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10. Februar 2014

"Ein Thermalbad ist in Bürchau vorstellbar"

Professor Kohl: "Sie sitzen hier auf einem Schatz": Neue Erkenntnisse zur warmen Quelle / Ergebnisse einer wissenschaftlichen Untersuchung wurden präsentiert.

  1. Julian Rolker bei der Präsentation der Bürchauer Quellen-Analyse Foto: Heiner Fabry

  2. Dr. Eva Schill vom Steinbeis-Transferzentrum. Foto: Heiner Fabry

KLEINES WIESENTAL. Einige neue Erkenntnisse zur warmen Quelle in Bürchau konnte Julian Rolker vom Karlsruher Institut für Technologie am vergangenen Samstag in Bürchau präsentieren. Und Professor Thomas Kohl, der die Masterarbeit ermöglicht und begleitet hatte, erklärte: "Sie sitzen hier in Bürchau auf einem Schatz, der für das Wiesental wohl einmalig ist." Jetzt muss weiter geklärt werden, wie dieser Schatz für das Kleine Wiesental nutzbar gemacht werden kann.

Mehr als 50 interessierte Bürger aus dem Kleinen Wiesental und aus umliegenden Gemeinden waren nach Bürchau gekommen, um bei der Projektpräsentation dabei zu sein. Vor rund einem Jahr hatte der Verein "Erneuerbare Energien Kleines Wiesental" das Projekt "Geothermie Bürchau" auf den Weg gebracht.

Harald Senn, der verantwortliche Projektleiter des Vereins, auf dessen Initiative dieses Projekt zustande kam, erläuterte zum Eingang die Ausgangssituation und den bisherigen Verlauf des Projektes. Früh hatte er den Kontakt zu Professor Kohl vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Dr. Eva Schill vom Steinbeis-Transferzentrum hergestellt. Professor Kohl hatte sich schnell bereit erklärt, die Untersuchungen der Geologie im Bereich Bürchau und der Wasseranalysen durch eine Masterarbeit zu unterstützen.

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Quellen-Analyse 2013

In drei Analysekampagnen im Verlauf des Jahres 2013 hatte Julian Rolker dann die Bürchauer Quelle, weitere Quellen im näheren Umfeld sowie die Geologie der Region untersucht und die Ergebnisse dokumentiert. Die umfassende und anschauliche Präsentation der Arbeit von Julian Rolker brachte einige Neuigkeiten für die Bürger. Eine der neuen Erkenntnisse besagt, dass die Wässer der Bürchauer Quelle nicht – wie angenommen – vom Belchen, sondern aus dem Einzugsgebiet des Köhlgarten stammen. Die Wasseranalyse zeigte darüber hinaus eine große Ähnlichkeit mit dem Quellwasser in Badenweiler.

Weiter zeigte Julian Rolker, dass die Bürchauer Quelle zu einem großen Anteil aus Wasser besteht, das länger als 60 Jahre vom Eintritt in das Gestein bis zu seinem Wiederaustritt unterwegs war. "Geologisch betrachtet ist das keine lange Zeit", erklärte Julian Rolker, jedenfalls reicht diese Zeit nicht für eine starke Anreicherung des Wassers mit Mineralien aus dem Gestein.

"Mineralwässer" aus dem Schwarzwald weisen eine bedeutend stärkere Anreicherung mit Mineralien aus als das Bürchauer Wasser. Dafür zeigte die Analyse aber auch, dass das Wasser auf seinem Weg maximale Temperaturen von bis zu 60 Grad durchlaufen hat. Eine weitere Erkenntnis aus der Arbeit von Julian Rolker ist, dass Bürchau am Schnittpunkt von drei unterschiedlichen Verwerfungen im Gestein ist, die den Aufstieg des Wassers und den Austritt als warme Quelle in Bürchau erst ermöglichen.

Thomas Kohl würdigte die Masterarbeit von Julian Rolker als sehr gute und wertvolle Arbeit zur weiteren Erforschung der Gegebenheiten im Wiesental, die in Kürze auch auf der Homepage des KIT veröffentlicht werden wird.

50 Grad warmes Wasser
"Ausgehend von dieser Arbeit darf man annehmen, dass durch eine Brunnenbohrung der Zugang zu Wasser mit einer Temperatur um die 50 Grad mit einer deutlich höheren Schüttung möglich werden kann", erklärte er.

Eine solche Bohrung berge insofern ein gewisses Risiko, dass die Wasserader getroffen werden muss, um das Wasser und damit die Wärme nutzen zu können. "Im Granit ist es halt so, wie auch sonst im Leben: knapp daneben ist auch vorbei", scherzte er. Um die genauere Eingrenzung möglich zu machen, bot Professor Kohl an, die Örtlichkeiten und die genaue Geologie über eine weitere Masterarbeit durch das KIT weiter untersuchen zu lassen. Dr. Eva Schill ging konkret auf die Nutzungsmöglichkeiten der Quelle ein. "Die derzeitige Schüttung am Quellaustritt ist für eine wirtschaftliche Nutzung zu schwach", erläuterte sie. Aber durch die erwähnte Bohrung wäre eine Nutzung sehr gut vorstellbar. "Bedenkt man die Kosten für eine Brunnenbohrung, dann ist eine Nutzung rein zu Wärme- und Heizzwecken wirtschaftlich nicht sinnvoll", so Eva Schill weiter. "Was aber sehr wohl vorstellbar ist, wäre eine Nutzung in Form eines Thermalbads, wie es sie auch andernorts im Schwarzwald gibt."

Sowohl das errechnete Wärmepotential wie die angenommene Schüttung von rund zwei Litern pro Sekunde ließen eine solche Nutzung als durchaus realistisch erscheinen.

Sprecher des Vereins "Erneuerbare Energien" gaben bekannt, dass jetzt zusammen mit dem KIT versucht werde, die Realisierbarkeit eines solchen Thermalbads sowie die Fördermöglichkeiten für ein solches Projekt zu evaluieren. Über den weiteren Verlauf wird die Bürgerschaft in öffentlichen Veranstaltungen informiert werden.

Nahwärme und Energiefragen
Bekannt gegeben wurde bei der Bürger-Information des Vereins "Erneuerbare Energien Kleines Wiesental", das im Verlauf dieses Jahres weitere öffentliche Veranstaltungen stattfinden werden. Seit rund einem Jahr arbeiten Aktive des Vereins an einer Datenerhebung in Tegernau mit dem Ziel, im Dorf ein Nahwärmenetz in Kooperation mit der HBG-Zell zu realisieren. Die Datenerhebung ist so gut wie abgeschlossen und wird jetzt in eine Konzeptphase münden. In zwei Monaten wird der Verein über ein solches Nahwärmekonzept und mögliche Umsetzungsvarianten berichten.

Auf vielfachen Wunsch aus der Bevölkerung wird der Verein ab April eine mehrteilige Informationsreihe anbieten, in der darüber informiert wird, wie der Strom- und Energiemarkt funktioniert, wie Preise zustanden kommen, welchen Einfluss die Strom- und Gasnetze auf die langfristige Versorgung der Bürger haben und wie private Haushalte ihre eigenen Energiekosten deutlich reduzieren können.

Die Reihe wird mit anerkannten Fachreferenten zum Thema durchgeführt. Zu allen Veranstaltungen wird über die Presse und über den vereinsinternen Verteiler gesondert eingeladen.

Autor: Heiner Fabry