Tourismus

Beliebter als die Berliner Mauer – Der Schwarzwald boomt

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

Mi, 11. Juli 2018 um 19:10 Uhr

Südwest

Der Schwarzwald ist bei Touristen so beliebt wie nie, 2018 könnte ein neues Rekordjahr werden – auch dank Instagram. Vom Schwarzwald-Boom sollen auch Einheimische und kleine Dörfer profitieren.

Es ist seine erste Jahrestagung. Der Südtiroler Hansjörg Mair, 50 Jahre, rotes Sakko und Jeans, ist seit September 2017 Geschäftsführer der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG). Er ist damals nicht angetreten, um den Schwarzwald neu zu erfinden, auch die bewährten Klischees wie Bollenhut oder Kuckucksuhr hat er nie in Frage stellen wollen: "Das sind Ikonen, das ist der Nährboden für den Aufbau langlebiger Destinationsmarken", sagt Mair bei der Tagung der STG am Mittwoch auf dem Gelände der Landesgartenschau in Lahr. Warum auch am Image dieser Marke Schwarzwald rütteln?

Fast sechs Millionen Übernachtungen mehr als im Jahr 2007

Die Zahlen sprechen ohnehin für sich. Immer mehr Urlauber führen zu immer neuen Rekorden. 2017 war wieder so ein Top-Jahr: 8,3 Millionen Touristen sorgten für 21,7 Millionen Übernachtungen in gewerblichen Betrieben über zehn Betten. Rechnet man die Privatunterkünfte und Campingplätze hinzu, gab es vergangenes Jahr mehr als 39,1 Millionen Übernachtungen im Schwarzwald – fast sechs Millionen mehr als noch 2007. Und auch in den ersten fünf Monaten 2018 hat es schon ein Plus bei Ankünften und Übernachtungszahlen in Höhe von 6,2 und 4,8 Prozent gegeben.

Dorothea Störr-Ritter, Landrätin des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald und Vorsitzende des STG-Aufsichtsrats, betont, dass der Tourismus mehr als 500 000 Arbeitsplätze in der Region sichere – in Hotels und Heilbädern sowie in Zuliefererbetrieben und dem Handwerk. "Jede Menge Geld fließt in die Region, die Einwohner profitieren."

"Jede Menge Geld fließt in die Region, die Einwohner profitieren." Landrätin Dorothea Störr-Ritter
Genau mit diesem Anspruch hat Mair den Job vor zehn Monaten begonnen. Das Ziel sei den Schwarzwald zum begehrtesten Raum zum Leben und Erleben in Deutschland zu entwickeln, Hand in Hand mit der einheimischen Bevölkerung. Mair fordert: "Nicht nur an die Touristen denken." Denn zur werbewirksamen Authentizität, für die der Schwarzwald nun mal stehe, würden die Einheimischen einen großen Teil beitragen: Sie wandern, fahren Ski, machen Wellness und genießen – also das, wofür die Urlauber anreisen. Investitionen in die touristische Infrastruktur kämen also auch der Bevölkerung zu gute. "Tourismus wird in Zukunft nur so nachhaltig funktionieren", so Mair.

Auch kleine Dörfer sollen profitieren

Um die Einheimischen mitzunehmen, will die STG künftig auch kleine Dörfer, in denen es viele kleine Anbieter von Ferienwohnungen und Bauernhöfen gibt, bei der Vermarktung besser unterstützen. Das Projekt nennt sich "NaDU – Natürlicher Dorfurlaub", eine Sonderzuwendung in Höhe von 160 000 Euro vom Stuttgarter Justizministerium, das auch für Tourismus zuständig ist, kommt 21 Gemeinden im Schwarzwald von Fröhnd über Bräunlingen bis nach Sasbachwalden zugute.

Auf Instagram liegt der Schwarzwald vor der Berliner Mauer

Das zweite große Anliegen Mairs ist es, den Schwarzwald und die Vermarktung digital besser aufzustellen. Die STG arbeite an einer neuen Datenbankstruktur, um besser und leichter im Netz gefunden zu werden. "Social Media ist ein großes Thema", sagt Mair. Und erzählt den rund 300 anwesenden Politikern, Verbandsfunktionären und Tourismusfachleuten vom jüngsten Instagram-Ranking der weltweit beliebtesten Sehenswürdigkeiten. Auf Platz Eins in Deutschland liege der Schwarzwald, noch vor der Berliner Mauer. "Schön" findet das Mair und berichtet weiter, dass für immer mehr Menschen die Wahl des Urlaubsorts von dessen Instagramability abhänge, davon, ob sie dort von sich ein schönes Foto für die sozialen Netzwerke machen könnten. "Verrückt, aber das ist so."