,45 Metern einen Vorsprung von 246 Punkten auf den extrem schwachen Speerwerfer Kasjanow heraus. Mit dem 1500-Meter-Lauf steigerte er seine drei Jahre alte Bestmarke dann von 8439 auf 8558 Punkte. Kasjanow (8321) holte Silber vor dem Russin Ilya Schurenjow (8219). Joachim Kirst hatte 1971 für die DDR als letzter Deutscher EM-Gold geholt – ebenfalls in Helsinki. Am ersten Tag hatte Behrenbruch, der im Vergleich zu früheren Zehnkämpfen keinen wirklichen Durchhänger hatte, mit 16,89 Metern eine Kugelstoß-Weite erzielt, die noch keiner bei einer EM geschafft hatte. Im Stabhochsprung erzielte der 1,96 Meter lange Modellathlet mit 5,00 Metern eine zweite persönliche Bestmarke. Damit dokumentierte er nach dem Weggang im Zorn zum Training nach Estland zu Olympiasieger Erki Nool (Sydney 2000): Der Wechsel hat ihm gut getan. Behrenbruch ist gereift. Lange Zeit hatte er in DLV-Kreisen einen Ruf als Hallodri, der sein Talent nicht ausschöpft – als Bad-Boy, der zu viel Party macht und sein Potenzial verschwendet. Schnelle Autos schienen ihm lange Zeit wichtiger gewesen zu sein als regelmäßiges Training. In Helsinki hat er es nun allen gezeigt.

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Verena Sailer hingegen war restlos bedient: "Ich wollte hinten noch ein bisschen Gas geben, aber es ging nicht. Ich bin schon echt enttäuscht", sagte die lange verletzt gewesene 26-Jährige. Der Mannheimerin fehlte bei Gegenwind in 11,42 Sekunden eine Zehntelsekunde zu Bronze. Gold ging an die Bulgarin Iwet Lalowa in 11,28 Sekunden. Sailers Klubkollegin Anne Cibis (11,54) belegte Rang sieben, Tatjana Pinto (Münster/11,62) wurde Achte. Sailer, die im Vorlauf noch 11,14 gelaufen war, sagte: "Wir haben am Sonntag wenigstens eine starke Staffel."

In Abwesenheit der deutschen Rekordhalterin Ariane Friedrich, die wegen Magenproblemen bei der Qualifikation fehlte, kürte sich die Spanierin Ruth Beitia mit 1,97 Metern zur Hochsprung-Europameisterin. Marie-Laurence Jungfleisch, die aus Freiburg stammt und für LAZ Ludwigsburg-Kornwestheim startet, war am Mittwoch in der Qualifikation als 13. gescheitert. Die 21-Jährige schaffte 1,87 Meter erst im zweiten Versuch. Für das Erreichen des Finales der besten Zwölf wäre es nötig gewesen, die Höhe im ersten Versuch zu überqueren.

An diesem Freitag (Beginn: 18.30 Uhr) versucht Christina Obergföll (LG Offenburg), eine Medaille zu gewinnen. Die zweimalige Vizeweltmeisterin im Speerwerfen hatte am Mittwoch in der Qualifikation mit 59,49 Metern die ursprünglich erforderliche Weite von 60 Metern nicht geschafft. Da aber nur zwei Athletinnen über 60 Meter kamen, genügte Obergfölls Weite dennoch locker, um als Vierte ins Finale der besten Zwölf zu kommen.

Autor: sid/gg/str