Bei Nöten die Flöten

Johannes Adam

Von Johannes Adam

Di, 15. Mai 2018

Klassik

Der Organist Christian Schmitt mit Bach und Liszt in Freiburg.

Es war noch etwas früh am Tag. Sinn aber machte die Bearbeitung von "Der Mond ist aufgegangen" trotzdem. Mit der ruhigen Liedadaption des Reger-Schülers Fritz Lubrich rundete Christian Schmitt sein Orgelrezital in der Freiburger Christuskirche ab. Wo der in Stuttgart lebende Saarländer im Rahmen der Reihe "Mit Bach durch die Regio" zu Gast war.

Sein Meisterstück an der Rieger-Orgel abgeliefert hat der als Konzertorganist renommierte Interpret mit Bachs kniffliger g-Moll-Fuge BWV 542, der sogenannten Kaffeewasserfuge. Ungemein transparent und wie von einer Stahlfeder gespannt klang diese frisch, mixturig und unter Verzicht auf Zungenregister gestartete Polyphonie. Angenehm differenziert waren die Zwischenspiele. Lobenswert die Entscheidung, die mächtige Posaune, neben der akustisch kein Gras mehr wächst, erst auf der Zielgeraden zu bemühen – als Steigerungsmittel. Wie das dominante Register auch beim F-Dur-Paar BWV 540 nur fein dosiert zum Einsatz kam: etwa bei den beiden Pedalsoli der Toccata – als Kontrast zur Kanon-Hurtigkeit der Hände. An den toccatischen Schaltstellen indes funktionierten nicht alle Übergänge reibungslos. Klug dafür die Idee, das erste Thema der im getragenen stile antico anhebenden Doppelfuge dem Dulzian zu übertragen. So bekam der vom Komponisten gewählte alte Stil auch ein antikisierendes Klanggewand. Hübsch das silbrige Zimbel-Hüpfen des zweiten Themas.

Gekonnt und expressiv gestaltete Schmitt die beiden verhaltenen Choralbearbeitungen: Bei "Allein Gott in der Höh’ sei Ehr’" BWV 662a war die im Sopran liegende Liedmelodie mit dem Kornett zu hören. Und "Wenn wir in höchsten Nöten sein" BWV 668a wurde in seiner Gesamtstruktur zu einer warmen, innigen und bewusst aufs Substanzielle reduzierten Flötenangelegenheit.

Für Franz Liszt ist die sehr direkt klingende Rieger-Orgel von 1980 weniger geeignet. Schmitt jedenfalls machte aus seiner Pflicht das Beste. Liszts "B-A-C-H"-Hit hatte Feuer und Schwung. Wirkliche Inseln einer grundstimmigen deutschen Romantik waren jedoch eher selten. Zu der dumpf und dunkel beginnenden "Evocation à la Chapelle Sixtine" passte das zugegebene Mondlied. Und zwar unabhängig von der Tageszeit.

Bach: "Die Kunst der Fuge". Hae-Kyung Jung, Karin Karle und Johannes Götz (Orgel, Klavier), St. Peter, Barockkirche, Pfingstsonntag, 20. Mai, 17 Uhr (Einführung: 15.30 Uhr).