Reitsport

Bei dem Eimeldinger Springreiter Hans-Dieter Dreher wird’s nicht langweilig

Jochen Dippel

Von Jochen Dippel

Sa, 12. Januar 2019 um 17:34 Uhr

Reitsport

Für Hans-Dieter Dreher hat sich beim zehnten Basler Weltcup-CSI bislang sportlich seine Bilanz des Vorjahres gespiegelt: viele Spitzenplatzierungen, konstante Leistungen, aber der große Coup blieb aus.

Gleichwohl fällt das Fazit des Springreiters aus Eimeldingen nach "einer sehr zufriedenstellenden Saison" äußerst positiv aus. Schließlich zählt der sportliche Leiter des Gestüts Grenzland seit dem kometenhaften Aufstieg 2011 ständig zu den besten 120 der Weltrangliste.

Auch in der St. Jakobshalle glänzte die aktuelle Nummer 74 schon mit zwei fünften Plätzen auf Prinz und Berlinda am Donnerstag und einem dritten Rang am Freitag mit Twenty Clary.   

 Überdies erlebte der Routinier mehrere emotionale Höhepunkte. Dazu gehörte vor allem das Comeback des 17-jährigen Hannoveraners Embassy II, seines persönlichen Lieblings, nach langer Verletzungsauszeit — mit dem Sieg im Großen Preis von Donaueschingen als absolutes Glanzlicht. Immerhin verdankt Dreher dem Hengst einen Großteil seiner Erfolge, etwa die Weltcupsiege in Stuttgart und Leipzig. Schließlich erfüllte sich bei den Weltreiterspielen in Tryron (USA) sein Wunsch mit der ersten Nominierung für ein internatioales Championat — wenn auch lediglich als Ersatzreiter.  

Vor allem die erfolgreiche Rückkehr von Embassy wühlte den gewöhnlich so coolen Profi mächtig auf. "Nach eineinhalb Jahren und in dem hohen Alter", gesteht er, "aber ich habe immer an ihn geglaubt, weil ich ihn seit acht Jahren reite, ihn genau kenne und weiß, was für ein unglaublicher Kämpfer er ist." Mithin spürte Dreher während des behutsamen Aufbautrainings, "dass Embassy nicht nur topfit ist, sondern noch immer Lust auf sportliche Großtaten hat." Dies unterstrich der Hengst im Vorjahr mit zweiten Plätzen im Championat von Rotterdam und Weltcup in Helsinki. In der Halle ist ein Einsatz nicht mehr geplant. Erst in der grünen Saison soll der Vierbeiner wieder springen, in schweren Prüfungen, nicht auf unterer Ebene. "Embassy bekommt seine Pausen und bestimmt selbst die Einsätze", versichert Dreher und stellt klar: "Wenn ich merke, dass ihm das Springen keinen Spaß mehr macht, ist sofort Schluss — das bin ich ihm schuldig." 

Emotional war für Dreher auch das WM-Debüt mit der Stute Berlinda, seiner Nummer eins im Stall. "Auch als Ersatz bin ich stolz darauf und bereue keinen Tag dort", resümiert er. "Erstmals durfte ich Championatsluft schnuppern, war voll in die Mannschaft und das Umfeld integriert und habe geholfen, wo ich konnte." Zugleich musste er bis zum WM-Ende in den USA  "die eigene Konzentration und die Freude meines Pferdes hochhalten". Er absolvierte auch das gleiche Training wie die deutsche Equipe. Was ihn besonders beeindruckte? Alles sei nochmal etwas angespannter gewesen als bei normalen Nationenpreisen, auch wegen der hohen Erwartungshaltung. "Da fiebert man voll und ganz mit." 

Neben Berlinda und Embassy verfügt der Eimeldinger, der im Februar 47 Jahre alt wird ("Dieses Jahr feiere ich mein 40-Jähriges im Pferdesattel"), derzeit über drei weitere Grand-Prix-Pferde: die Wallache Twenty Clary, Tiopepe des Champs und seine neue Hoffnung Prinz. Den Hannoveraner übernahm Dreher Anfang November von Andy Witzemann, der ihn ausbildete und zu einer Vielzahl von S-Siegen führte.

"Ich kenne das Pferd schon lange, habe mich mit Andy ständig ausgetauscht." Die hippologische Luxussituation verdankt er vor allem seinem Gönner Roland Zanotelli. Der Basler Unternehmer erwarb den Großteil der Vierbeiner. "Er hat einfach Freude an Pferden", sagt Dreher über seinen "angenehmen Sponsor und Freund der Familie". 

    Somit blickt der Südbadener zuversichtlich in die Zukunft. Bei den Weltcups in Basel und Leipzig hofft er, die nötigen Punkte für das Finalticket zu sammeln. Geplant ist zudem im März ein Start bei der Global Champions Tour in Doha. Denn seit kurzem gehört Hans-Dieter Dreher zum Team der Amzone Georgina Bloomberg, der Tochter des früheren Bürgermeisters von New York, zusammen mit dem Briten Scott Brash und dem Iren Dennis Lynch.