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11. Juni 2011
Gute Arbeit ist noch rar
Evangelische Kirche und Gewerkschaften im Gespräch.
Das Ziel: zufriedene Mitarbeiter und eine gute Wertschöpfung über die Unternehmensbilanzen hinaus. Der Weg: gute Arbeit statt Leiharbeit, Dumpinglöhne und Minijobs. Dies ist das Ergebnis der Gesprächsrunde Kirche und Gewerkschaften im Bereich der evangelischen Prälatur Heilbronn und des Gewerkschaftsbezirks Nordwürttemberg Ende Mai.
Dabei formulierte die Runde die Eckpunkte guter Arbeit. Ein Mindestlohn, mit dem der Lebensunterhalt gedeckt werden kann, und gleicher Lohn für gleiche Arbeit zählen dazu. Außerdem eine geregelte Arbeitszeit, die Sonntagsschutz einschließt, unbefristete Arbeitsverträge, die Sicherheit für die Lebensplanung bieten, Gesundheitsprävention und die Möglichkeit zur Qualifizierung.
Die Realität in den Betrieben sei aber oft weit entfernt. Bei der Erhebung zu seinem Gute-Arbeit-Index hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nur bei 15 Prozent aller einbezogenen Arbeitsplätze gute Arbeit festgestellt. Genau ein Drittel dagegen wurde unter schlechte Arbeit gewertet. Und dieser Bereich boome. Heidi Scharf, erste Bevollmächtigte der IG Metall im Bereich Schwäbisch Hall, habe aktuell festgestellt, dass die Leiharbeit in den Metallbetrieben im Kreis Schwäbisch Hall um 42 Prozent, im benachbarten Hohenlohekreis sogar um 400 Prozent steige. "Die prekäre Beschäftigung, zu der ich auch befristete Verträge, Praktika, Minijobs und schlecht bezahlte Jobs zähle, schadet bei den Steuern, und zwar auf der Ausgaben- wie Einnahmenseite, und im gesamten Sozialsystem, etwa bei Kranken- und Rentenkassen", betont Scharf. Das sei kein individuell zu lösendes Problem. "Wir müssen als Gesellschaft sagen: Das wollen wir nicht!"
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Burkhard Siebert vom DGB-Landesbezirk weist darauf hin, dass in Frankreich Leiharbeiter denselben Lohn erhalten wie fest Beschäftigte – und darüber hinaus oft noch einen Mobilitätszuschlag. Nicht die Arbeitsform an sich sei fragwürdig, sondern ihre Gestaltung. Auch Siebert sagt, die Zahl der Leiharbeiter liege mittlerweile bundesweit bei mehr als einer Million, Scheinselbstständigkeit und Werkverträge nähmen zu. "In der Fleischindustrie gibt es Betriebe mit gerade 15 Prozent Stammbelegschaft – der Rest kommt nach Bedarf aus Osteuropa und arbeitet unter unwürdigen Bedingungen," sagt Siebert. Einen Mindestlohn von 8,50 Euro fordert der Gewerkschafter, und generell gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
Was die Tatsache, dass immer schneller und dichter mit immer weniger Beschäftigten gearbeitet werden müsse – und dazu oft unter finanziellen Bedingungen, die Zukunftsängsten Tür und Tor öffnen – mit Menschen anrichtet, schilderte Pfarrer Jens Junginger vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA). Er stellt fest, dass das Burnout zunimmt und immer mehr Menschen aus den Betrieben wegen Suchtproblemen beim KDA anfragen.
Das beste Ergebnis für beide Seiten, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, lasse sich erzielen, wenn im Beruf jeder seine Gaben entfalten könne, eine Berufung verspüre und Selbstwertgefühl schöpfen könne. Zudem müsse das Lebensnotwendige mit der Arbeit gesichert sein, und die Menschen müssten ein Zugehörigkeitsgefühl spüren können am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft, sagte der Theologe.
Autor: epd
