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19. Juli 2012
Komödie
Beigbeders "Das verflixte 3. Jahr": Leidenschaft, Routine, Ende?
ROMANTISCHE KOMÖDIE: Frédéric Beigbeders spritziges Regie-Debüt "Das verflixte 3. Jahr".
Kann die Liebe drei Jahre überdauern? Wer da eine Antwort sucht, könnte sie vielleicht in Frédéric Beigbeders Regie-Debüt "Das verflixte 3. Jahr" finden, das eben auf dem Freiburger Filmfest lief und jetzt in die Kinos kommt. Eine Vermutung zu Beginn: Die wahre Liebe gibt es nicht.
Davon ist jedenfalls der junge Literaturkritiker und Gesellschaftskolumnist Marc Marronnier (Gaspard Proust) seit der Scheidung von seiner Frau Anne überzeugt. "Im ersten Jahr kauft man die Möbel. Im zweiten Jahr stellt man sie um. Im dritten Jahr teilt man sie auf." Die Bilanz klingt bitter und höchst pessimistisch. In Marcs Augen ist die Entwicklung aber unwendbar. Drei Jahre, drei Etappen: Leidenschaft, Routine, Trennung. Damit muss man rechnen: Eine Liebesbeziehung hat keinen glücklichen Ausgang.
So sieht es auch in der gelungenen Eröffnungssequenz der Komödie aus. Der französische Bestseller-Autor ("39,90") und jetzt auch Regisseur Frédéric Beigbeder erzählt mit einer Filmmontage im Zeitraffer die Liebesgeschichte von Anne und Marc kurz vor der Scheidung. Mit prächtigsten Bildern, in gelbgoldenem Licht und unterlegt mit einem schönen stimmigen Soundtrack von Ellie Goulding ("Your Song"), bis die Worte des Scheidungsrichters das Ende der Romanze besiegeln: "Jetzt dürft ihr euch für ewig hassen." Eine überraschend zynische Einführung: Was für eine romantische Komödie ist das denn, die mit einer Scheidung beginnt? Alles andere wäre aber von Beigbeder eine Enttäuschung gewesen. In der Verfilmung seines gleichnamigen Romans aus dem Jahr 1997 gefällt es dem enfant terrible der französischen Literaturszene, unkonventionell mit Konventionen zu spielen. Das Ehescheitern von Marc und Anne ist aber nur der Ausgangspunkt für die wahre Romanze der Komödie. Sozusagen ihre Voraussetzung.
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Überzeugt davon, dass das Leben ihm keine Liebesfreude mehr bereithält, beschließt Marc, ein Pamphlet zu schreiben und dann einen Verleger zu finden. Zur gleichen Zeit, als das Buch unter dem vielsagenden Pseudonym Feodor Belvédère veröffentlicht wird, tritt die spritzige und bezaubernde Alice (Louise Bourgoin) in Marcs Leben. Und wie auf dem Büchermarkt sein Roman einschlägt wie eine Bombe, tut das die junge Frau bei ihm. Es ist Liebe auf den ersten Blick.
Marc muss umgehend seine pessimistische Philosophie verabschieden, als die verführerische Alice sich nach langem Zögern tatsächlich dafür entscheidet, ihren Mann für ihn zu verlassen. Das Versprechen auf ewige Liebe liegt vor der Tür. Doch gelingt es Marc nicht, Alice zu gestehen, dass er der geheimnisvolle und nun ungeheuer bekannte Autor des Pamphlets ist, von dem alle reden. Und die ahnt nicht im Traume, dass er der Verfasser solcher Machosprüche ist.
Marc Marronnier verkörpert den typischen bürgerlichen Pariser Intellektuellen, der in seinem Beruf aufgeht und trotzdem noch mehr als genug Zeit hat, um von der Unmöglichkeit der Liebe zu philosophieren. Im jungen und talentierten Schauspieler Gaspard Proust hat Beigbeder ein Alter Ego inszeniert. Einen Dandy, der durch seine Selbstliebe und seinen Zynismus mal nervtötend, mal anrührend wirkt. In den Nebenrollen glänzen die Schauspielerin Valérie Lemercier als knallharte Verlegerin, die das Buch pusht, wiewohl sie seinen Titel für "so richtig dämlich" hält, und der Rapper Joey Starr als Frauenhasser.
Auch wenn man von Anfang an weiß, dass die so zerbrechliche Romanze sich in einem Happy End erfüllen wird, ist Beigbeders Komödie nicht öde erwartbar oder konventionell. Nie kitschig. Immer spritzig und witzig. Und dabei natürlich zutiefst romantisch.
– "Das verflixte 3. Jahr" (Regie: Frédéric Beigbeder) läuft in Freiburg und Basel.
Autor: Laurie Tierce



