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14. Januar 2009 17:40 Uhr

BZ-Mundenhofcamp

"Beim Füttern nehmen sie schon gerne mal den Finger mit"

  1. Foto: Michael Bamberger

  2. Foto: Michael Bamberger

  3. Foto: Michael Bamberger

  4. Foto: Michael Bamberger

Der Fernsehsender RTL lässt Promis – darunter klangvolle Namen wie Giulia Siegel und Peter Bond und Norbert Schramm – im australischen Dschungel eklige Prüfungen absolvieren. Darauf gibt’s nur eine Antwort, zumindest aus Freiburg: Die Stadtredaktion schickt ihre Redakteurinnen und Redakteure zum "Mundenhofcamp" ins Freiburger Tiergehege. Dort sollen sie sich endlich mal nützlich machen und unerschrocken die Aufgaben erfüllen, die ihnen die Tierpfleger stellen. Diesmal ist Frank Zimmermann (36) an der Reihe.

Die Mundenhof-Prüfung (2): Der Redakteur wagt sich ins Gehege der – bissigen – Erdmännchen, um ihnen lebendes Gewürm zu verfüttern.

Diese Prüfung ist in zweifacher Hinsicht schwierig: zum einen, weil die Erdmännchen neben den beiden Bären die einzigen Raubtiere auf dem Mundenhof und gar nicht so harmlos sind, wie sie aussehen. Zum anderen, weil lebende Mehlwürmer nicht meine Sache sind; ich gestehe, zur Gruppe männlicher Memmen zu gehören, die haarige Dickbauchspinnen, schleimige Nacktschnecken und Maden nicht so gern haben.

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Bevor die Fütterung der kleinen Bestien beginnt, werde ich aber erst einmal eingewiesen in die kulinarischen Vorlieben der Erdmännchen. Und in ihre gefährlichen Seiten. Vor allem auf die Finger soll ich aufpassen, warnt Tierpfleger Matthias Hiltmann: "Die haben ein ordentliches Gebiss." Keine bange, den Arm beißen sie einem nicht ab, beruhigt mich der 35-Jährige, "aber beim Füttern nehmen sie schon gerne mal die Finger mit – das kann dann bis auf die Knochen gehen". Die Freiburger Erdmännchen bekommen Mäuse als Futter. In freier Natur zählen aber auch Giftschlangen und Skorpione zu ihren Opfern, erzählt mir der Tierpfleger. Kurzum: Der Erdmann kann, so gewitzt und knuffig er auch aussieht, ein durchaus unangenehmes Wesen sein und ist nicht zwangsläufig so lieb und vorwitzig wie Timon in Disneys "König der Löwen". Genug der Vorwarnungen. Jetzt heißt es, Würmer packen und ab ins Gehege. Dort angekommen, rennen erst mal alle acht Erdmännchen – genaugenommen sind es sechs Männer und zwei Frauen – fluchtartig davon. Dass ich nicht Tierpfleger Peter Mattuschek oder sein Kollege Matthias Hiltmann bin, scheinen sie sofort zu merken, Mundenhof-Arbeitskluft hin oder her.

Es gibt jedoch einen Trick, wie ich mir die kleinen bissigen Gesellen schnell zu Freunden machen kann. Hier kommen die Mehlwürmer ins Spiel, die sich in der Dose schlängeln, die ich in Händen halte. Für die Erdmännchen sind sie ein willkommener Snack, so eine Art Milchschnitte. Ein-, zweimal kurz mit den Fingern an den Dosenrand geklopft, und die Erdmännchen werden neugierig – wissend, dass es was zu futtern gibt. Jetzt muss ich handeln, und zwar schnell und ohne Igittigitt-Getue und Gezicke. Beherzt greife ich in die Dose und knie nieder, damit ich für die Erdmännchen nicht mehr ganz so groß erscheine. Dann streue ich ein paar der Würmer vor meine Füße. Und schon sind sie da – erst ein Erdmännchen, dann zwei, dann drei, dann vier. Die Nachricht von der kleinen Mahlzeit scheint sich schnell rumzusprechen, die Skepsis lässt nach, der Wagemut wird größer. Bald schon springen alle um mich herum, zunächst in einigem Abstand.

Ich halte die Dose tiefer. Jetzt ist der Bann gebrochen. Ein Erdmännchen (Namen haben die acht Beißer nicht) krallt sich an den Dosenrand und steckt den Kopf ins Innere. Es will die ganze Portion für sich. Meine Angst vor den Schlangen-tötern hält sich in Grenzen, sie sind doch einfach nur herzig. Ich hebe die Dose ein wenig höher, für die Erdmännchen ist das aber kein Grund loszulassen. Getrieben von der Lust auf leckere Mehlwürmer, klammern sich zwei am Behälter fest. Ich halte ihn weiter nach oben, schließlich sollen alle etwas bekommen. Doch sie klammern sich weiter fest an den Rand der Dose – bis sie in der Luft baumeln. Das Schicksal der Mehlwürmer ist besiegelt. Endgültig.

Eine Patenschaft für die Erdmännchen kostet für ein Jahr 100 Euro. Infos: 0761/201-6580. Am Samstag lesen Sie, wie BZ-Redakteurin Simone Lutz die Javaneräffchen bespaßt.

Die Erdmännchen

Erdmännchen sind sehr soziale Gruppentiere, sie leben im Matriarchat – eine Lady hat also das Sagen. Sie werden bis zu 15 Jahre alt. Beheimatet sind sie in der afrikanischen Kalahari-Wüste, wo es natürlich wärmer ist als im Freiburger Winter. Deshalb haben sie im Mundenhof Wärmelampen, ganz neu eine Heizplatte und einen warmen Stall. Ist es ihnen kalt, kuscheln sie sich zu einem Knäuel zusammen.

Autor: Frank Zimmermann