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15. August 2011

Karin Sander erhält in Bernau Hans-Thoma-Preis

Der baden-württembergische Kunststaatssekretär Jürgen Walter zeichnete Karin Sander in Bernau mit dem Hans-Thoma-Preis aus.

  1. Karin Sander bedankte sich für das Lob mit einem selbst komponierten und dirigierten Musikstück. Foto: Kathrin Blum

  2. Foto: Kathrin Blum

  3. Die Bernauer Musikvereine spielten zu Ehren der Preisträgerin Karin Sander. Rechts ist die Künstlerin mit dem baden-württembergischen Kunststaatssekretär Jürgen Walter zu sehen, dem sie ihr dreidimensionales Selbstporträt im Thoma-Museum zeigte. Foto: Kathrin Blum

BERNAU. Den Bernauern ist es gestern gelungen, Tradition und Moderne zu verbinden – und damit für die Verleihung des Hans-Thoma-Kunstpreises einen würdigen Rahmen zu schaffen. Überreicht hat den mit 25 000 Euro dotierten Landespreis für Bildende Kunst, im Beisein vieler prominenter Gäste, der baden-württembergische Kunststaatssekretär Jürgen Walter an Karin Sander, die sich für diese Auszeichnung auf eine ungewöhnliche Art bedankte.

Alle Festredner würdigten Karin Sander als ungewöhnliche und außergewöhnliche Künstlerin. Ihr Dank war denn auch alles andere als gewöhnlich: Nachdem sie sichtlich gerührt die großen Lobesworte entgegengenommen hatte, ließ sie die Bernauer Musikvereine und den Kirchenchor gemeinsam "in höchsten Tönen" spielen. Dieses von ihr vor fünf Jahren komponierte Stück hat keine Partitur, sondern lediglich eine Beschreibung: Alle Musiker sollen ihren Instrumenten, oder eben ihrer Stimme, die höchsten Töne entlocken, zu denen sie imstande sind. Die Künstlerin verriet: "Wir haben das vor zwei Tagen einstudiert."

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Ungewöhnlich war auch noch ein anderer Beitrag: Der Bernauer Kirchenchor sang und sprach das von Chorleiterin Ursula Wäschle-Weiger komponierte Stück "loben". Als Solist trug Berthold Weiger Begeisterung ins Publikum. Der rhythmische Sprechgesang dreht sich um das Wort "ausgezeichnet" – und genau so fand auch das Publikum diesen Beitrag. Außerdem passt dieser Begriff zu Karin Sander. Dass sie es verdient hat, ausgezeichnet zu werden, machte Professorin Pia Müller-Tamm deutlich. Die Direktorin der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe erklärte in ihrer Laudatio, in der große Hochachtung mitschwang, was Sander mit Hans Thoma verbindet – und von ihm unterschiedet. "Karin Sanders Werk ist in markanter Weise anders als vieles, was uns lieb ist." Mit ihrem Schaffen verblüffe sie immer wieder, eben gerade weil sie Erwartungen nicht erfülle. Bei Sander seien keine Widererkennungszeichen zu finden, ihre Kunst sei vollkommen offen.

Die Wandlungsfähigkeit der preisgekrönten Künstlerin hob auch Kunststaatssekretär Jürgen Walter hervor. Er bezeichnete Karin Sanders Werk als überraschend, erfrischend und aufregend. Die 1957 geborene Künstlerin sei gleichzeitig weltoffen und heimatverbunden. "Hans Thoma hätte Freude an der Juryentscheidung für Karin Sander gehabt", erklärte Jürgen Walter. Die Erinnerung an den Schwarzwaldmaler verband er mit dem Dank an dessen Heimatgemeinde Bernau, die seit mehr als 60 Jahren die Preisverleihung begleitet.

Bürgermeister Rolf Schmidt freute sich, dass seine Gemeinde einmal mehr diese Veranstaltung ausrichten durfte und "Petrus ein Einsehen hatte", wie er es formulierte. Landrat Tilman Bollacher erklärte in seinem Grußwort, dass sich der Landkreis Waldshut gerne als Kunstkreis präsentiere – und als Region, die Traditionen wahre, ohne sich Neuem zu verwehren. Im Hinblick auf die Darbietungen meinte er: "Und da sage noch einer, der Schwarzwald sei konservativ und rückständig." Das Gegenteil hätten die Bernauer mit dieser Veranstaltung bewiesen. So spielten auch die Bernauer Musikvereine unter der Leitung von Norbert Köpfer nicht nur traditionelle, sondern auch moderne Blasmusik.

Karin Sander zeigt bis am 18. September am Bernauer Museum sogenannte Gebrauchsbilder und darin ein dreidimensionales Selbstporträt. Außerdem hat sie die Werke der Thoma-Preisträger neu arrangiert (siehe auch BZ vom 13. August).

Autor: Kathrin Blum