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21. April 2010

Mit neuen Ideen aus der Krise

Der Bernauer Firma SLG konnte 40 neue Arbeitsplätze schaffen.

  1. Foto: BZ

  2. Foto: Kathrin Blum

  3. Foto: BZ

  4. Foto: Kathrin Blum

BERNAU. Im Jahr nach der Krise geht es für die SLG Kunststoff GmbH wieder aufwärts. Bernaus größter Arbeitgeber hat nach den Einbrüchen 2009 beschlossen, neue Wege zu beschreiten und die Tochterfirma SLG Pharma gegründet. Damit hat sich das Unternehmen ein zweites Standbein geschaffen, das Geschäftsführer Dieter Stockkamp und der kaufmännische Chef Wolfgang Kaiser für vielversprechend halten.

Die SLG kämpfte im Frühjahr 2009 mit Umsatzeinbrüchen zwischen 15 und 20 Prozent. Die Folge war Kurzarbeit von Februar bis Juli vergangenen Jahres. Durch die Gründung des Tochterunternehmens konnte die SLG im vergangenen Jahr letztlich sogar neues Personal einstellen: Das Unternehmen schuf 2009 insgesamt 40 neue Stellen in den Bereichen Reinraumfertigung, Produktentwicklung und Vertrieb – und wurde dafür mit dem Preis Jobmotor ausgezeichnet, einem Wettbewerb der Industrie- und Handelskammer, dem Wirtschaftsverband industrieller Unternehmen und der BZ. Heute ist der Kunststoffteilehersteller froh, an dieser Strategie festgehalten zu haben, denn die Produktion läuft mittlerweile wieder an sechs Tagen pro Woche 24 Stunden lang im Drei-Schicht-Betrieb.

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Nicht allen Konkurrenten ging es so gut. Die St. Blasier Rotho musste nach der zweiten Insolvenz innerhalb weniger Jahre ihren Betrieb Ende 2009 komplett einstellen. "Selbstverständlich war die Firma Rotho für uns ein Wettbewerber – aber für die Region bedauere ich es trotzdem, dass wir diese Arbeitsplätze verloren haben", sagt Wolfgang Kaiser. Wo die Konkurrenz sitze sei im globalen Wettbewerb ohnehin zweitrangig. Wenn der Konkurrent nicht in St. Blasien sei, dann eben in Asien oder Amerika. Einige der St. Blasier Rotho-Mitarbeiter sind inzwischen bei der SLG untergekommen. Damit gewannen die Bernauer qualifizierte Fachkräfte, die sonst nur schwer zu finden sind.

"Wir haben eine

Nische gefunden"

Wolfgang Kaiser
Mit der Gründung einer Tochterfirma vor knapp einem Jahr, die sich auf Produkte für die Pharma-Industrie spezialisiert hat, ging die SLG nach vorne. Die Mitarbeiter entwickeln und produzieren Dosiersysteme für Medikamente wie beispielsweise Salben, Sprays und Flüssigkeiten. "Es ist ein langwieriger Prozess, sich in diesen Branchen zu etablieren", erklärt Wolfgang Kaiser. "Ich denke, wir sind auf einem guten Weg, auch wenn es nur in kleinen Schritten vorwärts geht." Eine knappe Million hat die SLG in ihre Tochter investiert. Zeitgleich schauten sich die Verantwortlichen nach weiteren Feldern um. Recht gut laufen Kaiser zufolge mittlerweile die Wasserfilter, die die SLG erst seit kurzem und ebenfalls in der neuen Reinraumfertigung herstellt. Im Schwarzwald werden sie kaum gebraucht, ist das Wasser doch überwiegend von hoher Qualität. Aber der Kunststoffmarkt ist eben kein regionaler Markt.

Zu den größten und bekanntesten Kunden der SLG gehören Ikea in Europa, Vitra, Sedus Stoll und Liebherr. Die SLG begleitet ihre Kunden von der Idee bis zur Umsetzung und stellt Kunststoffteile her, die zwischen einem Gramm und zehn Kilo wiegen. Mittlerweile produziert die SLG ganze Baugruppensysteme. Beispielsweise bauen die Mitarbeiter in die Innenverkleidung eines Kühlschranks gleich die Beleuchtung mit ein, die entsprechenden elektronischen Teile kauft die Firma zu. "Damit haben wir eine Nische gefunden", freut sich Kaiser. Im Bereich Gruppensysteme wird beispielsweise ein akkubetriebener Schiffsmotor montiert. "Viele sind immer wieder überrascht, wenn sie hören, was wir alles herstellen", sagt Kaiser. Bei Kunststoffteilen würden viele erstmal nur an Küchenutensilien denken. Aber Kunststoff könne viel mehr. Mittlerweile sei er auch nicht mehr als umweltfeindlich verschrien, längst könne man den Stoff recyceln.

Die SLG hat im Jahr 2003 in eine "Vision 2013" aufgestellt und darin die Ziele im folgenden Zehn-Jahres-Zeitraum festgelegt. Vor der Wirtschaftskrise hatte das Unternehmen diese Ziele schon fast erreicht, doch der Einbruch bremste die tolle Entwicklung. Jetzt sei die Firma allerdings wieder auf dem Weg, dieses Ziel zu erreichen. "Dafür haben wir uns im Krisenjahr auf die Hinterfüße gestellt", meint Wolfgang Kaiser.

ZAHLEN, DATEN, FAKTEN

Die Bernauer Firma SLG beschäftigt 230 Mitarbeiter und verarbeitet jährlich etwa 3000 Tonnen Kunststoff-Granulat. Walter Stockkamp gründete gemeinsam mit seinem Sohn Dieter das Unternehmen als Spritzgießerei vor 32 Jahren in Tiefenstein. Damals waren drei Mitarbeiter beschäftigt. 1983 zog die SLG nach Bernau in ein ehemaliges Holzwerk um. Im Laufe der vergangenen Jahre konnte die Firma ständig anbauen und erweitern. Heute präsentiert sich das Unternehmen selbstbewusst und modern. Die SLG hat sich auch als Kunstförderer einen Namen gemacht, jedes Jahr organisiert Geschäftsführer Dieter Stockkamp Ausstellungen.

Weitere Infos gibt’s unter    http://www.slg-kunststoff.de    http://www.slg-pharma.com
 

Autor: kbl

Autor: Kathrin Blum