Ein Zeichner von internationalem Rang

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 11. September 2018

Bernau

Das Hans-Thoma-Kunstmuseum in Bernau bereitet für das Frühjahr eine große Ausstellung des Zeichners Paul Flora vor.

BERNAU (BZ). Das Hans-Thoma-Kunstmuseum wird vom 14. April bis zum 28. Juli 2019 eine große Sonder-Ausstellung zum Werk des international bekannten österreichischen Zeichners und Karikaturisten Paul Flora zeigen. Das teilen der Bernauer Bürgermeister Rolf Schmidt und Margret Köpfer, die Leiterin des Museums, mit.

Dabei heben sie hervor, dass Flora, dessen Todestag sich im Mai 2019 zum zehnten Mal jährt, zu den herausragenden Zeichnern des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts zähle: "Paul Flora ist legendär! Wer kennt nicht seine berühmten Raben, die in gewisser Weise sein Markenzeichen sind? Wer kennt nicht seine Masken und Karneval-Blätter oder die zugleich heiteren und melancholischen Ansichten von Venedig? Wir sind sicher, dass die Bernauer Flora-Ausstellung weit über die Region hinaus ausstrahlen wird. Für den gesamten Südschwarzwald ist sie ein Ereignis."

Auf den Weg gebracht hat die Bernauer Ausstellung Jürgen Glocker, der das Bernauer Hans-Thoma-Kunstmuseum seit Anfang des Jahres berät und unterstützt. Anlässlich einer Paul Flora-Ausstellung in Österreich kam Glocker mit einem Sammler ins Gespräch, der schlussendlich den Kontakt mit Floras Witwe herstellte. Sammler und Witwe statteten dann dem Bernauer Museum einen Besuch ab, und die Planungen für die Präsentation im Jahr 2019 konnten beginnen. Im Rahmen der Bernauer Ausstellung wird eine repräsentative Übersicht über das Schaffen Paul Floras geboten.

Flora wurde 1922 in Glurns (Südtirol) geboren. Im Jahr 1927 zog er mit seiner Familie nach Nordtirol. Sein Zeichenlehrer entdeckte sein großes Talent. Früh erlernte er die Technik der Radierung. Um der Wehrmacht und dem Kriegsdienst zu entgehen, immatrikulierte er sich an der Münchener Kunstakademie – "ohne Absicht, das Institut zu frequentieren", wie Flora später notierte: "Adolf Schinnerer erließ mir nach Vorlage einiger Zeichnungen die Aufnahmeprüfung. Da er gerade in den Ruhestand trat, kam ich aber in die Klasse Olaf Gulbranssons. Leider schaute weder der Meister noch ich je in sie hinein, so dass wir uns erst im Jahre 1957 in Innsbruck kennenlernten."

Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich dann nach und nach Paul Floras Werk, kam der Erfolg: erste Einzelausstellungen ab 1947 in Österreich, bald auch in Deutschland, etwas später Buch um Buch im Züricher Diogenes Verlag, ab 1957 für vierzehn Jahre politischer Karikaturist bei der Wochenzeitung Die Zeit mit Nachdrucken im Observer, Dagens Nyheter, Zürcher Tages-Anzeiger, New York Times und anderen. Paul Flora war ein gefragter Buchillustrator und schuf unter anderem auch Bühnenbilder. In der Republik Österreich und im Fürstentum Liechtenstein erschienen Briefmarkenserien mit Motiven Floras. Vor allem jedoch war er ein Leben lang freier Künstler. Die Bernauer Präsentation bietet die Möglichkeit zur Wiederbegegnung mit einem Zeichner von internationalem Rang.