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16. Februar 2010

"Beratung und Planung werden unmöglich"

DREI FRAGEN AN Helmut Godard, den Chef der Solar-Installationsfirma Energossa, zur Kürzung der Einspeisevergütung.

  1. Helmut Godard Foto: Thomas Kunz

Die aktuelle Debatte um massive außerplanmäßige Kürzungen bei der Einspeisevergütung für Solarstrom betrifft auch die Freiburg Photovoltaikanlagen-Installateure. BZ-Mitarbeiter Holger Schindler hat mit Helmut Godard, dem Chef von Energossa, über die Situation gesprochen. Energossa schraubt schon seit 1987 Solarmodule auf Dächer und gehört damit zu den Pionieren und erfahrensten Spezialisten der Branche bundesweit (siehe Infobox).

BZ: Herr Godard, Hand aufs Herz! Ihre Branche kann sich momentan vor Aufträgen nicht retten, weil alle nun schnell, schnell noch ihre Solaranlage in Betrieb nehmen wollen. So schlecht ist doch das gegenwärtige, von der Politik gemachte Solarfieber für Sie gar nicht, oder?
Helmut Godard: Eine außerplanmäßige Kürzung der Einspeisevergütung an sich ist nicht das Problem. Und wir gehen auf jeden Fall davon aus, dass wir auch in Zukunft Arbeit haben, denn Photovoltaik wird sich auch künftig noch rechnen. Aber eben erst, wenn die jetzige Torschlusspanik verflogen ist und die Leute wieder nüchtern denken können. Und genau hier liegt das Problem. Die Art und Weise, wie die Politik an diese Kürzungsidee herangeht, ist desaströs. Die Kürzung ist zu heftig und vor allem erfolgt sie viel zu kurzfristig. Aber noch viel schlimmer ist, dass sie bisher eine unverbindliche Ankündigung ist. So wird jede Beratung und Planung unmöglich. Über die jetzige Auftragsflut können wir uns nicht freuen, denn durch den ohne Not geschaffenen Termindruck ist Frust programmiert. Die Arbeitsbelastung für uns und die Kollegen ist immens, doch Neueinstellungen machen keinen Sinn, da es ja ein reines Strohfeuer ist.

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BZ: Haben Sie so etwas schon mal erlebt?

Godard: Allerdings. Weil die Solarbranche bisher immer von öffentlicher Förderung abhängig war – früher noch mehr als heute –, hat es auch immer wieder mal heftige Verwerfungen gegeben. Einmal hat die baden-württembergische Landesregierung ohne jede Frist ihre Förderung für die Branche gestrichen. Das war 1996, als die große Koalition von CDU und SPD in Stuttgart von einer CDU-FDP-Regierung abgelöst wurde. Quasi noch in der Wahlnacht hat der damalige Finanzminister Mayer-Vorfelder die Unterstützung gestoppt. Das war ein sehr heftiger Schlag.

BZ: Bisher hat sich aber die Solarwirtschaft immer wieder angepasst. Und die letzten Jahre waren ja für Sie und andere Installationsbetriebe ebenso wie für den Handel und die Modulhersteller geradezu ein goldenes Zeitalter. Ist es da nicht Jammern auf hohem Niveau, was nun betrieben wird?

Godard: Was am meisten Not tut, ist Planungssicherheit und ein verlässlicher gesetzlicher Rahmen, der längerfristig gilt. Dass wir früher plötzliche Einschnitte bei der Förderung überstanden haben, heißt nicht, dass das auch in Zukunft immer gelingt. Insgesamt denke ich aber, dass die Installationsbetriebe noch am glimpflichsten davon kommen. Härter trifft eine Kürzung der Einspeisevergütung Modulhersteller wie etwa die Solarfabrik. Denn die stehen in Konkurrenz mit Herstellern aus China. Je geringer die Einspeisevergütung, desto wichtiger der Modulpreis. Wir selbst versuchen seit zwei Jahren, in Frankreich ein zweites Standbein aufzubauen. Dort gibt es für Photovoltaik heute sogar mehr Unterstützung als bei uns. Der Markt hat also viel Potenzial. Allerdings ist es nicht ganz leicht, sich mit den Besonderheiten der französischen Verwaltung zurechtzufinden.

ENERGOSSA

Die Firma Energossa im Christaweg 6 (Gewerbegebiet Haid) baut seit 1987 Solarstromanlagen und gehört damit zu den Installationsbetrieben der ersten Stunde. Der Betrieb mit 15 Mitarbeitern ist voll auf Photovoltaik konzentriert und hat mittlerweile 600 Anlagen errichtet – darunter jene auf dem Rappenecker Hof am Schauinsland.  

Autor: hos

Autor: hos