"Hoch die Ferse, tief das Knie..."

Ulrike Spiegelhalter

Von Ulrike Spiegelhalter

Sa, 03. März 2018

Bernau

Seit 15 Jahren organisiert der Bernauer Fritz Baur Telemark-Wanderungen / Ein Pater vom Kolleg brachte die Technik hierher.

BERNAU. Eine der ältesten Skitechniken ist das Telemarken, das seit einigen Jahren eine Wiedergeburt erlebt und immer mehr Wintersportler begeistert. Von ihnen hört man mitunter, das der Stil mit Steyle gar süchtig machen kann, so man ihn mal ausprobiert und Freude daran gefunden hat. Seit 2003 organisiert der Bernauer Fritz Baur Telemark-Wanderungen zum 1309 Meter hohen Blößling, in diesem Jahr bereits zum 15. Mal.

Telemark ist eine Provinz im Süden von Norwegen. Hier entwickelte der Norweger Sondre Norheim eine neue Abfahrtechnik. Bei dieser Technik wird ein Ski vor dem anderen geführt, der Fahrer kniet beim Fahren auf dem bergseitigen Ski, so dass sich die Ferse hebt und den Talski nach vorne schiebt. Die Ski werden während der gesamten Kurvenfahrt parallel geführt. Sondre Norheim nahm 1868 an einem Skiwettbewerb teil und zeigte dort erstmals seine Skitechnik, die den Namen nach der Provinz Telemark bekam, um sie von anderen Techniken zu unterscheiden. Es ist nicht ganz einfach, das Telemarken zu erlernen. Es erfordert Kraft, Gleichgewicht und Koordination. Dazu gehört eine spezielle Ausrüstung, ein Paar Ski mit Telemark-Bindung, die nur die Front des Schuhes fixiert, die Ferse ist frei, dazu kommen spezielle Schuhe und Skistöcke, früher fuhr man diese Technik auch nur mit einem langen Skistock.

Die Telemark-Technik hat mittlerweile begeisterte Fans auf der ganzen Welt und auch im Schwarzwald, in Bernau, St. Blasien und der umliegenden Region. Kennengelernt haben diese die Technik durch Pater Liesenfeld vom Kolleg St. Blasien, der Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts Ski- und Langlauftouren nach Norwegen organisierte. An diesen nahmen auch Hans-Peter Hofgärtner aus St. Blasien und Fritz Baur aus Bernau teil und ließen sich für diese besondere Skitechnik begeistern. Bei Touren in der Schweiz konnten sich durch eiserne Telemarker noch mehr in dieser Technik verbessern. Daraus entwickelte sich eine echte Freundschaft beim Telemarken im Nachbarland.

Seit 2003 organisiert der Bernauer Telemark-Fan Fritz Baur Tele-Wanderungen zum 1309 Meter hohen Blößling, die noch nie ausgefallen sind und für die er immer wieder andere Wege findet. In diesem Jahr fand nun die 15. Blößling-Tour stand, getreu nach dem Motto: "Hoch die Ferse, tief das Knie, das ist die Telemark-Philosophie!"

Bei eiskalten Temperaturen und einem scharfen Nord-Ost-Wind schnürten Fritz aus Bernau, Hans-Peter aus St. Blasien, dazu Freunde aus der Schweiz und der Region beim Friedhof die Ski, schulterten die Rucksäcke und begannen den Aufstieg bei Nebel, von der Sonne durchzogen, über den hohen Spitzenberg und Bößling-Sattel zum Blößling, ein in diesen 15 Jahren erstmals gewählter Aufstieg.

"Der Blößling hat schon etwas Eigenartiges an sich", sagte Fritz Baur, das Herzogenhorn natürlich auch, aber obwohl sie jedes Jahr diesen Berg besteigen, zeige sich die Natur jedes Mal neu, wovon alle begeistert waren. Im Wald schien die Sonne durch die Baumkulisse, von Raureif überzogen, boten die Fichten, Tannen und Buchen ein einmaliges Bild. "Oben auf dem Gipfel lagen Nebel und Sonne im Wettstreit", erzählte Fritz Baur, der eisige Vorwind habe den Schnee von der Blößlinghalde weggefegt, so dass diese pickelhart war und die Schweizer Freunde gemeine hätten "bald wie die Eiger-Nordwand".

Die gefühlte Kälte habe durch den eisigen Vorwind ungefähr bei -15 Grad gelegen, vielleicht sogar noch tiefer. Aber was soll’s – Telemamarker sind ein wetterfestes, erprobtes und lustiges Volk, das auch in diesem Jahr bei der Abfahrt Richtung Flüsseweg statt um Slalomstangen um Bäume kurvte, um bei dieser faszinierenden Sportart die Natur besonders erleben zu können. Dazu gehört dann immer, ein zünftiges Speckvesper bei Irmgard und Fritz Baur im Kaiserhaus mit der Feststellung von allen Teilnehmern, dass der Blößling wieder super gewesen sei.